Archive for the ‘Jüdisches Leben’ Category

Veranstaltung zu Lag bar Omer

April 26, 2013

An Lag baOmer veranstaltet Chabad erneut eine Parade und ein Straßenfest.

Das Parade beginnt am Sonntag den 28. April um 13 Uhr am Olivaer Platz, das anschließende Straßenfest um 14 Uhr bei Chabad in der Münsterschen Straße.

Viel Spaß!

Gut Schabbe.

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„Mein Leben kann nur Steven Spielberg verfilmen, verzeiht mir, verzeiht mir.“

Juli 4, 2012

Der Holocaustüberlebende und Widerstandkämpfer Gad Beck ist am 24. Juni diesen Jahres in einem Berliner Altersheim verstorben.
Er wurde 1923 in Berlin geboren und tauchte während der Nazizeit als Jude unter.
Dort leitete er die jüdische Widerstandsgruppe Chug Chaluzi, die anderen versteckten Juden halfen und einige unter anderem mit gefälschten Pässen ins Ausland schleusten.

Eine Freundin hatte mir vor Jahren dessen Biographie Und Gad ging zu David geschenkt und ich habe das Buch trotz der brutalen Umstände, die Gad Beck beschrieb, sehr genossen. Denn Becks Berliner Schnauze und Chuzpe haben mich nachhaltig beeindruckt.
Ich kann das Buch nur jedem wärmstens empfehlen.

Ein Nachruf auf Gad Beck.

Gad Beck wurde auf dem jüdischen Friedhof Heerstraße beigesetzt.

Sichrono livracha.

Jüdisches Leben Berlin

Februar 6, 2012

Es gibt eine neue Website und zwar die von Rabbiner Ehrenberg aus Berlin.
Dort findet man allerhand Informationen rund um die Synagoge in der Joachimstaler Straße und allgemeines zum Judentum, wie Infos zur Kaschruth, Infos zu jüdischen Feiertagen und vieles weitere mehr.
Wöchentlich kann man den Kommentar zur aktuellen Parascha über den Newsletter und über das Archiv über auch ältere Kommentare, abrufen .
Viel Spaß beim Surfen.

Ehemalige Schüler der Volksschule Prinzregentenstraße 69/70 gesucht

Januar 5, 2011

Wie ich schon einmal berichtete, habe ich über jüdisches Leben in Berlin Wilmersdorf von 1933 bis 1945 geforscht.
Nun hat bei mir jemand nachgefragt, dessen Vater die jüdische Volksschule Prinzregentenstraße 69/70 bis 1938 besuchte und ehemalige Mitschüler sucht, ob ich Kontakte zu Schülern hätte. Leider musste ich das verneinen.
Da ich aber sehr gern helfen möchte, würde es mich freuen, wenn sich jemand bei mir meldet, der entweder auch die Schule besucht hat oder einen ehemaligen Schüler kennt.

Fremde Federn: Sind Juden hierzulande integriert? Im Prinzip ja – aber auf ihre Art von Rabbiner Walter Rothschild

November 2, 2010

Integration mal anders. 🙂

[…]

Lederhosen Bin ich integriert? Ich trage in der Regel eine Kopfbedeckung, wenn auch keinen schwarzen Hut, sondern eine Mütze. Ich verzichte auf Bratwurst und Eisbein. Weder habe ich Lederhosen an (Mode in Bayern) noch Leder-Unterhosen (Mode in Teilen Berlins). Ich liebe Beethoven und Bach, aber nicht Udo Lindenberg. Die Bundesliga interessiert mich nicht die Bohne. Zu Hause habe ich einige Werke von Heine und Heinz Erhardt im Regal, aber keine Goethe- oder Schiller-Gesamtausgabe. Ich kann »Ilkley Moor«, ein Volkslied aus Yorkshire, singen, aber nicht »Oh du schöner Westerwald«.

Ich lebe auch in zwei Kalendern. Vor zehn Jahren hat eine Journalistin mich gefragt: »Was sagen Juden zum Jahr 2000?« Ich konnte nur antworten: »Es tut mir leid, aber das ist so lange her, dass wir es total vergessen haben!« Samstag ist für mich nicht Wochenende, sondern – ich wollte Schabbat sagen, aber für Rabbiner ist das ein Werktag. Mit der Adventszeit und mit Weihnachtsmärkten habe ich nichts am Hut. Koschere Ostereier habe ich noch nicht gefunden.

Ich kann mich noch an eine nächtliche Begegnung am Münchner Ostbahnhof erinnern, als ein Besoffener (nicht alle Deutschen sind Besoffene, aber sicher sehr viele von ihnen) mich fragte, ob ich Ausländer sei. »Ja«, sagte ich. »Ich komme aus Berlin.« Für Bayern ist das Ausland. Seine Reaktion war: »Nein, Sie sind Engländer oder Amerikaner, ein Freund von Bush!« Plötzlich war ich ein «echter« Ausländer, nicht nur Jude. Welch eine Erleichterung!

Russen Dennoch: Alles in allem haben wir Juden in Deutschland es (fast) geschafft, als normale Menschen akzeptiert zu werden. Keiner kreidet uns mehr die Kreuzigung Christi an – jedenfalls nicht öffentlich. Mazzen darf man verkaufen, ohne auf der Packung zu vermerken, welche Blutgruppe die dafür geschlachteten Christenkinder hatten.

[…]

Leo Trepp verstorben

September 4, 2010

Leo Trepp ist im Alter von 97 Jahren verstorben.

Ich habe Leo Trepp mehrmals persönlich erlebt und war jedesmal sehr von ihm angetan und konnte vieles von ihm lernen. Die jüdische Welt verliert einen großen Menschen.

Sichrono livracha!

Jewish Parade & Strassenfest zu Lag Bar Omer

Mai 2, 2010

Heute zu Lag ba Omer fand zum ersten Mal ein jüdischer Feiertagsumzug in Berlin statt.
Im Vorfeld gab es hierfür Kritik der jüdischen Gemeinde zu Berlin, die sich wie folgt äußerte: Es entspreche nicht den Gepflogenheiten, jüdische Feste »demonstrativ zu begehen«.

Wenn Juden auf Berlins Straßen sich selbst feiern wollen – und das haben viele am ersten Maisonntag vor – ist dies ihr gutes Recht. Warum nicht einen Wagen mieten und pünktlich zum Ausklang der Maikrawalle den bürgerlichen Berliner Westen »aufmischen«? Dennoch regt sich gegen die jüdische Parade der »Liebe und Verbrüderung« Widerstand: Es entspreche nicht den Gepflogenheiten, jüdische Feste »demonstrativ zu begehen«, seufzen die Skeptiker – ganz so, als würde jedes Jahr der große Chanukka-Leuchter diskret in einem Wohnzimmer entzündet und nicht vor Dutzenden Journalisten, geladenen Gästen und Gemeindevertretern am Brandenburger Tor.

Wir müssen auf unterschiedliche Art und Weise zeigen, dass man an uns nicht mehr vorbeikommt, dass wir unbequem, geschmacklos, skandalös, manchmal auch spannend und interessant sind. Kurzum: Wir leben. Mit uns soll man streiten. Wir sind die Stolpersteine der hiesigen Gegenwart, der Kloß im Hals und der Klotz am Bein des neuen Deutschland. Wir passen in keine vorgefertigten Muster, sind nicht mehr die Unbekannte in der deutsch-jüdischen Gleichung. Wir sind sichtbar.

Die Bauchschmerzen der jüdischen Gemeinde in Berlin kann ich hier nicht nachvollziehen, alle Menschen unterschiedlicher Religionen feiern ihre Feste und niemand hat Bedenken, wenn man zeigt, dass man da ist. Das machen Muslime, Christen und andere doch ebenso. Warum sollten sich wir Juden uns „verstecken“? Ich war dort, auf dem Platz, auf dem sich gestern am 1. Mai circa 300 Nazis illegal versammelt hatten und verhaftet wurden, und es waren mehr Menschen dort als ich dachte, Juden wie auch Nichtjuden. Besonders ist mir die israelische Fahne, die ein Polizist an seinem Motorrad befestigt hatte, ins Auge gefallen. Nach all den Skandalen um verbotene und abgehängte israelische Fahnen, war dies eine Überraschung.
Ich fand die Parade toll, es war laut, lustig und die Menschen haben mit Neugier und Offenheit reagiert. Beschimpfungen habe ich keine vernommen und das ist bei Versammlungen oder Veranstaltungen in der Öffentlichkeit für uns keine Selbstverständlichkeit. Zeigen wir, dass es uns gibt, dass Juden wieder eine Selbstverständlichkeit in Deutschland sind, dass wir keine unbekannten und fremden Wesen, keine Exoten sind, zeigen wir: Am Jisrael chai!
Und: Das sollten wir jedes Jahr genauso machen.

Jüdisches Leben in Berlin-Wilmersdorf während der Zeit des Nationalsozialismus

März 8, 2010

Ich habe eineinhalb Jahre an der Vorbereitung für eine Dauerausstellung, die sich „Orte jüdischen Lebens/nationalsozialistische Einrichtungen in Wilmersdorf“ nennt, mitgewirkt und dafür recherchiert. Das ist der Arbeitstitel, wie die Ausstellung heißen wird, ist noch offen. Die Ausstellung wird im Schoelerschlösschen zu sehen sein. Wann genau steht noch nicht fest, wahrscheinlich in diesem oder nächsten Jahr.
Mein Schwerpunkt lag beim Recherchieren jüdischen Lebens in Wilmersdorf von 1933 bis 1945. Bilder kann ich leider aus Urhebererrechtsgründen nicht einstellen.
1933 leben ca. 160 000 Juden in Berlin (rund ein Drittel der Juden in Deutschland, ca. 4% der Stadtbevölkerung).
Im Bezirk Wilmersdorf ist der jüdische Bevölkerungsanteil mit 14% (ca. 27 000) am höchsten von Gesamt-Berlin.

Jüdische Einrichtungen in Wilmersdorf gab es unzählige. Ich werde einige hier vorstellen.

Jüdische Schulen

Zum Beispiel gab es in Wilmersdorf sechs private Schulen sowie eine nicht-private Schule.

In Berlin-Wilmersdorf gab es sechs private Schulen sowie eine nicht-private Schule:

– Volksschule Prinzregentenstraße 69/70 und (Fasanenstraße 79/80/ Charlottenburg)

– Private Waldschule Kaliski (Grund- und Oberschule), zunächst Bismarckallee 35/37, ab 1936 Dahlem, Im Dohl 2/6

– Jüdische Privatschule Dr. Leonore Goldschmidt (Ober- und Grundschule, Internat), Grunewald, Hohenzollerndamm 110a

– Höhere jüdische Privatschule Dr. Vera Lachmann (Oberschule), Grunewald, Jagowstraße 35

– Private jüdische Waldschule (von 1932 an „Schule am Roseneck“), Toni Lessler- Schule (Oberschule), Grunewald, Hagenstraße 56. Im Jahre 1936 wurde das benachbarte Grundstück zu Schulzwecken in der Kronenberger Straße 18 angemietet

– Höhere Privatschule von Frau A. Pelteso(h)n (Grund- und Oberschule), Pariser Straße 4

– Höhere Privatschule für Knaben und Mädchen von Luise Zikel. (Sie wurde am 25.01.1942 deportiert und in Riga ermordet, geboren wurde sie 1878) , Kufsteiner Straße 16 (Grundschulklassen)

Auf die höhere Privatschule von Anna Pelteson gehe ich näher ein.

Höhere Privatschule von Frau A. Pelteson (Grund- und Oberschule), Pariser Straße 4

Anna Pelteson wurde am 13.01.1868 in Posen geboren. 1884 übersiedelte sie nach Berlin, wo sie 1884 eine Ausbildung zur Lehrerin am Privatseminar von H. Böhm in der Invalidenstraße begann und die Prüfung 1886 für die mittlere und höhere Mädchenschule bestand. Im selben Jahr hielt sie sich in England auf. 1887 war sie als Privaterzieherin und Lehrerin tätig. 1891 hielt sich A. Pelteson erneut in England auf und kehrte 1897 nach Berlin zurück. Im selben Jahre gründete sie in der Wichmannstraße 18 ein „Institut zur Beaufsichtigung und Erziehung von Schulmädchen“, aus dem ihr privater Schulzirkel entstand. 1901 legte sie die Prüfung zur Schulvorsteherin ab und zog 1901 mit ihrer Schule in die Motzstraße. 1903 konvertierte sie zum evangelisch- lutherischen Glauben.
Im Jahre 1903 wurden 38 jüdische und 16 christliche Mädchen unterrichtet. Pelteson selber unterrichtete Englisch, Französisch, Deutsch und Gesang. Zum Institut gehörten ein Pensionat, ein Kindergarten sowie eine Grundschule für Knaben.
1912 erfolgte der Umzug in die Pariser Straße 4. Der Eigentümer des Hauses war Manes Tennenbaum. Im ersten Obergeschoss befand sich die Schule, die aus 6 Räumen bestand. Später kam im Erdgeschoss eine Privat-Synagoge hinzu.
Die ehemalige Schülerin Sigwina Frfr. von Geyso beschrieb Anna Pelteson als „würdevolle Dame“. Die Klassen umfassten jeweils 15 Schülerinnen, berichtet von Geyso weiter, die unterschiedlicher Herkunft waren: Bankiers, Kaufleute, Rechtsanwälte, Ärzte usw. Von Geyso bezeichnete Peltesons Schule als eine, bei der man viel lernen konnte.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten durften an der Schule nur noch jüdische Kinder unterrichtet werden, das Pensionat wurde kurz danach aufgelöst. 1937 unterrichteten 11 LehrerInnen und A. Pelteson an der Schule, wobei 6 Lehrerinnen in diesem Jahr entlassen wurden. Von diesen LehrerInnen wurden zwei während der Shoa in Riga bzw. Auschwitz ermordet.
Im Oktober 1938 wurden die Räume in der Pariser Straße gekündigt, die Schule im gleichen Jahr aufgelöst.
Privat lebte A. Pelteson seit 1935 in der Uhlandstraße 114/115. Dort wohnte sie mit 5 anderen Jüdinnen und ihrer Schwester Jenny in einer 7-Zimmer-Wohnung.

Am 14. September 1942 wurde A. Pelteson zusammen mit ihrer Schwester nach Theresienstadt deportiert. Anna Pelteson starb dort an ihrem Geburtstag am 13.01.1943.

(Unterlagen und Bilder kann man im Heimatmuseum Charlottenburg-Wilmersdorf einsehen)

Synagogen

In Wilmersdorf existierten zwei Gemeindesynagogen (Synagoge in der Markgraf-Albrecht-Straße 11), genannt der „Friedenstempel“, und die Synagoge in der Prinzregentenstraße 69/70 sowie zwei Privatsynagogen (in der Franzensbader Straße 7-8) und die liberale Synagoge (Pariser Straße 1).

Daneben gab es den Israelitischen Religionsverein Wilmersdorf (Schaperstraße 33) und den Synagogenverein Grunewald e.V. (in der Jagowstraße 34, heute Richard-Strauss-Straße).

Die Synagoge in der Franzensbader Straße hatte circa 400 Plätze und wurde 1923 am jüdischen Neujahrstag durch den „Synagogenverein Grunewald“ eingeweiht. Während der Pogromnacht am 9./10. November 1938 wurde die Synagoge in Brand gesteckt und zerstört. Im Februar 1941 kaufte das Grundstück mit der Ruine eine Berliner Wohnbau-GmbH. Kurz danach erfolgte der Abriss der Ruine. Im April 1941 wurde auf dem Gelände ein Gemüsestand errichtet.

Der so genannte Friedenstempel in der Markgraf-Albrecht-Straße 11 ist am 9. September 1923 mit 1450 Plätzen eingeweiht worden. Die Synagoge hatte eine liberale Ausrichtung, wobei zusätzlich in einem Nebengebäude wochentags und am Schabbat ein rein orthodoxer Gottesdienst angeboten wurde. Rabbiner Joachim Prinz predigte unter anderem auch in dieser Synagoge. Er konnte 1937 noch in die USA emigrieren, nachdem er mehrfach von der Gestapo verhaftet worden war. Der berühmte Kantor Manfred Lewandowski fungierte im Friedenstempel als Oberkantor. Wie alle anderen Synagogen in Wilmersdorf wurde auch diese Synagoge während der so genannten Reichskristallnacht erheblich beschädigt. Zwei jüdischen Jungen (David Zwingerman – heutiger Name Hamilton – und Horst Löwenstein) gelang es, zwölf Thorarollen aus der Ruine zu retten. Beide brachten die Thorarollen zu einem jüdischen Teehändler (englischer Herkunft) in Sicherheit und gaben sie später der Jüdischen Gemeinde in Berlin zurück. Nach dem Krieg (1959) wurde die Ruine abgetragen.

Die Synagoge in der Prinzregentenstraße 69/70

Das Grundstück in der Prinzregentenstraße kaufte die Jüdische Gemeinde im Jahre 1913.
Die Planung der Synagoge begann 1920, ab 1922 erhielt der Gemeindearchitekt Alexander Beer den Auftrag, einen Entwurf auszuarbeiten. Beer sah eine langgestreckte Bethalle bis kurz vor der Rückseite der Bebauung an der Babelsberger Straße vor.
Auf Grund der Bauordnung von 1925 machte die Baupolizei die Baugenehmigung vom Einverständnis der Hauseigentümer der Babelsberger Straße abhängig. Die Zustimmung war aber mit derart großen Auflagen verbunden, dass sich die Gemeinde entschloss, einen neuen Bauplan zu entwerfen zu lassen.
Die projektierte lange Bethalle wurde verworfen und stattdessen ein runder überkuppelter Zentralbau geplant. Innerhalb der Jüdischen Gemeinde gab es Streit über die religiöse Ausrichtung der Synagoge. Schließlich wurde eine liberale Ausrichtung beschlossen: Mit einer Orgel (Orgelbaufirma G.F. Steinmeyer & Co.) und ohne gesonderte Empore für Frauen.
1929 gründete sich der Synagogenverein Prinzregentenstraße e.V.
Sein Ziel:
„Der Verein bezweckt die Pflege des religiös-liberalen Gedankens und der Förderung insbesondere innerhalb der Synagoge Prinzregentenstraße, und die Zusammenfassung der Synagogenbesucher zu geselligen und gemeindepolitischen Zwecken.“

Am 16. September 1930 fand die Einweihung der Synagoge statt. Die Synagoge bot 2300 Besuchern Platz und war damit die größte Synagoge im Bezirk Wilmersdorf. Im Gebäudetrakt gab es eine Religionsschule sowie ab 1933 die Parallelklassen der 4. Volksschule der Berliner Jüdischen Gemeinde. Die Synagoge enthielt ebenso eine Zweigstelle der Wohlfahrts- und Jugendfürsorge der Jüdischen Gemeinde. Der Rabbiner der Synagoge war Manfred Swarsensky, der Vorsitzende des Gemeindevorstandes hieß Georg Kareski.
Organist der Synagoge von 1935-1938 war Werner Baer. Er emigrierte im Dezember 1938 nach Singapur.
Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten fanden regelmäßig Konzerte und Veranstaltungen zur Unterstützung arbeitslos gewordener jüdischer Künstler statt. Es zeigte sich ein geistiger Widerstand, der durch die Nationalsozialisten nie völlig gebrochen werden konnte.
In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge von SA-Trupps zum größten Teil zerstört. Die Hitlerjugend half der SA das Gelände abzusperren.
Der Rabbiner Manfred Swarsensky beschrieb die Folgen des Brandes durch die Nationalsozialisten:

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 weckte mich ein Anruf des Kastellans aus tiefem Schlaf, der ins Telefon schrie: >Die Synagoge brennt!< Ich sprang aus dem Bett und rannte zur Synagoge. Der Innenraum stand in hellen Flammen, die bis zu der hohen Kuppel emporzüngelten. Gotteslästerer und Ungläubige jener Tage vernichteten in dieser Nacht über 200 Synagogen in ganz Deutschland.
(Quelle: Monika Schmidt: „Arisierungspolitik des Bezirksamts“, Seite 218 in Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin (Hg): Kommunalverwaltung unterm Hakenkreuz, Berlin Wilmersdorf 1933-1945, Berlin 1992)

Karl Heinrich Paulmann, der am 10. November heimlich die Synagoge fotografierte, berichtete nach dem Krieg, dass SA-Trupps die Synagoge sperrten und Menschen, die dort stehen blieben, verjagte. Außerdem berichtete er, dass die Prinzregentenstraße (vorn) von SA wimmelte und niemand auch nur in die Nähe kommen konnte, und dass die Synagoge noch brannte ( Quelle: Synagogen in Berlin Teil 1, Berlin Museum, Berlin 1983, Seite 78).

1939 musste der Erbauer Alexander Beer (1944 in Theresienstadt ermordet) auf Anweisung der Behörden den Abriss des Gebäudes verfügen. Im Jahre 1941 wurde die Jüdische Gemeinde gezwungen, das Grundstück für 160.000 Reichsmark zu verkaufen. Der Wert war Anfang 1938 mit über einer Million Reichsmark beziffert worden.
1956 erwarb die Stadt Berlin das Gelände (im Rahmen eines Vertrages zwischen der Jewish Trust Corporation und der Stadt Berlin). Die Ruine wurde 1958 unter großen technischen Schwierigkeiten abgetragen. Der Allgemeine Blindenverein Berlin errichtete 1958 auf dem Gelände 70 blindengerechte Wohnungen.

Heute befinden sich auf allen oben genannten ehemaligen Synagogengeländen Wohnhäuser.

Atelier Yva-Photographie (Mode – und Werbefotographin

Die Fotografin Yva hieß mit bürgerlichen Namen Else Ernestine Neuländer. Ihr Atelier befand sich in der Schlüterstraße 45 in Wilmersdorf. Else E. Neuländer wurde im Jahre 1900 geboren. Ihr Atelier Yva befand sich von 1930 bis 1934 in der Bleibtreustraße 17.
1934 heiratete sie Alfred Hermann Simon und bezog die neuen Atelierräume in der Schlüterstraße 45. Unter anderem lernten bei Yva Helmut Newton und der Neffe William Godwin das fotografische Handwerk. Im Jahre 1938 musste das Atelier geschlossen werden. Die letzte Adresse des Ehepaares lautete Bamberger Straße 49. Beide mussten Zwangsarbeit leisten. Else E. Neuländer und ihr Ehemann wurden am 13.06.1942 in das Vernichtungslager Sobibór in Polen deportiert und dort ermordet (der genaue Todeszeitpunkt ist nicht bekannt.)
Heute befindet sich im ehemaligen Atelier Yva das Hotel Bogota. Der Inhaber des Hotels – Joachim Rissmann – sammelt heute die Werke der Künstlerin Yva. Eine Vitrine ihrer Werke steht am Kurfürstendamm.
Vor dem Hotel Bogota erinnern zwei Stolpersteine an Yva und ihren Ehemann.

Es gebe noch viel mehr zu schreiben, aber das würde den Rahmen hier extrem sprengen. Wer möchte kann die Ausstellung bald im Berliner Schoelerschlösschen besichtigen.