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Der ewige Konvertit?

Februar 23, 2010

Es gibt etwas, was mir seit Jahren immer wieder auffällt. Und zwar, dass ein Mensch, der Juden geworden ist, bei einem bestimmten Menschenschlag immer und ewig der Konvertit bleibt, egal wie lange der Giur auch zurückliegt.

Dabei ist der Begriff Konversion in Bezug auf das Judentum schon falsch.
Laut Wikipedia ist die Konversion die Umkehr bzw. die Umwendung (lat.: conversio = Umwendung, Umkehr) und bedeutet die Übernahme von neuen, anderen Glaubensgrundsätzen, religiösen Traditionen und Bräuchen bzw. der Kultur, in Beziehung zu den früheren Glaubensgrundsätzen der konvertierenden Person.

Erstens tritt man im Judentum keiner Religion bei, sondern über die Religion einem Volk.
Zweitens war nicht jeder Ger oder jede Gioret ein Angehöriger einer anderen Religion.

Wenn man schon den Begriff verwenden muss, ist er im Kontext eines Giurs völlig falsch, denn man ist solange Konvertit, solange der Giur andauert.
Nach dem Gang in die Mikwe (bei Männern kommt noch die Brith Mila hinzu) ist man Jude und kein Konvertit mehr. Immer wieder finde ich es erstaunlich, dass sich diese schlichte Tatsache immer noch nicht überall herumgesprochen hat. Besonders nicht bei Juden, die es eigentlich besser wissen müssten.

Warum fällt es manchen so schwer, Gerim als das zu bezeichnen was sie sind: Nämlich Juden? Will man sich so zwanghaft von nicht geborenen Juden abgrenzen und wenn ja, wo liegen die Ursachen dafür?

Besonders gern wird diese Bezeichnung von Nichtjuden gebraucht, die dem Judenrum durchaus positiv gegenüber stehen oder von Juden, die keine Beziehung mehr zu ihrer eigenen Religion haben und/oder die sich fast ausschließlich über die Shoa als Juden definieren. Ja gut, Gerim haben in der Regel keine Vergangenheit des Verfolgtseins durch die Nazis. Sind sie deswegen dann weniger jüdisch?

Gehen wir einmal zur Halacha und wie sie sich in Bezug auf Gerim äußert:

„Wenn einer umgekehrt ist, sage keiner zu ihm: Gedenke deiner früheren Taten! Wenn ein Nachkomme von Proselyten ist, sage keiner zu ihm: Gedenke des Tuns deiner Väter“ (Baba Mezia, 58b).“

Kodex der Halacha, „Jore Dea“,
Kapitel 268, Paragraf 12: „Selbst wenn der
Proselyt rückfällig geworden ist und sogar
Götzen gedient hat, ist sein Status wie der
eines abtrünnigen Juden, dessen Heirat
gültig ist.“

Hat jemand Buße getan, so darf man nicht zu ihm sagen: Denke an deine früheren Taten. Stammt jemand von Proselyten, so sage man nicht zu ihm: Denke an die Taten deiner Vorfahren, denn es heißt: einen Fremdling (ger) sollst du nicht kränken und nicht bedrücken (Ex. 22: 20).

Somit verstößt derjenige, der den Begriff Konvertit nach dem Abschluss eines Giurs benutzt, gegen die Halacha.

Aber auch durch die Bezeichnung Ger bzw. Gioret weist meines Erachtens auf einen Widerspruch zur Halacha hin. Denn mit dieser Bezeichnung wird ein Juden an seine Vergangenheit als Nichtjude erinnert. Widerspricht die hebräische Bezeichnung nicht deshalb nicht auch der Halacha?
Wozu also diese Begrifflichkeit? Um doch einen Unterschied zu geborenen Juden herzustellen?

Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum

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