Schawua tov…

… wünscht Tamie.

46 Antworten to “Schawua tov…”

  1. Aristobulus Says:

    Aber die Ohren haben ’ne gewisse Unwucht🙂

    • Yael Says:

      Tamie ist aber ganz stolz auf ihre Ohren und den süßen Anzug.

      • Aristobulus Says:

        …auf ihre Nase bestimmt auch!, tolle Nase, sowas hätt ich auch gern

      • Yael Says:

        Wie gut, dass sie kein Bewusstsein darüber hat, wie süß sie ist. Leider ist sie schon eine alte Dame, sie schwer hört und auch ihre Sehfähigkeit ist nicht mehr die Beste.
        Das wird wieder ein Drama geben, wenn sie nicht mehr ist.

      • Aristobulus Says:

        Oh. Dabei sieht sie gar nicht alt aus!, sondern blühend, find ich.

        (Antifo hier drunter sieht ja viel, viel älter aus)

      • Yael Says:

        Ja, sie sieht immer sehr jung aus. Wenn sie im Sommer geschoren wird, denken die meisten, sie wäre nicht einmal ein halbes Jahr alt. Dabei ist sie schon vierzehneinhalb Jahre alt.

  2. antifo Says:

    OT:

    Auf meinem Blog gibt es eine deutsche Übersetzung dieses Artikels:

    The Jewish Question In The Russian Orthodox Church
    http://www.ocf.org/OrthodoxPage/reading/jewish_1.html

    Ich poste das hier, weil ich meine, daß es auf Interesse stoßen könnte.

    Eine kurze, wenn auch nicht vollständige Zusammenfassung des Artikels:

    Die in der christlich-orthodoxen Theologie gängige Sichtweise ist, dass Gott alle Völker und Nationen straft, die sich für Gottes geliebtes Israel halten. Im Einklang mit der Lehre der Kirchenväter wird die Kirche (d.h. die orthodoxe Kirche) als das „Neue Israel“ gesehen. Mit der Erweiterung des von Gott angebotenen Bundes auf alle Völker und Nationen hat Jesus Christus den „Zaun“ zwischen Juden und Heiden „abgebrochen“ (Eph 2,14) und somit die Möglichkeit zum allgemeinen Frieden eröffnet. Analog zu der in den Kirchen des Westens diskutierten Theologie nach Auschwitz, wird in der Russisch-Orthodoxen Kirche eine „Theologie nach dem Gulag“ diskutiert.

    Die Übersetzung besteht aus vier Teilen.

    • Aristobulus Says:

      Wozu? Es ist bekannt, dass die russisch-orthodoxe Kirche sich weigert, vom Antijudaismus und der gleichzeitigen Vereinnahmung des Judentums abzurücken.
      Wie zu Zarens Zeiten.
      Was soll die Verlinkung hier bringen? Kein Jude gibt darauf einen halben Cent, Antifo.
      Sie meinten es ja nicht als Warnung.

    • Dante Says:

      Ich lese den Text mit Interesse (bin gerade beim 3. Teil). Das heißt freilich nicht, dass ich ihm zustimmte, in manchen Punkten vielleicht, nicht jedoch in allen.
      Namentilch im 2. Teil bin ich der These begegnet, dass viele der Henker auf Seiten der Bolschewikij Juden gewesen seien und dies eine Quelle für Hass und ‚Antisemitismus‘ sei. Abgesehen davon, dass durchaus auch verzerrte Wahrnehmung eine Rolle gespielt haben kann, kam jedoch auch in Russland der Judenhass zuerst, es hatte über Jahrhunderte immer wieder Pogrome gegeben (nicht umsonst ist das ein russisches Wort). Die Benachteiligung der Juden im Zarenreich war beträchtlich; dennoch sollen nach Aussage eines Bekannten von mir die meisten russischen Juden nicht gleich Bolschewikij geworden sein, sondern eher mit den Menschewikij sympathisiert haben.

      • antifo Says:

        @ Dante
        Eine verzerrte Wahrnehmung ist in solchen Fällen immer im Spiel. Benewitsch erklärt ja auch die Mechanismen und Probleme recht gut, die dazu führen, daß einige heute einzig „die Juden“ hinter der Revolution und dem roten Terror sehen wollen. Ich habe selbst Bekannte in Russland, bei denen ich weiß, wo die stehen. Es ist extrem schwer, die von ihren Überzeugungen abzubringen. Vorderhand zeigen sie sich als Christen, aber der Glaube bedeutet ihnen kaum etwas. Hegel und sonstige Philosophen sind ihnen lieber. Umso wichtiger fand ich daher diesen Artikel. Er enthält sicher einiges, was man als Jude nicht so gern hört. Genauso findet sich aber auch vieles, was sich als Munition gegen Pseudo-Christen verwenden läßt.

      • Dante Says:

        Er [der Artikel] enthält sicher einiges, was man als Jude nicht so gern hört.

        „Nicht so gern hört“ ist reichlich untertrieben. Namentlich der 3. Teil ist ein Frontalangriff auf das Judentum und enthält zudem die für mich absolut inakzeptable Auffassung, die Grausamkeiten gegen die Juden und mit ihr eben auch der Holokaust sei eine göttliche Strafe gewesen.

        Genauso findet sich aber auch vieles, was sich als Munition gegen Pseudo-Christen verwenden läßt.

        Dies ist für mich gar nicht so unbedingt ein Gegenargument, insbesondere wenn meine Weigerung, das Judentum zu verurteilen oder Naturkatastrophen oder eben menschliche Grausamkeit (wie Pogrome oder gar den Holokaust) als göttliche Strafen zu betrachten, mir den Vorwurf einbringt, „Pseudochrist“ zu sein.
        Es gibt m.E. zwei Möglichkeiten: Entweder Fundamentalisten, die genauso denken, haben komplett Unrecht, oder es gibt ohnehin keine Hoffnung für Menschen, die ein Herz und keinen Stein in ihrem Leibe tragen.
        Entweder also diejenigen, die Pogrome (von einem Genozid ganz zu schweigen) im allgemeinen und solche gegen Juden
        – begehen
        – gutheißen
        – rechtfertigen, und sei es in dem Sinne, dass die Täter Werkzeuge Gottes seien
        sind Pseudochristen, oder ich bin entgegen meiner bisherigen Ansicht kein Christ, weder Pseudo noch sonstwie.

      • Aristobulus Says:

        Hi Dante!,
        die These nein strategische Behauptung, dass die Juden die treibende Kraft der russischen Revolution gewesen seien, stammt von Nationalisten der 1920er Jahre. Ernst Nolte griff sie in den achtziger Jahren wieder auf. Er behauptet seitdem, dass der Nazismus Europa gegen den Bolschewismus verteidigt habe. So hat er versucht, den Nazismus reinzuwaschen, wenigstens seine Anfänge.

        Der Abgeordnete Hohmann aus Fulda hat es 2004 wieder versucht: Er strich heraus, wie viele Juden an der russischen Revolution mitgewirkt hätten (jaja, an allen Übeln der Welt) und redete von jüdischer Schuld, mit der Absicht zu widerlegen, dass die Deutschen „ein Tätervolk“ seien. Bloß hatte das zuvor keiner behauptet… sein Vehikel zum Reinwaschen des Nationalen waren mal wieder Juden & Bolschewismus.

        Diese Versuche sind immer national, also großrussisch, großdeutsch usf. Analog gibt’s diese dauernden Versuche radikalislamischer Redner, den Juden Kooperation mit den Nazis unterzuschieben, na um großarabischen Nationalismus zu betreiben und um wieder eine Lüge über die Juden zu verbreiten… was sonst. Gibt nix Neues unter der Sonne.

        So bald irgend einer Juden aufzählt und dann auf irgend ein politisches Verbrechen verweist, ist die Agenda sofort eindeutig

      • antifo Says:

        @Dante

        “Nicht so gern hört” ist reichlich untertrieben. Namentlich der 3. Teil ist ein Frontalangriff auf das Judentum und enthält zudem die für mich absolut inakzeptable Auffassung, die Grausamkeiten gegen die Juden und mit ihr eben auch der Holokaust sei eine göttliche Strafe gewesen.

        Das habe ich dort nicht gelesen. Ich las, daß Gott alle Völker und Nationen straft, die sich für Sein geliebtes Israel halten.

        Benewitsch sagt das in Bezug auf die russische Nation und den auf die russische Revolution folgenden Terror. Vor 1917 gab es durchaus einige Russen, die ihr Land für Gottes geliebtes Israel hielten. In der selben Weise spricht Benewitsch über das Deutschland der NS-Zeit und die deutsche Niederlage.

        Ich finde es nicht absurd zu sagen, daß Gott die Völker und Nationen straft. Den Propheten des Alten Testaments wäre nie eine andere Deutung in den Sinn gekommen. Ich wüßte auch nicht, wie man Schicksale, die der eigenen Familie widerfahren sind, verarbeiten und vergeben könnte, wenn man sie nicht in einen über den Völkern und Nationen stehenden Kontext stellt.

        @Aristobulus

        … dass die Deutschen “ein Tätervolk” seien. Bloß hatte das zuvor keiner behauptet …

        Mir wurde erst diese Woche von einem jüdischen Mitglied eines Diskussionsforums vorgehalten aus einer „Familie der Täter“ zu stammen. Hier der Worlaut:

        Nur, wer nicht selbst Opfer war und wer aktiv Widerstand leistete oder Menschen half, indem er sie versteckte oder ihnen Papiere besorgte oder ähnliches ist für mich kein Täter.

        Die Deutschen bestehen in dieser Weltsicht nur aus Opfern und Tätern. Eine andere Kategorie gibt es nicht.

        Gemäß dieser Definition stamme ich aus einer „Täterfamilie“.

      • Dante Says:

        Mir wurde erst diese Woche von einem jüdischen Mitglied eines Diskussionsforums vorgehalten aus einer „Familie der Täter“ zu stammen. Hier der Worlaut:

        Nur, wer nicht selbst Opfer war und wer aktiv Widerstand leistete oder Menschen half, indem er sie versteckte oder ihnen Papiere besorgte oder ähnliches ist für mich kein Täter.

        Die Deutschen bestehen in dieser Weltsicht nur aus Opfern und Tätern. Eine andere Kategorie gibt es nicht. Gemäß dieser Definition stamme ich aus einer „Täterfamilie“.

        Nein, wenn ich den Text buchstäblich nehme, spricht der Betroffene gerade denen das Nicht-Täter-Sein ab, wenn sie selbst Opfer waren. In dieser Weltsicht war man nicht entweder Ofer oder Täter, sondern entweder Widerstandsheld oder Täter.
        Ich stimme dem nicht zu. Nur, weil derjenige, der das geschrieben hat, Jude ist (oder dies zumindest sagt), heißt das nicht, dass es nicht Bullshit sein könnte. Außerdem ist es gegenüber denen, die selbst Opfer waren, ziemlich unfair. Den Juden gegenüber z.B., aber auch den Behinderten gegenüber.

      • antifo Says:

        Nein, wenn ich den Text buchstäblich nehme, spricht der Betroffene gerade denen das Nicht-Täter-Sein ab, wenn sie selbst Opfer waren. In dieser Weltsicht war man nicht entweder Ofer oder Täter, sondern entweder Widerstandsheld oder Täter. Ich stimme dem nicht zu. Nur, weil derjenige, der das geschrieben hat, Jude ist (oder dies zumindest sagt), heißt das nicht, dass es nicht Bullshit sein könnte. Außerdem ist es gegenüber denen, die selbst Opfer waren, ziemlich unfair. Den Juden gegenüber z.B., aber auch den Behinderten gegenüber.

        Meine Großeltern waren keine Widerstandshelden. Sie waren auch keine Opfer des NS-Regimes, weil sie keiner der typischen Opfergruppen angehörten (siehe das Zitat unten).

        Väterlicherseits mußten sie als Folge des Hitler-Stalin-Pakts im Herbst 1940 ihre alte Heimat Bessarabien verlassen, wobei sie Haus und Hof verloren. Die Flut der Geschichte spülte sie dann irgendwo im heutigen Polen wieder an, wo 1944 mein Vater geboren wurde. Zu erwarten, daß jemand in so einer Situation zum Widerstandshelden wird, ist vollkommen unrealistisch. Die waren froh, daß sie ihre Kinder durchbringen konnten.

        Mütterlicherseits wurden sie als Folge des Potsdamer Abkommens vom August 1945 aus Ungarn vertrieben.

        Mir ist nichts darüber bekannt, daß einer meiner beiden Großväter in der Wehrmacht oder der SS gedient hätte. Daß sie keinen Anteil an der Etablierung der Hitler-Diktatur hatten, liegt auf der Hand, weil sie 1933 ja noch gar nicht in Deutschland lebten.

        Aus meiner Sicht wurden sie Opfer des Zweiten Weltkrieges. Nachdem sie aber alle Deutsche waren und Deutschland diesen Krieg angefangen hatte, können sie der gängigen Deutung gemäß keine Opfer sein. Somit bleibt also nur noch die vermeintliche Täterrolle übrig.

        Das macht nun einmal die Mehrheit der Bevölkerung zu Nachfahren von Tätern – es macht sie selbst aber nicht zu Tätern. Und das ist meiner Meinung nach das, was uns trennt und gleichzeitig auch wieder verbindet. Ich bin mir sicher, dass viele nichtjüdische, nicht-homosexuelle, nicht-Zeugen-Jehovas, nicht Roma/Sinti- Familien auch unendlich unter dem NS Regime gelitten haben, vielleicht mussten sie flüchten, vielleicht sind Söhne oder Männer im Krieg gefallen, vielleicht wurden ihre Häuser zerbombt, vielleicht litten sie Hunger, vielleicht litten sie darunter, dass sie nicht mehr sagen durften, was sie dachten und so weiter. Aber sie haben nicht die Erniedrigungen, nicht die Bedrohung und die Ausnahmezustände erfahren, die die Opfer erfahren haben. Alte Menschen der Mehrheitsbevölkerung bekommen keine Schweißausbrüche und Panikattacken, weil ein kleiner Junge in blau-weiß gestreiftem Hemd vor ihnen sitzt; sie gehen ohne Ängste vor die Haustür; sie haben nicht das Problem, dass ihre Organe vollkommen verkümmert sind weil sie im KZ saßen und sie bekommen keinen völlig unverständlichen Nervenzusammenbruch, weil bestimmte Gerüche oder Geräusche sie an etwas erinnern, worüber sie nicht sprechen wollen.

        Dieses Zitat ist die direkte Fortsetzung auf die in meinem vorherigen Beitrag zitierte Täter/Opfer-Definition.

    • Dante Says:

      Der Satz

      “die Juden wurden auch beschuldigt diese neue Botschaft unter allen Völkern der Welt zu verbreiten.

      ist m.E. falsch übersetzt. To charge s.o. with s.th heißt m.E. soviel wie „jemanden mit etwas beauftragen, jemanden zu etwas verpflichten.“

  3. Dante Says:

    Leider ist mein Kommentar von 21:43 etwas verunglückt. Der letzte Abschnitt ist kein Zitat.

  4. Aristobulus Says:

    Antifo,
    Ihr Zitat von jemandem an Sie wegen Tätern & Opfern verstehe ich nicht. Der Zusammenhang wird nicht klar – und weshalb sollten Ihnen jemand wegen jemandes in Ihrer Familie einen Vorwurf machen?
    Wenn Sie meinen, es gebe nur zwei Kategorien, die der Täter und die der Opfer: Stimmt nicht.
    Schon wenn sie es nur auf den zweiten Weltkrieg beziehen, stimmt es nicht. Viele, so wie Ihre Großeltern, waren Versprengte, die einfach durchkommen wollten.
    Und wenn Sie Täter-Opfer auf die Schoah beziehen (etwas völlig Anderes als ’nur‘ der zweite Weltkrieg): Etwa englische Juden waren keine Opfer der Schoah.
    Es ist also mindestens dreifach komplizierter, als Sie es mit „Täter-Opfer“ darstellen.

    Ferner noch etwas

    Dante: „die für mich absolut inakzeptable Auffassung, die Grausamkeiten gegen die Juden und mit ihr eben auch der Holokaust sei eine göttliche Strafe gewesen“

    Sie: „Das habe ich dort nicht gelesen. Ich las, daß Gott alle Völker und Nationen straft, die sich für Sein geliebtes Israel halten“

    Damit hat der Verfasser freilich Christen gemeint, jedoch nicht das jüdische Israel!, das wissen Sie doch gut. Warum die Ablenkung?

    • Dante Says:

      Sie: “Das habe ich dort nicht gelesen. Ich las, daß Gott alle Völker und Nationen straft, die sich für Sein geliebtes Israel halten”

      Damit hat der Verfasser freilich Christen gemeint, jedoch nicht das jüdische Israel!, das wissen Sie doch gut. Warum die Ablenkung?

      Auch, aber meines Wissens nicht nur. Ich zitiere:

      Somit hat Gott das russische Volk gestraft, das behauptete ein orthodoxes Volk zu sein. In der selben Weise straft Gott die Juden während der ganzen Weltgeschichte bis zu Auschwitz.

      Das ist und bleibt für mich inakzeptabel. Die Grausamkeiten, die den Opfern von Menschenhand (!) angetan wurden und werden, sind zu gemein, zu niederträchtig, zu ungerecht, als dass da allen Ernstes Gott hinter stecken könnte. Es mag ja sogar Menschen gegeben haben und geben, die Trost und Kraft in dem Gedanken gefunden haben, sämtliche Abscheulichkeiten, die ihnen von Menschenhand angetan wurden und werden, als eine Art Prüfung aus Gottes Hand zu nehmen, aber der Normalfall dürfte eher der sein, dass die Menschen schlicht und ergreifend daran zerbrochen sind und sie ihre Fähigkeit verloren haben, das Leben und ihre Mitmenschen zu lieben. Nichts Positives kann ich daran erkennen.
      Die Vorstellung von einem über menschliches (und sonstiges) Leid erhabenen und davon reichlich verteilenden Herrscher im Himmel ist mir ohnehin fremd, um nicht zu sagen, zuwider. Ein solcher Herrscher trägt eher die Züge Stalins (der sich ja in der Tat als Freund der Völker bzw. der Menschheit feiern ließ, wärend abertausende in seinen Lagern verreckten) als das eines Gottes, an den ich glauben könnte. Und so ein Zyniker, der sich selbst einer Gehirnwäsche unterziehen könnte, weil es sich an Stalins Tischen angenehmer lebt als in seinen Lagern (um das Himmel-Höllenbild der traditionellen bzw. der fundamentalistischen Theologen einem passenden Vergleich zu unterziehen), bin ich nicht.
      Entweder ist Gott gänzlich anders, als diese es predigen, oder es gibt keine Hoffnung für Menschen mit Herz im Leib.

      • Aristobulus Says:

        Ach furchtbar. Zum Glück bist Du dabei heftig aber sachlich, Dante!, ich kann’s immer nicht mehr auf die Sachliche, wenn ich sowas lese.
        Diese fromm grinsende Genugtuung irgend eines Klerikers, der sich daran erbaut, wie G“tt die Juden straft immerdar. Was hat der für ein Problem mit Sadismus?!
        Und Antifo hat’s nicht gelesen, behauptet er, ah wah, denn er hat es nur übersetzt. Er möge sich dran verschlucken.
        Es lebe die Sachlichkeit

        P.S.
        (weil wir ja hier unter uns sind, noch kurz dieses: Heut bekam ich Post. Aus Neapel. Ein schweres, äußerst akribisch verklebtes Päckchen, anderthalb Handbreiten lang. Drin war eine Marmorbüste von Dante😀, dochdoch, zwar sotto il fascismo gemacht, aber nicht ‚faschistisch‘, sondern mehr fin de siècle. Hat zwannezisch Euro gekostet, wollt ich haben, wollte sonst keiner!, erstaunlich, und jetzt steht der Dante vor meiner Reihe Dantebüchern und dantet marmorn mit Ohrenkappe, Falls es mal zieht.
        Dies Dir zur guten Nacht)

      • Dante Says:

        Dir auch eine gute Nacht. Übrigens trage ich bei starkem und kaltem Wind gern Ohrenklappen und sah mal wirklich aus wie Dante. Ein paar Mal habe ich Mittelohrentzündung gehabt, kann ich wahrlich nicht weiterempfehlen.

    • antifo Says:

      @Aristobulus

      Ihr Zitat von jemandem an Sie wegen Tätern & Opfern verstehe ich nicht. Der Zusammenhang wird nicht klar – und weshalb sollten Ihnen jemand wegen jemandes in Ihrer Familie einen Vorwurf machen?
      Wenn Sie meinen, es gebe nur zwei Kategorien, die der Täter und die der Opfer: Stimmt nicht.
      Schon wenn sie es nur auf den zweiten Weltkrieg beziehen, stimmt es nicht. Viele, so wie Ihre Großeltern, waren Versprengte, die einfach durchkommen wollten.
      Und wenn Sie Täter-Opfer auf die Schoah beziehen (etwas völlig Anderes als ‘nur’ der zweite Weltkrieg): Etwa englische Juden waren keine Opfer der Schoah.
      Es ist also mindestens dreifach komplizierter, als Sie es mit “Täter-Opfer” darstellen.

      Da kommen wir zusammen. Täter und Opfer waren überall zu finden. Neben diesen beiden Kategorien, gab es dann noch haufenweise Leute, die in diesen Strudel hineingerissen wurden. Ich sehe in ihnen Unbeteiligte.

      Ich: “Das habe ich dort nicht gelesen. Ich las, daß Gott alle Völker und Nationen straft, die sich für Sein geliebtes Israel halten”

      Sie: „Damit hat der Verfasser freilich Christen gemeint, jedoch nicht das jüdische Israel!, das wissen Sie doch gut. Warum die Ablenkung?“

      Aus Dantes Zitat geht eindeutig hervor, daß der als strafende Instanz betrachtete Gott Sich grundsätzlich aller Völker und Nationen annimmt. Nach Gregor Benewitsch hat kein Volk und keine Nation irgendeinen gottgegebenen Bonus oder Malus, weil sich das von Gott geliebte Israel der Verheißung in keinem Volk und keiner Nation manifestiert.

      @Dante

      Das ist und bleibt für mich inakzeptabel. Die Grausamkeiten, die den Opfern von Menschenhand (!) angetan wurden und werden, sind zu gemein, zu niederträchtig, zu ungerecht, als dass da allen Ernstes Gott hinter stecken könnte.

      Freilich waren es Menschen. Nur wer hat denn diese Menschen ins Leben gerufen? Es bleibt niemand anderes als der Schöpfer des Himmels und der Erden übrig. Es ist auch kaum von Belang, ob nun Gott Selbst die Völker und Nationen straft oder ob der Satan wütet und Gott nicht dagegen einschreitet. Nach christlichem Verständnis sind diejenigen, die geschichtlich zu Tätern wurden, vom Satan oder von unreinen Geistern versucht worden und scheiterten daran der Versuchung zu widerstehen, obwohl sie es grundsätzlich gekonnt hätten! Der freie Wille des Menschen wird also nicht aufgehoben, d.h. jeder ist für seine Taten verantwortlich und wird dafür büßen müssen.

      Es mag ja sogar Menschen gegeben haben und geben, die Trost und Kraft in dem Gedanken gefunden haben, sämtliche Abscheulichkeiten, die ihnen von Menschenhand angetan wurden und werden, als eine Art Prüfung aus Gottes Hand zu nehmen, aber der Normalfall dürfte eher der sein, dass die Menschen schlicht und ergreifend daran zerbrochen sind und sie ihre Fähigkeit verloren haben, das Leben und ihre Mitmenschen zu lieben. Nichts Positives kann ich daran erkennen.

      Würden diese Menschen in Rechnung stellen, daß sie selbst leben, dann bräuchten sie nicht daran zerbrechen. Wenn man lebt und somit vom Schöpfer gewollt ist, dann kann man Gott nichts vorwerfen. Als Person können wir Ihm doch nur dankbar sein!

      Und der Glaube an den Allmächtigen gibt nicht nur Trost und Kraft, er ist auch die Voraussetzung, daß der Mensch überhaupt vergeben kann. Nicht vergeben kann diese jüdische Frau mit ihrer haarsträubenden Aufteilung der Deutschen in lebende Täter oder Täternachkommen und nur ganz wenige Widerstandskämpfer, die jedoch fast alle tot sind und keine Nachkommen haben. Nicht vergeben können auch Menschen anderer Völker und Nationen, deren Eltern oder Großeltern Furchtbares mitgemacht haben. Allen gemeinsam ist, daß sie Hass gegen die Menschen anderer Völker und Nationen hegen, weil sie nicht in Rechnung stellen, daß es Gott gibt.

      Die Vorstellung von einem über menschliches (und sonstiges) Leid erhabenen und davon reichlich verteilenden Herrscher im Himmel ist mir ohnehin fremd, um nicht zu sagen, zuwider. Ein solcher Herrscher trägt eher die Züge Stalins (der sich ja in der Tat als Freund der Völker bzw. der Menschheit feiern ließ, wärend abertausende in seinen Lagern verreckten) als das eines Gottes, an den ich glauben könnte. Und so ein Zyniker, der sich selbst einer Gehirnwäsche unterziehen könnte, weil es sich an Stalins Tischen angenehmer lebt als in seinen Lagern (um das Himmel-Höllenbild der traditionellen bzw. der fundamentalistischen Theologen einem passenden Vergleich zu unterziehen), bin ich nicht.

      Es gab zu allen Zeiten Menschen, die derartige Katastrophen kommen sahen und nicht wußten, wie sie aufzuhalten wären. Wie soll man das erklären, wenn es keine Vorsehung gibt?

      In Russland sah der hl. Seraphim von Sarow (1759-1833) vorher, dass derjenige Zar, in dessen Regierungszeit er selbst heilig gesprochen würde, von Gesetzlosen umgebracht werden würde. Ein kurzer Auszug in deutscher Übersetzung:

      Gemäß der Prophezeihung würde Gott sich dem russischen Volk, wenn es Buße getan hat, gnädig zeigen; davor würde Er eine Zeit zulassen, in der Gesetzlose triumphieren; der Zar würde gestürzt und getötet, damit das Volk erfahre wie das Leben unter der Herrschaft des von Gott gesalbten Zaren und unter der Herrschaft von Männern ist, die Gottes Gesetz mit den Füßen treten. St. Seraphim schrieb, nach der Offenbarung Gottes, selbst einen Brief an den Zaren, der nach Sarow und Diveyevo kommen würde, und vertraute ihn seinem Freund Motowilow an, der ihn an die Äbtissin Maria gab, die ihn ihrerseits am 20. Juli 1903 in Diveyevo persönlich Nikolaus II. überreichte. Was genau in diesem Brief stand, bleibt ein Geheimnis, aber man darf annehmen, daß der Starez alles voraussah, was geschehen würde und vor den fürchterlichen Geschehnissen warnte …

      http://www.serfes.org/royal/propheciesoftsar.htm

      Entweder ist Gott gänzlich anders, als diese es predigen, oder es gibt keine Hoffnung für Menschen mit Herz im Leib.

      Nach dem hl. Johannes von Damaskus ist das göttliche Wesen unaussprechlich und unbegreiflich. Und natürlich gibt es auch eine Vorsehung.

      • Yael Says:

        Ich kann und will nicht auf jedes hier eingehen. So richtig verstehe ich eh nicht, warum du das bei mir diskutierst.

        Im Judentum ist es eindeutig, dass Gott das Böse und das Gute schuf. Entscheiden, welchen Weg der Mensch geht, hat Gott dem Menschen überlassen.
        Der Satan kann nichts ohne den Willen Gottes tun., d.h. er untersteht dem Willen Gottes. Er setzt ihn ein, um Menschen auf die Probe zu stellen (z.B. Neigung zum Bösen (jezer ha-rah). Er ist sowohl Ankläger als auch Verführer. Der Mensch hat deshalb den freien Willen, ob er die böse Seite (jezer haRah) oder die gute Seite (jezer haTov) wählt.

        Ich möchte doch auch darum bitten, dass mein Blog ein jüdischer ist und christliche Themen nicht besonders geeignet sind, ausgerechnet hier diskutiert zu werden. Ich habe nicht die Absicht, nun jeden Thread schließen zu müssen. Daher wäre es gut, wenn man zum Ende kommen könnte. Danke.

      • antifo Says:

        Grund das hier zu diskutieren ist, daß ich regelmäßig mit Fragen der deutschen Geschichte konfrontiert werde, bei denen die Judenverfolgung im Zentrum steht, und jüdischen meine Gesprächspartner oft nur rudimentäres Wissen zu Fragen ihres Glaubens haben.

        In vielen Fällen wird bei diesen Gesprächen auf die „Gerechten unter den Völkern“ verwiesen. Ich würde mich nicht an dieser Art der Hervorhebung stören, wenn sie nicht dazu benutzt würde, alle anderen zu „Tätern“ zu stempeln. Diese Praxis begegnet mir sehr oft.

        Für mich stellt sich daher die Frage, ob ich das nun als die jüdische Sicht betrachten soll oder ob das einfach nur die Sicht der Betreiber von Yad Vashem ist. Wäre es die jüdische Sicht, dann bekäme diese Gedenkstätte den Rang eines Tempels. Das hielte ich für bedeutsam, weil Politiker aus aller Herrn Länder nach Yad Vashem eingeladen werden, wenn sie den Staat Israel besuchen.

      • Yael Says:

        „Ich würde mich nicht an dieser Art der Hervorhebung stören, wenn sie nicht dazu benutzt würde, alle anderen zu “Tätern” zu stempeln. Diese Praxis begegnet mir sehr oft. “

        Das ist nicht richtig. Gerechte der Völker ehrt Menschen, die sich bewusst widersetzt und Juden gerettet haben. Dass heißt nicht, alle anderen, die sich nicht widersetzt haben, sind Täter. Ein entweder oder gibt es hier nicht.

        Bei Juden gibt es grundsätzlich keine Kollektivschuld. Täter sind die Täter und nicht diejenigen, die zu fällig Deutsche sind. Das haben auch immer wieder jüdische Organisationen gesagt und der Staat Israel selber.

        Hier eine kleine Zusammenfassung

        http://www.juedisches-recht.de/rec_kollektivschuld.php

        http://www.juedisches-recht.de/suchen.php?q=Kollektivschuld+und+Kollektivstrafe+im+j%FCdischen+und+israelischen+Recht

        Wie gesagt, die Ehrung der Gerechten der Völker hat nichts damit zu tun, andere als Täter abzustempeln.

      • antifo Says:

        Bei Juden gibt es grundsätzlich keine Kollektivschuld. Täter sind die Täter und nicht diejenigen, die zu fällig Deutsche sind. Das haben auch immer wieder jüdische Organisationen gesagt und der Staat Israel selber.

        Am Ende des Artikels zur Kollektivschuld wird aber auf die Zerstörung der Häuser „in denen palästinensische Terroristen gewohnt haben“ verwiesen. Das ist eine Kollektivstrafe, die jedoch nur dem Feind gegenüber angewandt wird.

        Auch die drei Mitzwot zu „Amalek“ lassen sich kaum anders deuten, als eine Kollektivstrafe.

        Wenn ich mit Juden spreche, deren Angehörige von der Judenverfolgung betroffen waren, dann geht das immer so aus, daß sie mir ihre ganzen Schicksale erzählen und erwarten, daß ich Verständnis dafür haben soll, wenn Deutsche gleichsam als Strafe für die Judenverfolgung allerlei Leid zu erdulden hatten. Ich kann das so sehen. Ich kann sagen, daß Gott die Deutschen wegen ihres Unglaubens und ihres Hochmuts (was beides zur Judenverfolgung führte) strafte. Nur frage ich mich dann immer, weshalb mein Gesprächspartner nicht imstande ist, das Leid seines Volkes ebenso zu sehen. Wer an Gott den Allmächtigen glaubt, dem bleibt doch kaum etwas anderes übrig.

        Wenn ich dann mit dieser mir ganz und gar schlüssig erscheinenden Argumentation auf taube Ohren stoße und mir noch mehr Geschichten zum persönlichen Leid erzählt werden, habe ich jedes mal den Eindruck, daß die Deutschen halt immer noch Amalek sind.

        Das ist nicht richtig. Gerechte der Völker ehrt Menschen, die sich bewusst widersetzt und Juden gerettet haben. Dass heißt nicht, alle anderen, die sich nicht widersetzt haben, sind Täter. Ein entweder oder gibt es hier nicht.

        Bekommen das die Besucher auch klar gesagt, daß es kein entweder oder gibt? Wenn mir Leute von Yad Vashem erzählen, habe ich nicht den Eindruck, daß das dort vermittelt wird.

        Außerdem sagen viele, daß sie nicht mehr an Gott glauben könnten, wenn sie das alles gesehen haben. Ich kann das nicht gut finden.

        Es widerspricht auch der geschichtlichen Aufgabe des jüdischen Volks, das gemäß Rabbi Schmuel Boteach darin bestehen soll, das „Licht der Heiden“ (siehe Kapitel 3 in diesem Text) zu sein. Ich kann dieses „Licht“ nirgendwo finden.

      • Yael Says:

        Ich habe das schon oft an anderer Stelle geschrieben. Amalek steht für das absolut Böse.

        Amaleks Ideologie:

        Gott habe den Menschen geschaffen, das er besser als andere und grausam sei und töten solle und zwar so wie es Gott angeblich wollte.
        Daraus folgt für die Ideologie Amaleks: alles Schlechte ist gut, da Gott Amalek so geschaffen habe wie er sei.
        Deswegen und nur deswegen wurde das Volk Amalek vernichtet. Amalek lehnte den Willen Gottes ab, die Welt zu vervollkommnen.
        Hitler der sagte, die Ethik sei eine jüdische Erfindung, steht in diesem Sinne für Amalek. Und diese Seelen solcher Menschen werden nach deren Tod vollständig vernichtet.

        Weißt du, wenn man weiß welches Juden zu erleiden hatten, sollte man sein eigenes Leid, was daraus resultierte, nicht auch noch in den Vordergrund stellen oder Verständnis von den Überlebenden oder deren Nachkommen erwarten. Das hat was mit Sensibilität zu tun.
        Ich habe noch nie derartiges erlebt, auch mein Umfeld und Freunde nicht, scheinbar kommt es auch darauf an, wie man denen gegenüber tritt und wirkt.

        Die Deutschen hätten, wenn Juden sich wirklich gerächt hätten, kaum einen Stein auf den anderen bekommen.
        Mich nervt es, wenn man sich über jüdisches Leid unterhält, sofort das deutsche Leid kommt. Deutsche hatten es selber verschuldet und das viele, als alles verloren war, immer noch wollten, dass Hitler siegt, zeigt, dass sie nichts Gutes für sich erwartet haben. Nicht umsonst hörte man am Ende des Krieges immer wieder den Satz „Gnade uns Gott, dass Juden nicht das gleiche mit uns machen, was wir mit ihnen gemacht haben.“ Sie wussten sehr viel mehr als sie später zugaben.

        Was Häuser von palä. Terroristen angeht, geht der Artikel sehr wohl auf die Gründe ein. Ich verlange ja auch von „christlichen“ Staaten nicht, sie haben sich gefälligst an das Christentum zu halten. Hier wird der Israel mit Judentum gleichgesetzt, was man mit keinem anderen Land tut. Da ist schon sehr auffällig.

        Ich will nur noch deutlich sagen, dass es mich anödet, dass immer Israel herhalten muss, wenn man vermeindlich Juden angreifen will. Israel und Juden sind immer noch auch ein Unterschied. Ich sage auch nicht jedem Deutschen, ihr seid kollektiv dafür verantwortlich, was man in diesem Land mit Abschiebehäftlinge oder Asylanten tut, wenn es wieder mal zu extremen Ereignissen kommt. Oder jeden Europäer, weil die EU Flüchtlinge in den Gewässern der EU jämmerlich ersäufen lässt, was mich wirklich erzürnt. Aber bei Israel und Juden ist das immer so ganz anders. Diese Doppelmoral ist doch so offensichtlich.

        Ich war schon öfter in Yad VaSchem und kann deinen Eindrücken nur widersprechen.

        Tut mir leid, ich möchte das doch gern beenden, ich bin nur Yael und nicht die Stellvertreterin anderer Juden. Nicht böse sein, aber mein Kopf ist momentan mit vielen anderen Dingen (zu) voll.

        Gute Nacht.

      • Aristobulus Says:

        Antifo schrieb:
        „…Nicht vergeben kann diese jüdische Frau mit ihrer haarsträubenden Aufteilung der Deutschen in lebende Täter oder Täternachkommen und nur ganz wenige Widerstandskämpfer, die jedoch fast alle tot sind und keine Nachkommen haben.“

        „die Sicht der Betreiber von Yad Vashem ist. Wäre es die jüdische Sicht, dann bekäme diese Gedenkstätte den Rang eines Tempels“

        „Wenn ich mit Juden spreche … habe ich jedes mal den Eindruck, daß die Deutschen halt immer noch Amalek sind.“

        Ah ja, daher weht der Wind: Vorbehalte gegen das, was Juden ihm wohl sagten, wegen der Schuldsache.
        Bloß ist dieses Schuld & Vergebung & Erlösung eben kein jüdisches Konzept. Das heißt, es lässt sich unter christlichen Auspizien (die der Antifo ja hat) schlecht mit Juden durchdiskutieren, indem man deren anderes Verständnis nicht berücksichtigt.

  5. antifo Says:

    Im Judentum ist es eindeutig, dass Gott das Böse und das Gute schuf. Entscheiden, welchen Weg der Mensch geht, hat Gott dem Menschen überlassen. Der Satan kann nichts ohne den Willen Gottes tun., d.h. er untersteht dem Willen Gottes. Er setzt ihn ein, um Menschen auf die Probe zu stellen (z.B. Neigung zum Bösen (jezer ha-rah). Er ist sowohl Ankläger als auch Verführer. Der Mensch hat deshalb den freien Willen, ob er die böse Seite (jezer haRah) oder die gute Seite (jezer haTov) wählt.

    Mir sind kürzlich ein paar Theosophen (aka Esoteriker aka Gnostiker) über den Weg gelaufen. Die vertreten die Sicht, daß die Schlange, die Adam und Eva im Paradies verführte, gar nicht böse gewesen sei.

    Ich würde annehmen, daß diese Schlange auch im Judentum mit dem Bösen identifiziert wird. Gibt es da abweichende Sichtweisen?

    • Aristobulus Says:

      Ui, Antifo… das Böse spielt im Judentum eine sehr untergeordnete Rolle: Es geht viel mehr um die Freiheit des Menschen und um die Mitzwojss. Juden setzen sich zwar politisch mit dem politisch Bösen auseinander – aber religiös kaum.
      Ihnen ist dieses Bestrafen durch Gott usf. sehr wichtig. Im Judentum geht es jedoch nicht darum.

  6. antifo Says:

    @Yael
    Die Geschichten um den Staat Israel interessieren mich nur am Rande — im Grunde gar nicht. Bei dir merke ich aber, daß dein Herz mehr an diesem Staat als an Gott hängt.

    Um das Thema nun zu beenden, zwei Zitate, die mir doch beachtenswert erscheinen.

    1913 veröffentlichte das Antizionistisches Komitee beispielsweise einen Aufruf, in dem es die Zugehörigkeit der deutschen Juden zu deutscher Kultur, deutscher Gesellschaft, ja zum deutschen Vaterlande betonte und gleichzeitig vor der zionistischen Bewegung warnte, die die bisherigen emanzipatorischen Errungenschaften des deutschen Judentums ernsthaft gefährde, indem sie, ähnlich wie die Antisemiten, die deutschen Juden als „Fremdlinge“ des Vaterlandes betrachtete.

    Man war sich innerhalb der jüdischen Gemeinde sehr wohl bewußt, daß der Zionismus die Juden als außerhalb der deutschen Nation stehend erscheinen lassen mußte.

    Wie für das übrige Judentum waren auch für die weitere Entwicklung der 1938 gegründeten Neturei Karta zwei Vorgänge von einschneidender Bedeutung. Dies waren zum einen der Holocaust bzw. die industriell durchgeführte Vernichtung von sechs Millionen europäischer Juden und zum anderen die drei Jahre nach Kriegsende erfolgte Gründung des Staates Israel. Beides konnte nicht ohne Auswirkung auf die ideologische Grundlage der Neturei Karta und der mit ihr sympathisierenden ultra-orthodoxen, strikt antizionistischen Juden in Israel und der Diaspora bleiben. Während aber Zionisten und viele säkulare Juden Holocaust und jüdische Staatsgründung in antithetischem Sinn als (versuchte) Vernichtung und Wiederauferstehung bzw. Erlösung des jüdischen Volkes deuteten, wurden diese Ereignisse von den Anhängern der Neturei Karta keineswegs als konträre Entwicklungen wahrgenommen, sondern als ein zusammenhängender Prozess. Für den Satmarer Rebbe stellten die Schoa und die Entstehung Israels die letzten Ausbrüche der Mächte des Bösen dar, die – in Anlehnung an die im Talmud beschriebenen Geburtswehen des Messias – als Auftakt für die Erlösung in Form des messianischen Zeitalters zu werten waren. Teitelbaum ging jedoch noch einen Schritt weiter. In seiner zentralen Schrift über die drei Schwüre argumentierte er, dass der Holocaust die göttliche Bestrafung für die Missachtung der drei Schwüre, wie sie im babylonischen Talmud (Traktat, Ketubot, fol. 111a) enthalten sind, sei. Nach dieser Deutung habe Gott die Juden in dreifacher Form beschworen und in politischen Fragen während ihres Exils zur Passivität verpflichtet, ein Gebot, das die Zionisten jedoch verletzt hätten. Insofern machte Teitelbaum, der selbst durch die Bemühungen des ungarischen Zionisten Reszö Kasztner (1906–1957) 1944 vor der Vernichtung gerettet worden war, in erster Linie die Zionisten für die Schoa verantwortlich. Die Entgegnung religiöser Zionisten, dass die beiden ersten Schwüre – das Verbot einer Masseneinwanderung der Juden nach Erets Israel sowie das Verbot der Auflehnung gegen die nichtjüdischen Völker – nicht länger bindend seien, da die nichtjüdischen Völker das ihnen geltende Gebot (den „dritten Schwur“), wonach sie die Juden nicht übermäßig unterdrücken sollen, gebrochen hätten, ließ der Satmarer Rebbe nicht gelten. In seinen Augen enthob dies die Juden nicht ihrer Pflicht, die beiden ersten Schwüre weiterhin zu achten. Im Gegenteil hätten die Zionisten die nichtjüdischen Völker durch ihre Missachtung der beiden ersten Schwüre dazu veranlasst, auch ihre Verpflichtung zu brechen, was letztlich zur Schoa geführt habe. Der kollektiv begangenen Sünde folgte die kollektive Bestrafung durch Gott.

    Das mag eine Minderheitsmeinung innerhalb des Judentums sein, aber es ist eine gottesfürchtige Position.

    http://www.ieg-ego.eu/de/threads/transnationale-bewegungen-und-organisationen/internationale-organisationen-und-kongresse/tobias-grill-antizionistische-juedische-bewegungen

    • Yael Says:

      „Bei dir merke ich aber, daß dein Herz mehr an diesem Staat als an Gott hängt. “

      Nein, ganz sicher nicht. Wenn das so wäre, würde ich dort leben. Ich mag nur keine doppelten Standards bezüglich Israels.

    • Aristobulus Says:

      Neturei Kartas Position ist extremistisch, also für das Judentum nicht relevant, das traditionell Extremismus als Eiferertum sieht. So steht es in der Torah.
      Sogar Nationalreligiöse sind nicht extremistisch. Selbst strenge Chassidn wie die Breslover nicht, die feiern lieber.

      Und Ihre Suggestion, Antifo, dass Yael der Staat Israel wichtiger sei als G“tt, ist nichts weniger als ’ne Unverschämtheit.

      Am Jissroel chai. Erez Israel!

      • Aristobulus Says:

        P.S.
        „nichts weniger als“, Unsinn. Es nichts Anderes als ’ne Unverschämtheit. So.

      • antifo Says:

        Mich würde die Position von Neturei Kartas nicht interessieren, wenn es nicht die einzige Gruppe innerhalb des Judentums wäre, bei der Gott in der geschichtlichen Rückschau tatsächlich eine Rolle spielt. Genau auf so eine Deutung im Hinblick auf die Judenverfolgung hatte ich bei Yael gehofft. Sie kam nicht.

        Aus zionistischer Perspektive mag diese Deutung extremistisch erscheinen. Im Hinblick auf die Judenverfolgung im vergangenen Jahrhundert ist sie aber stimmig. Auch zu den Pogromen in Russland wäre es nicht gekommen, wenn sich die Juden an das „Verbot der Auflehnung gegen die nichtjüdischen Völker“ (Ketubot, fol. 111a) gehalten hätten.

        Freilich ist es bedauerlich, daß dann auch die nicht daran beteiligten frommen Juden in Osteuropa zu Opfern der Verfolgung wurden. Das vergangene Jahrhundert war aber nun mal völkisch-nationalistisch geprägt. Daran hatte aber auch der Zionismus seinen Anteil.

        Für mich ist das Thema damit abgeschlossen. Ich weiß nun, wie ich argumentieren kann, wenn wieder mal das Andenken meiner verstorbenen Großeltern mit Begriffen wie „Täterfamilie“ verunglimpft.

      • Aristobulus Says:

        Antifo,
        Sie haben vom Judentum wirklich keine Ahnung!, bewiesen ist bewiesen: Sie beweisen hier immer bloß das Eine: Dass Sie was projizieren.
        Die Pogrome fanden nicht wegen Auflehnung gegen G“tt statt!, und es ist eine Beleidigung G“ttes, solches zu behaupten. Menschen haben das getan. Menschen tun solches. Die schießen auch auf Kinder oder haben Freude an Massenmorden, manche jedenfalls, wenn man sie nicht daran hindert.
        Falls G“tt so etwas wie Pogrome täte oder nur als Konsequenz zuließe, müsste man sich von ihm abwenden, denn dann wäre er nicht G“tt!, sondern ein Dämon.

        Es gibt einen säkularen und einen religiösen Zionismus – beide haben den Bezug zur jüdischen Überlieferung, folglich zu G“tt. Das können Sie selbst durch noch so viel Verweise auf Extrempositionen nicht widerlegen.

        – Mit Ihrem Problem „Täterfamilie“ hat das alles wieder nichts zu tun… Sie sind kein Täter. Und Ihre Familie ist keine „Täterfamile“, sowas gibt’s ja gar nicht. Lassen Sie sich einfach nichts einreden
        Sie spalten da irgendwas über die Juden rüber. Das bringt Ihnen nichts.

        Alles Gute, Ari

      • Yael Says:

        „Mich würde die Position von Neturei Kartas nicht interessieren, wenn es nicht die einzige Gruppe innerhalb des Judentums wäre, bei der Gott in der geschichtlichen Rückschau tatsächlich eine Rolle spielt. Genau auf so eine Deutung im Hinblick auf die Judenverfolgung hatte ich bei Yael gehofft. Sie kam nicht.“

        Da haben Sie falsch erhofft. Wie kommen Sie auf diese Idee?
        Gott für die Shoa verantwortlich machen, ergo: Juden wurden bestraft, geht mir sowas von ab. Schuldig sind die Schuldigen. Mag sein, dass manche sich so eine Antwort nach dem Warum beantworten, und jede mögliche Erklärung haben, damit sie damit besser fertig werden. Aber die Postionen von Neturei Karta und anderen ist eine Unerträglichkeit, bei denen sich Deutsche zurückhalten sollten und sogar müssen. Mag sein, dass es auch für einige Deutsche die Shoa erträglicher macht. Aber wozu? Geht es ihnen dann besser? Ist die Schuld der Mörder damit weniger? Sie wollen mit vermeindlichen Postionen, die im Judentum kaum eine Rolle spielen, die Täter der Shoa ein wenig entschuldigen.

        „Auch zu den Pogromen in Russland wäre es nicht gekommen, wnn sich die Juden an das “Verbot der Auflehnung gegen dienichtjüdischen Völker” (Ketubot, fol. 111a) gehalten hätten. “

        Das ist unerträglich, was Sie tun. Sie geben Juden damit die Schuld an den Pogromen, die sie ertragen mussten. Ich will Ihnen keinen Antisemitismus unterstellen und denke auch nicht, dass Sie einer sind (damit das ganz klar ist), aber das ist genau die Position der Judenhasser. Ich finds unglaublich, dass es wirklich Menschen gibt, die an so einen Mist glauben. Zu Pogromen kommt es, weil Juden gehasst werden und das ist nicht das Problem der Juden, sondern der Täter. Und wenn ich so einen Quatsch lesen, Juden hätten sich gegen nichtjüdische Völker aufgelehnt, bekomme ich geradezu Pickel. Das ist eine Unterstellung. Juden haben sich mit Nichtjuden gegen Tyrannen aufgelehnt. Sie machen ein jüdisches Problem daraus.

        „Für mich ist das Thema damit abgeschlossen. Ich weiß nun, wie ich argumentieren kann, wenn wieder mal das Andenken meiner verstorbenen Großeltern mit Begriffen wie “Täterfamilie” verunglimpft.“

        Ich habe sowas nie erlebt und glaube auch nicht, dass das ernsthafte Menschen von sich geben. Im Judentum gibt es keine Täterfamilien oder Tätervölker. Wenn man Ihnen sowas erzählt, dann sind es in der Regel sicher keine religiösen Juden. Manche sind einfach nur voller Hass auf Deutsche, den ich ablehne. Daraus kann man aber nichts auf das Judentum projizieren bzw daraus ein jüdisches Problem kostruieren. Warum glauben Sie, erklären wir Ihnen immer und immer wieder, dass das keine Position des Judentums, sondern einzelner ist. Warum diskutieren Sie darüber mit uns, wenn Sie es uns nicht abnehmen? Wozu das Ganze, wenn Ihre Antwort schon feststeht? Tut mir Leid, ich verstehe es nicht. Muss ich sicher auch nicht. Wenn Ihnen jemand Schuldgefühle einredet, sehen Sie es Problem dieser Menschen und machen sie das nicht zu eigen.
        Schuld haben die Täter, und niemand anderes.

      • Yael Says:

        Und damit ist das Thema jetzt hier beendet. Wir kommen eh nicht weiter und es ist alles gesagt.

      • Yael Says:

        PS: @Antifo

        wenn du noch Fragen oder Probleme hast, kannst du mich gern privat anschreiben. Manches lässt sich privat besser bereden.
        Alles Gute!

      • Aristobulus Says:

        Yael,
        das ist nett von Dir.
        Mir tut der Antifo ja Leid (er wirkt so belastet), obgleich er über’s Judentum wirklich nur Schlimmes und Schlimmeres zu sagen hat. Er wirkt so verstrickt in schwere Glaubenssätze und in Bilder von einem strafenden, gnadenlosen G“tt, und er hat so wenig Gespür.

        Vielleicht konnten wir ihn wegen „Täterfamilie“ etwas beruhigen. Aber über’s Judentum hat er nichts erfahren wollen – kein Wunder!, er hatte ja nichts zu fragen, deutet alles von seinem christlichen Standpunkt aus, lässt nur Extreme gelten, usf.
        Er tut mir Leid – aber was soll man machen? Wenn einer nicht zuhört, kamm man ihm ja nichts sagen.

        A gitn Schabbojs

  7. Rika Says:

    Liebe Yael,
    es ist wirklich ein sehr hübsches Bild der kleinen Dame.
    Wieso sie aber zum Aufhänger einer wilden Diskussion wird, kann ich gar nicht nachvollziehen.
    Aber vielleicht meint sie ja mit ihrem freundlichen schawua tov, dass ich nun eine ganze Woche lang genug zu denken habe?????

    🙂😉🙂

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