Bedeutung des Kerzenzündens am Schabbat und an Jom Tov

Chajm hat in der „Jüdischen Allgemeine“ in einem Artikel den Sinn des Kerzenzündens am Schabbes erklärt. Für die, die darüber etwas erfahren möchte, empfehle ich den sehr guten Artikel.

Stille im Haus. Wenn das Kerzenzünden bevorsteht, beginnt in wenigen Minuten der Schabbat. Für viele Familien ein wichtiger Augenblick. Es dauert nicht lange, und doch markiert das Kerzenzünden für alle, dass der Schabbat nun begonnen hat. 18 Minuten vor Sonnenuntergang.

Das Kerzenzünden am Schabbat ist keine Vorschrift aus der Tora, sondern eine rabbinische Verordnung. Sie schützt vor allem davor, dass Juden am Schabbat im Dunkeln sitzen müssen. Denn es ist verboten, am wöchentlichen Feiertag ein Feuer zu entfachen.

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14 Antworten to “Bedeutung des Kerzenzündens am Schabbat und an Jom Tov”

  1. Aristobulus Says:

    Hmja. Ist aber reichlich unglücklich, dass er bei dem Thema fast sofort mit Vokabeln wie Vorschrift, Verordnung und verboten anfängt. Seltsame Assoziationen!

    Das Kerzenanzünden kurz vorm Schabbojs ist in allererster Line etwas Schönes…

  2. Chajm Says:

    Eine Empfehlung?! Vielen Dank! Freut mich!

  3. zrwd Says:

    na Aristobulus, das ist allerdings eine sehr selektive Wahrnehmung, was Chaim’s wunderbaren Beitrag angeht.

    • Aristobulus Says:

      Die Ausdrücke stehen da, man fällt quasi drüber und denkt, nanu?, wie kommt er wegen des des Kerzenanzündens gleich auf Vorschrift, Verordnung und verboten?

      Yael, die Mizwojs sind in dem Fall keine Verbote, haben mit Verboten gar nichts zu tun, das seh ich ja auch so.

      Wenn ich aber Verordnung usf. grad in dem Zusammenhang lese, schade…

  4. A.mOr Says:

    „Verordnung“ kann man noch lesen als „Richtlinien geben“ oder „Anleitung zur Ordnung“, also bleibt es Empfehlung für jene, die sie suchen.

    „es ist verboten“, ja, das ist schon etwas schwieriger.

    Wir sollen also kein Feuer an Schabbojs entfachen, nun kann man sagen, eine Empfehlung aus der Tojre ist wie ein Befehl. Aber es ist eine Empfehlung, deren Einhaltung oder nicht Einhaltung in Seinem Angesicht stattfindet, der Alleinstehende also ist mit dieser Angelegenheit nur mit hoschejm allein bei seinem Gewissen. Bei der Familie kommt die Verantwortung einander gegenüber hinzu.
    Bei einer Gewissensfrage innerhalb einer Familie zwar steht der Einzelne auch nur „vor sich selbst“, jedoch ist es viel realistischer, daß eben alle anderen genau hinsehen, was so ein Einzelner innerhalb der Familie tut. Das bezeichnet man in der Soziologie wohl als „Sozialkontrolle“.

    Schwierig, aber ich mag das Wort „verboten“ an der Stelle auch nicht.
    Es ist keine ungewöhnliche Formulierung.
    Jedoch meine Empfehlung, es sollte „Empfehlung“ sein.😉

    Was ist Verbot?
    Nur eine Frage, allgemein zu solcher Thematik: wie groß ist die Hingabe zu etwas, zu dem man wider seinem Willen und seinem Anerkennen gezwungen wird?

    Schabbojs ale.hem.

    • Aristobulus Says:

      … Du hast Deinen Eindruck von dem Wortwahl-Problem besser ausgedrückt als ich den meinigen, lieber A.mOr, mein Beitrag war zu knapp.

      Ich hab da noch was… dieses:

      Wir sollen am Schabbojs kein Feuer anzünden und keines löschen, schüren auch nicht, weder noch!, so steht es in der Torah. Das ist eindeutig.

      Aber: Feuermachen war zur Zeit, als die Tojre gegeben wurde, gleichbedeutend mit schwerer Alltagsarbeit. In den zehn Geboten heißt es: Keiner soll am Schabbojs arbeiten (eine Insel in der Zeit).
      Heute ist Feuermachen ein Riss an einem Streichhölzel und keine Arbeit mehr – okay, es lässt sich ja vermeiden, man muss kein Feuer anzünden oder einen Schalter drehen, denn ein elektrischer Funken ist physikalisch leider als Plasma definiert, also leider engstens mit der Feuerflamme verwandt, sodass eins das Andere ist.
      Kein Feuer anzuzünden und keinen elektrischen Schalter zu betätigen bedeutet wegen dieser Begründungen jedoch nicht mehr, dass man nun die Arbeit ruhen lässt, nicht?
      Was bedeutet es dann?
      Bloß (um’s flapsig auszudrücken) eine Erinnerung an die ex-Arbeit unserer Vorväter der Bronzezeit?

      Das wollt‘ ich immer schon mal einen fragen…

      Und was, indem ich Freitag Abend meist erst viel, viel zu spät Schabbesmachen kann? Es lässt sich nicht vermeiden, verschieben oder einfach anders deichseln (familiäre Gründe, hat was mit Katastrophe & Klinik und so zu tun). Es geht fürmich unter keinen Umständen früher, so gern ich es auch anders hätte. Streng genommen ist es dann längst verboten, Feuer anzuzünden. Heißt, dass ich dann nie die Kerzen anzünden könnte, kein Wanken, keine Broche, garnischt.
      Kann doch wohl nicht richtig sein, dann, das?

      Das wollt‘ ich immer schon mal einen fragen. Vielleicht liest Chaim Guski mit?

      • Yael Says:

        Aber das mit nicht arbeiten nicht ausschließlich körperliche Arbeit gemeint ist, weißt du doch. Ich kann sogar theoretisch meine Möbel am Schabbes umstellen, wenn ich es wollte.
        Ich schreibe nie Arbeit, sondern von schöpferischen Tätigkeiten, die am Schabbes ruhen sollen. Ich verändere bzw. greife in die „Natur“ ein, wenn ich ein Licht am Schabbes anmache. So ist es auch eigentlich gemeint.

      • Yael Says:

        Licht kannst du auch woanders zünden, wenn es nicht anders geht. Das muss nicht zu Hause sein. Nach Eingang des Schabbes ist das nicht mehr möglich. Im Gegenteil, jedesmal, wenn man an Schabbes keine Kerzen zündet, muss man am nächsten Schabbes noch eine weitere dazu anzünden.

  5. Silke Says:

    ein OT, das vielleicht A.mOr glücklich macht.

    Leidenschaft zum Überleben
    Eine Lange Nacht über Roma und ihre Musik
    Von Jan Tengeler

    im Deutschlandfunk am 17.03.12 um 23:05, im Deutschlandradio 17.03.12 um 0.05 – beide Male 3 Stunden lang und über deren eigenen Recorder aufnehmbar – Sendung im Programm aufrufen und auf Aufnehmen klicken – ich glaube, dann kommt die aufforderung zum Runterladen des Recorders automatisch.

    Das Biest ist allerdings a bisserl unzuverlässig, drum würde ich, falls es wichtig ist, dazu raten, beide Sendungen aufzunehmen.

  6. A.mOr Says:

    Danke Silke!
    Hab’s notiert.
    Bin momentan wieder unter Zeitdruck, daher nur kurz.

    Aristobulus, Verplichtungen an Familie, Gesundheit usf haben doch Vorrang, so wie etwa auch Lebensrettung.
    Da zeigst Du gut die ‚crux‘ mit dem Wort ‚Verbot‘ auf.
    Und deshalb auch denke ich, ‚Verbot‘ ist nicht das passende Wort. Dein verantwortungsvolles Handeln gegenüber Deiner Familie (usf) ist doch sozusagen „brochen in lejbn“, Licht für sich.
    Letztlich stehen wir eben vor hoschejm, hoschejm ist unser „Boss“, sonst niemand.

    Schabbojs a gitn und schönes Wochenend ale.hem.

  7. Aristobulus Says:

    Liebe Yael, ich weiß manchmal echt nich‘ weiter, also stelle ich dann Fragen…
    Der Schabbojs errettet einen vom Alltag. Also soll der Schabbojs nicht Alltag sein, und es soll an dem Tag nichts verändert werden, nichts Neues soll entstehen (kann ja nicht, wegen des Charakters dieses Tages).
    „Nach Eingang des Schabbes ist das (Kerzenanzünden) nicht mehr möglich“.
    Und wenn’s doch zur rechten Zeit partout nicht geht? Ich kann doch nicht in irgen ’nem Klo heimlich Kerzen anzünden, das ist kein Schabbes-Anfang.
    Indem ich es unglücklich hinaus- und wieder hinausschöbe, müsste ich mittlerweile 186 Kerzen anzünden – aber wann?

  8. Kaddisch | Chajms Sicht Says:

    […] Fragen und Texte zu Ritus und Minhag sind immer heikel — habe ich angenommen. Mit verschiedenen Handlungen sind immer auch Erinnerungen, Emotionen und Haltungen verbunden. Nicht selten kommen hier die Kategorien Falsch und Richtig zum Zug. Als mein Text zum Kerzenzünden erschien, war ich darauf gefasst und wurde angenehm überrascht. Die Rückmeldungen die mich erreicht haben, waren durchaus positiv. Es kann natürlich sein, dass die Redaktion der Jüdischen Allgemeinen mit Beschwerdemails eingedeckt wurde und dass man sich anderswo als bei mir über den Text beschwert hat. Etwa in Yaels Blog… […]

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