Teenager im Irak gesteinigt

Viele Blogger schauen momentan verständlicherweise auf Israel. Ich habe eine Meldung gelesen, die sicher bei all den Konflikt- und Krisenherden untergehen wird. Sie ist aber so schauderhaft, dass man nicht darüber einfach hinweg sehen kann.
Im Irak sind in den letzten Wochen über 90 Jugendliche gesteinigt worden, weil sie sich für fanatische Moslems zu westlich kleiden.
Und das passiert fast auf offener Straße, wenn die Teenager verschleppt und auf Hinterhöfen gesteinigt werden.
Zwar wird sich auch auf Seiten Geistlicher davon distanziert, aber

Tatsächlich können sich die religiösen Fanatiker bei ihren unvorstellbaren Taten aber auf zahlreiche, auch offizielle, Hasstiraden gegen die „Emos“ berufen. Der schiitische Geistliche Moqtada al-Sadr bezeichnet die Jugendlichen als „Plage für die muslimische Gesellschaft.“ Vor rund einem Monat wurde auf der Homepage des irakischen Innenministeriums dem sogenannten „Emo-Phänomen“ der Kampf angesagt. „Das Emo-Phänomen bzw. die Teufelsanbetung werden von der Moral-Polizei verfolgt. Diese hat die Erlaubnis, das Phänomen so schnell wie möglich zu eliminieren, weil es eine Gefahr und schädlich für die Gesellschaft ist.“

Wenn das keine Erlaubnis für diese Morde ist…

15 Antworten to “Teenager im Irak gesteinigt”

  1. Paul Says:

    Und das alles im Namen des Islam.
    Für mich leben die im Mittelalter.
    Die Islamisten, die sonst sehr schnell dabei sind gegen alles mögliche zu demonstrieren, haben zu diesen Gräueltaten nichts zu sagen.
    Jedenfalls habe ich bisher noch nichts gesehen oder gehört.

    • Aristobulus Says:

      Paul, das ist nicht Mittelalter, gar nichts davon – das ist voll die Moderne in der totalitären Version, wie sie leibt und lebt.

    • Dante Says:

      Mittelalter? Nein. Das Mittelalter war kein monolithischer Block und bei Weitem nicht so finster wie häufig dargestellt – zumindest nicht durchgehend. Es war vor allem eine dynamische Zeit, in der viele bahnbrechende Entdeckungen und Erfindungen gemacht wurden. Und es gab z.B. Minnesänger, die um die Aufmerksamkeit edler Damen warben. Die Frau hatte keinen so hohen Status wie der Mann, aber auch nicht den eines besseren Möbelstücks. Mit Beginn der neuzeit hat sich ihre Stellung zunächst eher verschlechtert als verbessert. Selbst die Inquisition war besser als ihr Ruf, ersetzte sie doch die himmelschreienden sogenannten Gottesurteile durch gründliche Untersuchungen (wie der Name schon sagt). Die „mittelalterlichen“ Hexenprozesse fanden überwiegend in der frühen Neuzeit statt, ebenso wie die Greuel des 30jährigen Krieges.
      Aristobulus hat schon Recht: Wenn man die Islamisten mit irgendetwas vergleichen will, braucht man nicht so weit zurückzugehen. Man beschäftige sich mit den Roten Khmer oder lese das letzte Werk des englischen Schriftstellers Eric Arthur Blair.

      • Paul Says:

        Gut, ich gebe zu meine Einschätzung hält einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand.
        Insofern habt Ihr, Aristobulus und Dante, natürlich recht.

        Für mich steht Mittelalter immer als Metapher für „Finster“, „Zurückgeblieben“, „Hexenverbrennung“ und „die Gräuel im 30-jährigen Krieg“.

        Seid bitte nachsichtig mit „Otto Normalverbraucher“.

        Jetzt habt Ihr aber verstanden was ich gemeint habe.
        Das „Mittelalter“ wollte ich wirklich nicht beleidigen, werde aber diesen Vergleich nicht mehr artikulieren. Versprochen!

      • Dante Says:

        Ich wollte Dir keinesfalls an die Karre fahren. Mich nervt es halt nur, wenn das Mittelalter, das ohne Zweifel eine harte Zeit war, undifferenziert finsterer darstellt als es tatsächlich war. Es hatte auch was, sonst gäbe es heute keine Mittelalter-Märkte und Ähnliches.
        Nicht die Zeit „Mittelalter“ war finster, sondern Gewaltherrschaft, Totalitarismus und mörderische Intoleranz sind es, egal ob sie im Mittelalter oder in der Neuzeit bis hin zur Gegenwart oder fiktiv in dystopischen Romanen existieren.
        Was Letzteres betrifft, so ist Eric Arthur Blair besser bekannt unter seinem Pseudonym, das er als Sozialist und gesellschaftskritischer Schriftsteller angenommen hatte, um seine Familie zu schützen: George Orwell. Unter dem Eindruck seiner Erfahrungen mit dem Stalinismus als Spanienkämpfer auf republikanischer Seite schriebt dieser erst seine Fabel „Farm der Tiere“ und später im Wettlauf mit seiner tödlichen Tuberkuloseerkrankung den Roman „1984“, in dem keineswegs die Überwachung so weit im Vordergrund stand, wie es gern kolportiert wird; die von ihm beschriebene Diktatur erzeugt systematisch ein Klima von Angst und Hass und unterbindet jede Lebensfreude bzw. ersetzt sie durch die perverse Freude an grausamen Hinrichtungen.

      • Aristobulus Says:

        Hi Dante, hi Paul!, etwa Paul Delumeau untersucht in „Die Angst im Abendland“ deren Rolle im Verhalten des Volks, etwa bei Konformität & Mitwirkung bei Ausschreitungen, Progromen usf. Im Mittelalter gab es keine individuelle Freiheit, keinerlei Rechtssicherheit, Pluralismus und Zivilgesellschaft waren unbekannt, und der Wert des Einzelmenschen hing allein von dessen sozialer Zugehörigkeit ab… dennoch, Trotz dieser idealen Voraussetzungen für totalitäre Systeme, kamen sie kaum vor. Warum? Es bestand einfach noch nicht die IDEE dafür…
        Die Spanische Inquisition gilt dann als totalitäres System – ab 1492, es fällt schon in die Neuzeit, als diese Ideen wie Giftpilze sprossen. Savonarola, Loyola, viel später Rousseau (der kein Aufklärer war!, vielmehr ein Präfaschist), und wo Ideen herrschen, finden sich bald welche, die krank genug sind, um sie wörtlich zu nehmen.
        Woran liegt eigentlich diese Lust an totalitären Entwürfen? Ja, LUST. Ich glaube, es ist die Angst vor der Freiheit der Anderen. Totalitäre Systeme wollen das Ende der Geschichte (die finale Herrschaft des Kommunismus, der Arier, des Mahdi usf., völlig egal, wie sie’s immer so nennen), und sie lieben den Tod, das macht ihnen Lust.

        Paul, freilich hast Du Recht, wenn Dir bei den Steinigungen der vielen, vielen Jugendlichen sofort das Mittelalter einfällt. Unheimlich genug für spontane Höllenvisionen mit gotisch Gehörnten…
        Bei den Geißlerzügen in Mitteleuropa so um 1350 passierte ja Ähnliches wie einmal pro Jahr noch jetzt bei den Schiiten!, die geißeln sich, fallen kollektiv in Extase (emütigung & Lust!) und ersehnen das Ende der Welt – Chiliasmus, eine völlig mittelalterliche Emotion.
        Aber nur die Emotion ist mittelalterlich, nicht die Organisation, die Ideologie und besonders die Angst vor der Freiheit, die zu diesem gelenkten Hass auf Ungläubige & Juden führen und zu diesen organisierten Pogromen gegen anders gekleidete Jugendliche!, die sind ebenso modern wie der Furor der Bolschewiki von 1917 oder der nazistische Terror von 1938.

      • Paul Says:

        Danke Aristobulus für die Horizonterweiterung.
        Auch das liebe ich an diesen Blogs, dass man gelegentlich sein Wissen erweitern kann und neue Einsichten gewinnen kann.
        Habe deinen Kommentar mit Interesse und Gewinn gelesen.
        Auch Dantes Ausführungen waren in diesem Sinne hilfreich.

  2. Noa Says:

    Danke, Yael, dass du darauf aufmerksam machst, ich habe es in meinem Blog aufgenommen und dich verlinkt. Und – ich erwarte massive Proteste von seiten der Linken.
    Noa

  3. Rika Says:

    Es ist einfach nur die pure Menschenverachtung, die dem Menschen und dem Leben gar keinen Wert beimisst, sondern die absurden Vorstellungen über das, was der Religion entspricht oder nicht über alles andere stellt.

    Mir tun die Menschen leid, die mit diesem Wahnsinn leben müssen…

    @ NOA,
    auf die Proteste werden wir vergeblich warten, denn das, die Steinigungen, sind doch „kulturelle Eigenheiten“, die ja auch bei uns außerhalb jeglicher Kritik und hoch im Kurs stehen, folgt man den Argumenten derjenigen, die z.B. Sharia-Gerichte in Deutschland für sinnvoll halten… oder meinen, dass Christen im Jemen durchaus getötet werden dürfen, wenn sie als Christen identifiziert werden und damit automatisch als „Missionare“ gelten…

    Es ist im übrigen der gleiche Wahn, der dazu führt, Israel bekämpfen zu dürfen mit allen Mitteln, schließlich ist doch Israel ein imperialistisches und zu allem Überfluss auch noch „zionistisches Gebilde“, da hören die Menschenrechte bei Linken, Grünen und manch anders gefärbten Parteien und ihren Unterstützern einfach auf!

    • Aristobulus Says:

      Rika, naja, so islamistisch gebärden sich Linke oder Grüne ja nu nicht, sie tun es schleichender, mehr zwischen den Worten.
      Es hat was mit politischer Romantik zu tun. Irgendwie können linke Europäer es den USA seit 1776 nicht verzeihen, willentlich ein Land und eine liberale Kultur jenseits von Traditionen gegründet zu haben und damit erfolgreich zu sein. Und dass eine demokratische, pluralistische, humanistische Idee wie der Zionismus Erfolg hatte und dass da ein kleiner vernünftiger David immer weiter gegen alle möglichen romantischen Goliaths besteht, nein, das kann ja nicht mit rechten Dingen zugegangen sein!

  4. Carina Says:

    Danke Yael für die Meldung!! Ich sagte es gerade meinem Mann, der las es auch gleich! Wir sind geschockt!! Hier in den NAchrichten hörte man keine einziges Wort darüber das Kinder gesteinigt wurden! Ich bezweifle die deutschen Medien langsam immer mehr an.

    • Yael Says:

      Einen Lichtblick gab es. Just an dem Tag als ich darüber schrieb, kam eine Meldung dazu im Heute Journal. Leider war es die einzige.

  5. AMC Says:

    Ich habe diese Meldung in keiner einzigen Nachrichtensendung gelesen/gehört. Es ist nicht zu fassen, wie die Welt ihre Prioritäten in der Wahrnehmung des Weltgeschehens setzt. Wenn ich bedenke, wie viele Meldungen über Gaza kamen, und diese im gewohnt verdrehten Beschuldigungsduktus gegen Israel – und so abscheuliche Verbrechen werden übergangen, dann kann ich mur sagen: irgendetwas stimmt hier nicht!

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