Stolpersteinverlegung

Vor einiger Zeit habe ich das erste Mal an einer Stolpersteinverlegung teilgenommen. Ein Bewohner des Hauses, in dem die ermordeten Juden gelebt haben, hatte aus eigener Initiative die Verlegung finanziert.

Die Namen der ermordeten Juden und Jüdinnen, die dort gewohnt haben, könnt ihr hier nachlesen.

Das jüngste Opfer war 14 Jahre alt und wurde, wie seine Eltern, in Auschwitz ermordet.

12 Antworten to “Stolpersteinverlegung”

  1. Wolfram Says:

    Ich finde es gut und wichtig, zu erinnern. Und vielleicht sind diese kleinen Stolpersteine auch bessere Erinnerung als Erinnerungstafeln an Hauswänden. Einfach weil sie anders sind als die Erinnerungstafeln, daß hier mal Voltaire geschlafen hat oder dort Karl der Große Bauchweh hatte.
    (Hier gibt es Messingeinlagen in Gehwege nur mit dem Logo der Stadt; ich weiß nicht mal, wozu.)
    Ich las allerdings neulich einen sehr empörten Einwand: „soll die Erinnerung nun auch noch mit Füßen getreten werden?“

  2. Lieschen Says:

    Allerdings, dieser Empörung kann ich mich anschliessen: sollen die Namen der Menschen, die ermordet wurden, nun auch noch mit Füssen getreten werden?

    Nur ein pietätloser Mensch konnte auf so eine Idee kommen.

  3. Yael Says:

    Nein, die Leute sollen darüber stolpern wie viele Juden in Deutschland gelebt haben und ermordet wurden.

  4. Lieschen Says:

    Auch das ist keine gute Idee „Vor einen Blinden sollst du keinen Stolperstein legen“. Da es unter der Bevölkerung, die diese Wege benützt, sicher auch Blinde gibt, ist auch das nicht gut. Aber die meisten Leute stolpern nicht (dazu ragen die Steine auch nicht weit genug heraus, was man aus Sicherheitsgründen auch nicht machen könnte), sondern treten die Steine mit Füssen.

    Ein typisch goischer Gedanke. Nett gemeint, aber völlig daneben.

    • Wolfram Says:

      Ein typisch goischer Gedanke.
      Auch ne Art Rassismus – ICH jedenfalls fühle mich davon diskriminiert.
      Und du diskreditierst dich durch solche Äußerungen.
      Zumal du nicht behaupten kannst, das Judentum wäre dagegen – Charlotte Knobloch hat nicht das Meinungsmonopol.
      2005 German Jewish History Award Berlin
      2009 Josef-Neuberger-Medaille der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf

      nur zwei von vielen Auszeichnungen für die Stolperstein-Aktion.

    • Andreas Moser Says:

      Das Gedenken an den Holocaust ist nichts worauf Juden das Monopol haben. Auch ich als Atheist empfinde es als das schrecklichste Verbrechen der europäischen Geschichte.

  5. Lieschen Says:

    Tut mir leid, lieber Wolfram, wenn du dich betupft fühlst… Aber es ist wirklich keine gute Idee und widerspricht vielen jüdischen Grundsätzen.

    Leider passiert es allzu oft dass wohlmeinende Christen oder wohlmeinende Deutsche irgend welche Sachen initiieren, mit denen sie vollkommen neben den Schuhen stehen. Und wenn man es ihnen sagt, sind sie beleidigt, so wie du in diesem Fall.

    Du darfst dich durch die Bezeichnung „Goi“ übrigens ruhig rassistisch diskriminiert fühlen. Ich habe nie behauptet, dass Judentum nicht rassistisch ist. (Fängt schon damit an, dass man keine NichtJuden heiraten darf).

    • Yael Says:

      Was hat das mit Rassismus zu tun, wenn eine Religion verlangt, dass man nur einen Juden jüdisch heiraten darf. Ansonsten darf jeder heiraten, auf er/sie lustig ist. Oder bekommt man von der kath. Kirche den Segen zum Heiraten, wenn ein Katholik einen Juden bzw. Jüdin heiratet? Wohl kaum.
      Ich möchte keine Diskussion darüber führen, denn das Thema ist das hier nicht. Man darf über die Stolpersteine geteilter Meinung sein, aber bitte ohne Personen, die nicht dagegen sind, in ein etwas merkwürdiges Licht zu rücken.

      • Wolfram Says:

        Na ja, zu den meisten Zeiten war die Zugehörigkeit zum Judentum untrennbar mit der Zugehörigkeit zum Volk Israel verbunden. Das Bewußtsein, anders zu sein, gehört zum Judesein vielleicht tatsächlich wie die Kippah.
        Das aber macht noch keinen Rassismus aus, jedenfalls nicht in meinen Augen. Auch nicht die Frage, ob man fremdgläubig heiraten darf (die Schrift sagt nein, um dann augenzwinkernd zu verraten, daß ausgerechnet die Oma des großen König David eine furchtbare Schickse war).
        Aber niemand hat bisher für nötig gehalten, mich als „goj“ abzuwerten – denn das Wort, so wie Liesel es braucht, ist mißachtend gemeint und will genau so kränkend sein, wie „Jude“ im Mund des Braunhemdträgers. Niemand, [ich könnte seitenweise aufzählen, wer alles „niemand“ ist] und erst recht nicht die Vertreter der hiesigen jüdischen Gemeinde, mit denen ich sehr herzliche Gemeinschaft pflege.
        Nun muß ich freilich zugestehen, daß alle diese Damen und Herren genügend Geist (und wohl auch genügend Bildung) aufweisen, daß sie nicht andere abwerten müssen, um ihre eigenen Minderwertigkeitskomplexe zu übertünchen.
        Yael, bitte, nicht fremdschämen für Lieschen; solche gibts überall. Und im Grunde sind’s bedauernswerte arme Hanseln und Liesln.

        Alles in allem habe ich für die Stolpersteine einiges übrig: sie erinnern bescheiden an den Namen der Frau oder des Mannes, oder auch des Kindes, das hier gewohnt hat, bevor es „abgeholt“ wurde. Menschen, die nichts besonderes sein wollten, sondern schlicht Menschen wie alle anderen. Und denen genau das verwehrt wurde von Leuten, die zu mies drauf waren, als daß sie Menschen hätten akzeptieren können, die einfach nur nicht ganz so waren wie sie. Menschen, die keine Denkmale wollten. Und die es lieber hätten, wenn man sich an sie erinnerte, weil sie waren, wer sie waren, als daß man nun ihren Namen in den Staub der Straße schreiben muß, weil sie nicht sein durften.
        Aber wie Verachtung, Herabsetzung, Rassismus überall, an jeder Ecke lauern (q.e.d.!), so erinnern eben auch Stolpersteine an jeder Ecke daran, daß Menschen zu Nummern wurden. Und die prominenten Gegner der Stolpersteine sind sinnigerweise unter den vehementesten Befürwortern des Zentralmahnmals in Berlin zu finden, auf dem man unter keinen Umständen „gojer“ Opfer der nationalsozialistischen Menschenvernichtung gedenken will. Sind Homosexuelle, „Zigeuner“, Kommunisten, andere Widerständler von Pater Kolbe bis Pfarrer Bonhoeffer, Jehova-Zeugen und viele andere denn weniger erinnernswert? Gebührt meinem Amtsvorgänger Ruben Valet weniger Erinnerung, weil er evangelisch war, als dem Juden, der neben und mit ihm erschossen wurde?

  6. Andreas Moser Says:

    Ich finde die „Stolpersteine“ eine sehr gute Art des Erinnerns. Daß man sich durchaus daran „stoßen“ soll ist ja schon in ihrer Bezeichnung angelegt und damit sicher gewollt.

  7. RN Says:

    Wenn die Steine neu sind und glänzen – wunderbar. Ehrlicherweise muß man aber sagen, daß die Stolpersteine nach nicht allzu langer Zeit sich so gut ins Straßenpflaster einfügen, daß kein Mensch mehr darüber stolpert. Das Messing wird stumpf und braun, der Stein damit unauffällig. Ich habe selbst mehrere solcher Steine in meiner Straße, die man permanent übersieht. Den letzten habe ich erst unlängst bemerkt, und ich zähle mich nicht zu den unaufmerksamsten Beobachtern und gehe schon eine ganze Weile diese Straße entlang… Die Steine zu putzen ist auch gar nicht so leicht, selbst mit Sidolin ist dem teils nicht bezukommen, wenn sie einmal so verschlammt sind, da muß man mit Härterem ran.
    insofern kann ich die Kritik an den Stolpersteinen zum Teil nachvollziehen. Vielleicht wären Tafeln an Hauswänden, wie man sie in der Ex-DDR für Widerstandskämpfer oder im Westen für promintere Personen angebracht hatte, sinnvoller: man muß sie nicht pflegen, sie bleiben immer sichtbar, wunderbar auf Augenhöhe.
    Der Künstler hat sich damit auf jeden Fall mehr einen Namen machen können als mit seiner anderen Kunst (man beachte sein Beuyssches Outfit), es sei ihm gegönnt, aber vielleicht wäre es langsam mal an der Zeit, das Ganze auf seine Form hin kritisch zu überdenken, schon allein im Sinne der wenigen Nachkommen. Es bricht einem das Herz, zu lesen, daß die Nachkommen der Opfer für die Steine bezahlen – wenn sie wüßten, wie die bald aussehen!

    • Yael Says:

      Wenn man Gedenktafeln an die Hauswände anbringt, muss der Besitzer des Hauses zustimmen und viele wollen das nicht.
      Ich sah schon einige Frauen in Berlin, die Stolpersteine regelmäßig putzen.
      Die meisten sind aber keine Nachkommen der Opfer, sondern Bewohner der Häuser, die die Initiative ergreifen und es die Stolpersteine bezahlen.

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