Ich verstehs nicht…

Manchmal wundert man sich schon, was einem in anderen Blogs so passiert.
Warum wird ein Kommentar nicht veröffentlicht, nur weil man darauf hinweist, dass der Autor – weil viele das anscheinend annehmen (müssen) – er wäre Jude, gar keiner ist? Warum will man unbedingt als Jude angesehen werden? Ist es Scham keiner zu sein? Und wenn ja, warum?
Es ist keine Schande, sich für das Judentum oder Israel zu interessieren, wenn man kein Jude ist. Warum auch? Aber ich finde es durchaus unangemessen, sich für etwas auszugeben was man nun einmal nicht ist oder es dem Leser suggeriert, ohne das klarzustellen. Man muss kein Jude sein, um beispielsweise wie ein Hohepriester zu gelten.
Wenn ein Nichtjude die sieben noachidischen Gesetze befolgt, ist er wie ein Hohepriester und hat Anteil an der kommenden Welt hat (San. 87b).
Beispiel dieser Art gibt es im Judentum eine Menge und niemand sollte Probleme haben, kein Jude zu sein – aus welchen Gründen auch immer.
Ich verstehs einfach nicht…

74 Antworten to “Ich verstehs nicht…”

  1. aristobulus Says:

    … habe gestern en passant (denn ich bin ja immer unterwegs & kann leider kaum oder überhaupt nicht hier oder in anderen Blogs was schreiben) an einem Stand in der Provinz ein Buch gesehen & gekauft, Christiane Baumann: Manfred „Ibrahim“ Böhme (Schriftenreihe des Robert-Havemann-Archivs). Da geht’s wieder mal just um’s Thema, den diesere Böhme suggerierte damals, er sei Jude. Er war aber keiner. Wikomirski dagegen war bloß ein armer und halbirrer Tropf, der sich selber etwas vormachte, um dann Anderen das Abziehbild eines traurigen Juden mit Klarinette darzustellen… wohingegen Böhme sich aus Kalkül interessant machen wollte. Er schreibt über den „Spielraum des Daseins“. Aha.

    Einer hat da sein Leben als Doppel konstruiert, wie er es wollte, Tatsachen hin oder her. Darf man das? Vielleicht darf einer behaupten, er sei Zigeuner, wenn er unter Zigeunern lebt und deren Werte oder Kunst teilt, denn andere Zigeuner stört es wohl nicht. Falls einer das Bedürfnis hat, wie weit kann er gehen? Passen zur Gebärde des Lebens sollte es. Aber beim Böhme hat nichts gepasst!, denn zuvor hatte er ausgerechnet für die Staatssicherheit gespitzelt auf Teufel komm raus, freiwillig & obstinat auf die ganz Fiese, also herrschte da keine Spur von Integrität oder von nur etwas Ethik in seinem Leben, zumal von jüdischer Ethik.
    Wenn er die immerhin gehabt hätte?

    Irgendwie isses wohl postmodern beliebig, sich als dies oder das oder als Star oder als Jude auszugeben, wenn man keiner ist. Was einer „ist“, entscheiden ja Andere, und es ist Mode, sich selber zu erfinden, damit Andere einen feiern. Oft wird’s peinlich und peinlicher. Ich kenne einen, den man bei Austellungen, Lesungen usf. trifft, und er fällt sofort auf, weil er auffallen will. Er läuft mit einem riesigen Davidstern um den Hals rum (ähnlich wie Missionare mit ’nem Christenkreuz), Er trägt Seidentücher, Samtjacketts und einen strohblonden Pagenkopf, macht auf Verlaine, malt extravagante Portraits und behauptet auf Nachfrage mit strahlendem Blick, er sei „Reformjude“.
    Huch?
    Es prüft keiner nach, und wir leben ja im Zeitalter von Copy&Paste und der Reproduzierbarkeit von schlechthin Allem.

  2. aristobulus Says:

    PS.
    In welchem Blog war’s denn, Yael?

    • Yael Says:

      Den nenne ich natürlich nicht.😉
      Es wird immer welche geben, die sich als etwas ausgeben, was sie nicht sind. Ich habe oft das Gefühl, dass sich einige wegen der dt. Geschichte schämen, Deutsch zu sein und sich deswegen eine andere Identiät wünschen und sich die virtuell zulegen. Manche behaupten ja nicht, dass sie angeblich jüdisch sind, sondern suggerieren es, und so denken andere natürlich sie seien Juden.
      Mir fällt nur seit einigen Jahren auf, dass sich viele jüdische Nicks geben oder einige behaupten, keine Deutschen zu sein.
      Ich nehme an, dass sie Probleme mit ihrer richtigen Identität haben. Ich habe das obige Erlebnis mal zum Anlass genommen, um darüber zu diskutieren. Aber verstehen werde ich das wohl nicht. Ich habe mich nie geschämt einmal nichtjüdisch gewesen oder eine Deutsche zu sein. Denn auf die Nationalität ist kaum das Entscheidente, um jemanden zu mögen oder nicht.
      Wilkomirski, der ja Schweizer ist, ist ein absolut pathologischer Fall.

  3. aristobulus Says:

    Und die Lea Rosh mitsamt dieser Zahn-Geschichte? Du kennst diese Zahn-Geschichte. Ich finde es vollpervers, um nicht zu sagen vollstpathologisch, was sie da in stolzer Unkenntnis gemacht hat, von keinerlei Pietät angekränkelt-.
    Vordem hieß sie Rohs, dann suggerierte sie HaSchana, naturgemäß nicht mit Sch, denn das könnt‘ ja _deutsch_ sein, denn in echt jüdishe Shale geshmissen shreibt man shauderhafterweise kein Zeh hin. Sheiße, ach shon.

    Vielleicht klingt diese Mode jüdischer ‚Identität‘ schon ab? Es zahlt sich ja nicht aus, Jude zu sein. Hat man das nicht in Blogs & Foren vor paar Jahren so richtig ausgekostet, und jetzt weniger?

    • Yael Says:

      Lea Rosh ist ein gutes Bespiel. Sie suggeriert auch gern, dass sie Jüdin wäre, ohne es zu behaupten. Genauso wie in meinem Beispiel. Man sollte daher immer vorsichtig sein und genau „hinsehen“.

  4. aristobulus Says:

    Scheints meinen die Suggerierenden und Rollenspielenden bloß immer sich selbst. Sind die dann wenigstens proisraelisch? Wahrscheinlich mehr lau und ‚irgendjüdisch‘-eitel-narzisstisch.

    Ähm, fällt Dir ein Beispiel für jemanden ein, der/die/das so als Suggestiv-Unjude zugleich antiisraelisch ist? Gibt’s das? Vielleicht gehört ja diese Evelyn Tollhecht mehr zu dieser Kategorie? Das wäre doch nett… die ohnehin Voll-Irre, die somit noch vollirrer wär.

    Und ist Yigal Amir eigentlich noch Jude oder irgend oder nur ein bisschen? So weit ich weiß, ist er ja keiner mehr, weil Rabbiner seinerzeit festgestellt haben, dass er keiner sei.
    Wie wird das festgestellt? Passiert das rückwirkend? Müsste ja schon: Denn Falls einer wie der nun kein Jude ist, besaß er auch früher keine jüdische Seele. War er also dann kein Jude, als er Rabin erschossen hat?
    Die Frage klingt flapsig, sie ist aber Ernst gemeint.

    • Yael Says:

      Ähm, fällt Dir ein Beispiel für jemanden ein, der/die/das so als Suggestiv-Unjude zugleich antiisraelisch ist.

      Ist mir bewusste noch nicht begegnet, aber das wird es sicher auch geben. Ich denke, z.B. im alten Hagforum gab es das sicher.

      So weit ich weiß, ist er ja keiner mehr, weil Rabbiner seinerzeit festgestellt haben, dass er keiner sei.

      Das höre ich zum ersten Male. Hast du da eine Quelle?

  5. Paul Says:

    Yael, wir sind völlig einer Meinung und mir fällt es jetzt wie ‚Schuppen von den Augen‘.

    Vielleicht bin ich zu nachsichtig, aber ich sehe es mal als einen besonderen Sympathiebeweis für das Judentum. Das finde ich zunächst einmal nicht schlecht.

    Das mit der Lea wusste ich nicht. Die hielt ich für eine waschechte Jüdin. Ihr überbordendes Engagement für das Holocaust-Denkmal hielt ich allerdings für bedenklich, weil mir einflussreiche Mitglieder der jüdischen Gemeinde sagten, dass sie das Denkmal nicht bräuchten. Was ich auch gut verstehen konnte, zumal wenn man das Ergebnis sieht.

    Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

    Zurück zum Thema.
    Es ist jedenfalls besser, jemand erweckt den Eindruck ein Jude zu sein, wenn er keiner ist, als wenn ein Jude versucht den Eindruck zu erwecken er sei keiner.

    Das gilt genauso auch für einen Deutschen.

    Bei mir ist es so, dass ich mich nicht schäme ein Deutscher zu sein, sondern ich schäme mich dafür oder besser, ich bin traurig darüber was die Deutschen in der Vergangenheit angerichtet haben.
    Leider habe ich den Eindruck, dass sehr viele Deutsche daraus nichts gelernt haben.

    • Yael Says:

      Es ist jedenfalls besser, jemand erweckt den Eindruck ein Jude zu sein, wenn er keiner ist, als wenn ein Jude versucht den Eindruck zu erwecken er sei keiner.

      Ich finde beides nicht besonders gut, wobei ich bei jemanden, der nicht als Jude auffallen will, noch eher Verständnis habe, denn es ist leider ja doch nicht ungefährllich offen als Jude zu leben. Erst letztens wurde wieder ein 13 jähriger Junge wegen seiner Kippa auf der Straße angegriffen. Und gerade deshalb verstehe ich nicht, wenn sich jemand quasi als Jude ausgibt. Wozu?

      • Paul Says:

        Yael, Du hast recht. An diese Notwehrsituation habe ich, als ich das geschrieben habe, nicht gedacht. Die macht eine derartige Tarnung schon nachvollziehbar verständlich.

        Das Beste ist, man ist was man ist, und steht auch dazu. Wenn man sich ändern will, dann muss man es auch wirklich tun und nicht nur so tun als ob.

  6. aristobulus Says:

    Yael, apriorisch verstehen kann man’s wohl nicht, da wirst Du Recht haben, denn wozu sollte einer so tun, er wäre Jude oder Eskimo?
    Aus den Beweggründen oder Verstrickungen Einzelner lässt es sich dann verstehen, Falls man darauf eingehen will. Nicht ganz, denke ich. Etwa bei Ibrahim Böhme (Du erinnerst Dich an den), der dann nicht Ibrahim hieß, lag es wohl an Autosuggestion gemischt mit Geltungsbedürfnis und Skrupellosigkeit.
    Oder wie war es seinerzeicht bei einem gewissen Konrad, der so furchtbar gestört und himmelhoch leidend und exorbitant charakterfies auftrat und _war_!, der nicht denken konnte und der sich dann einen frommen sefardischen Namen zugelegt hatte und sogar sein Kind in Gefahr gebracht hat, auf den Straßen behauptend, er sei Jude…
    Ein Typ mit Vollschaden halt, der uns leidtat. Seine Wahnideen gepaart mit seinen Fiesheiten passten ja zu ihm und zu seinem Selbstbild als Opfer, und so macht sich einer zum falschen Juden.

    Ist es nicht wie bei Hochstaplern? Die weden dann irgendwann zu Baronen usf. Aber was ist schon ein Baron.
    Wie ist es bei Punks? Die deklarieren sich als Punks und konvertieren innen drin zum Punktum, und irgendwann sind sie’s. Bloß stört’s da keinen Anderen.

    – À propos, hi Paul🙂, schön, Dich zu lesen.

  7. Martin Says:

    Ich frage mich auch oft, warum Kommentare, die einfach nur harmlos auf Tatsachen hinweisen, nicht veröffentlich werden.

    Wahrscheinlich liegt es meist daran, dass der Blog-owner sich auf den Schlips getreten fühlt, weil der Kommentar bei ihm/ihr an eine empfindliche Stelle rührt.

    Ausserdem stelle ich fest, dass die meisten Blogs nicht gerade tolerant sind gegenüber Meinungsvielfalt. In den meisten Blogs (ich nehme an, auch auf diesem hier), werden Meinungen, die nicht der des Blog-owners entsprechen, einfach zensuriert.

    In diesem Zusammenhang hat auch die Bedeutung des Wortes „Troll“ eine interessante Wandlung erfahren. Ursprünglich wurde als Troll jemand bezeichnet, der versucht, durch wüste Beschimpfungen und Beitrage, die gar nichts mit dem Thema zu tun haben, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

    Heute wird „Troll“ in den meisten Blogs schlicht und einfach für Kommentatoren verwendet, die eine andere Meinung vertreten: ein LInker auf einem rechten Blog, ein Pazifist auf einem pro-Militär-Blog, kurzum, all jene, die die „traute Einigkeit“ auf dem Blog stören.

    Schon öfter habe ich mich gefragt, was ich zensurieren würde, wenn ich einen Blog hätte. Ich denke, ich würde nicht zulassen, dass andere Kommentatoren unflätig beschimpft werden, aber da ich an Austausch ein Interesse habe und mir auch zutraue, eine Argumentation faktisch und sachlich zu widerlegen, wenn sie nicht stimmt, würde ich abweichende Meinungen tolerieren.

    An deiner STelle würde ich mir aus dem Zensurieren von Kommentaren nicht viel machen. Schliesslich hast du deinen eigenen Blog und kannst dich immer noch auf diesen zurückziehen, wenn dir daran liegt, dass deine Meinung veröffentlicht wird. Und dort kannst du ja dann die Kommentare einfach löschen, die dir nicht gefallen. Ich nehme an, das du das in der Vergangenheit auch schon gemacht hast.

    • Yael Says:

      Ich habe unter „ein wenig über mich“ geschrieben, was und wer nicht erwünscht ist. Gelöscht habe ich bisher nur jemanden, der unter verschiedenen Nicks geschrieben hatte sowie einen Antisemiten.

  8. Martin Says:

    „Ich habe oft das Gefühl, dass sich einige wegen der dt. Geschichte schämen, Deutsch zu sein und sich deswegen eine andere Identiät wünschen “

    An sich ist es doch durchaus ehrbar, sich wegen der deutschen Geschichte zu schäme, deutsch zu sein. Ich nehme an, bei nicht wenigen Gerim aus Deutschland spielt die Motivation, dass sie sich „deswegen eine andere Identität wünschen“ ein mehr oder weniger grosse Rolle, wenn sie sich entscheiden, zum Judentum überzutreten.

    Allgemein finde ich, dass die Frage „jüdisch-nicht-jüdisch“ auf deutschsprachigen Blogs zu Israel oder Judentum einen viel zu grossen Raum einnimmt. Ich finde, man kann einfach ignorieren, ob jemand jüdisch ist oder nicht, ob er sich als jüdisch gibt oder nicht, sondern einfach seine Meinung zur Kenntnis nehmen und davon ausgehen, dass das einzige, was man von dieser Person kennt eben diese Meinung ist.

    Viele Blogger, und darunter sind nicht wenige Gerim, sehen sich als „Verteidiger des wahren Judentums“ und hauen jeden erst einmal an mit „Ach du hast doch von Judentum/Israel gar keine Ahnung. Wenn sich dann herausstellt, dass der andere jüdisch ist, fällt ihnen erst mal die Kinnlade runter und sie sagen nichts mehr. Ich finde, diese aggressiven ersten Begegnungen sollten sich diese Blogger abgewöhnen, sondern jeden Menschen nehmen, wie er ist, mit seinen Meinungen.

    „Und ist Yigal Amir eigentlich noch Jude oder irgend oder nur ein bisschen? So weit ich weiß, ist er ja keiner mehr, weil Rabbiner seinerzeit festgestellt haben, dass er keiner sei.
    Wie wird das festgestellt? Passiert das rückwirkend? Müsste ja schon: Denn Falls einer wie der nun kein Jude ist, besaß er auch früher keine jüdische Seele. War er also dann kein Jude, als er Rabin erschossen hat?“

    Wieso, glaubst du das ein Jude kein Mörder sein kann? Bist du genauso naiv wie die Borrough-Parker die sofort zur Schlussfolgerung kamen, Levi Aron müsse adoptiert sein, nachdem er vor ein paar Wochen den neun-jährigen Leiby Kletzky umgebracht hat?

    „Juden“ ist eine Gruppe Menschen. In dieser Gruppe Menschen gibt es gute, schlechte, ehrliche, Heuchler, Geber, Nehmer, gescheite, dumme, und leider auch Sexualverbrecher und Mörder. „jüdisch sein“ hat nichts mit Integrität zu tun, denn „jüdisch“ werden die meisten Menschen durch Geburt: sie müssen keinen Integritätstest durchlaufen, bevor ihnen das Label „Jude“ aufgedrückt wird.

    Natürlich ist es ein hehres Ziel der Religion, u.a. auch integer zu sein. Aber ich nehme an, du selbst weisst am besten, dass nicht jeder Jude alle Gebote seiner Religion einhält, also was solls?

  9. Martin Says:

    Oh, entschuldigung, Mir will scheinen dass ich bei deinem Kommentar, lieber Aristobulos, eine feine ironische Note bei der ersten Lektüre verpasst habe.

    Bin also ganz deiner Meinung: alle räuber, Mörder, Kindsverderber werden aus den Judentum „ausgebürgert“, während sämtliche Stars, Nobelpreisträger und Genies nach Möglichkeit eingebürgert werden. Für das Einbürgern sind die jüdischen Bobbes wie Mathilde N. zuständig, die jedem, der er hören wollen,erzählen werden, dass Placido Domingo von Marranen abstammt und daher in Wirklichkeit jüdisch ist.

    PS: Was ist mti Amy Winehouse: wird die aus- oder eingebürgert, oder einfach im Status Quo belassen?

  10. aristobulus Says:

    Hi, Martin… ach, die arme Amy Winehouse lassen wir in da hoyss, meine ich, ja?, denn sie ist ja schon im Status der Rocker von Status Quo drin, zumal die ja auch schon tot sind, glaub ich.

  11. Carina Says:

    Liebe Yael,
    ich muß ehrlich sagen das ich bis ich 19 Jahre alt war keinem gesagt habe das ich Jüdin bin und Israelische Wurzeln habe. Wie Du weißt wußten es wenige und ich bin mit 17 Jahren deswegen angestochen worden. Allerdings muß ich sagen das auch ich Personen kenne die sich Jüdische Namen geben und mit Kippa rumlaufen und keinerlei jüdische Vorfahren haben. Mittlerweile muß ich sagen das ich als Jüdin das verhalten von diesen Menschen auch wenn es sich hart anhört sehr übel finde! Ich finde es anmassend da wir als Juden nun wieder stolz sein können eben Juden zu sein, wir brauchen nicht mehr uns verstecken und ich finde das wir Juden (egal ob Gebürtig oder Konvertiert) aufgrund der Geschichte stolz sein können uns wieder „Zeigen“ zu dürfen und ich finde nicht das diese Menschen das recht haben das auch zu machen!

    • Yael Says:

      Liebe Carina,

      ich kann jeden gut verstehen, dass man niemanden sagt hast, er oder sie wäre jüdisch. Ich habe von Freunden, die als Juden erkennbar sind, vieles negative gehört, was man auf den Straßen so erlebt. Und dir ist noch viel schlimmeres passiert. Dass man da Angst hat, ist völlig verständlich. Vor ein paar Monaten wurden Israelis in meiner Nähe angegriffen. Sowas prägt und man ist automatisch vorsichtiger. Deswegen verstehe ich noch weniger, wenn Nichtjuden mit Kippot oder Davidsternen herumlaufen und ich mag es auch nicht. Stolz können wir auf alle Fälle sein, denn es ist in erster Linie etwas sehr schönes jüdisch zu sein.

    • Martin Says:

      Du kannst aber niemandem verbieten, mit Kippah herumzurennen oder sich peyes wachsen zu lassen.

      Erst kürzlich gab es zu diesem Thema in Amerika einen Prozess: Angestellter (nicht-Jude) wurde rausgeschmissen, weil er Kippah trug. Er hat geklagt…
      http://www.vosizneias.com/88911/2011/08/09/suit/

      • Yael Says:

        Niemand hat etwas von verbieten gesagt, aber es ist und bleibt ein Etikettenschwindel und ist unangemessen.
        Ich habe übrigens noch niemanden erlebt, der sich als Moslem ausgibt oder es auch nur suggeriert.

    • Yael Says:

      Frage: Woher weißt du, dass es sich um die Carina hier handelt? Ich wäre etwas vorsichtig damit, etwas zu verlinken, wenn man es nicht genaustens weiß.

    • Martin Says:

      Schau, ich finde es im Prinzip nicht verwerflich, im Internet eine Identität zu usurpieren. Schliesslich ist Internet doch genau das: eine virtuelle Welt, der Tummelplatz der Avatare, ein Ort, wo man mit seiner Identität spielen kann.

      Erst kürzlich ist doch herausgekommen, dass ein Blog von einer lesbischen Frau in Syrien in Wirklichkeit von einem heterosexuellen Amerikaner in Schottland war, und das Lesbenforum, auf dem sie manchmal gepostet hat, wurde von einem Mann geleitet, der sich ebenfalls als Lesbe ausgab.

      Warum soll ein Mensch nicht gerade auf Internet mit seiner Identität spielen. Im Internet mischt sich Realität und Fiktion. Früher war gefälscht-authentisches das ein literarisches Genre, vom Nibelungenlied, das 800 Jahre zurückdatiert wurde, bis zu den „lettres persanes“, wo der gut-französische Montesquieu als Perser posiert, um seine eigene GEsellschaft zu kritisieren.

      Heute wird auf Internet viel erzählt, manches ist authentisch, anderes erfunden, oft wird erfunden, wie es hätte sein können.

      Tut das jemandem weh?

      Willkomirski hätte im Prinzip auch niemandem weh getan, wenn er nicht behauptet hätte, dass seine Erzählung autobiographisch ist. Schreiben konnte er, vielleicht besser als manche, die authentische Memoiren schreiben.

      Übrigens sind die Fakes in der „Misery Literature“ (Leute erzählen von ihrem äusserst schweren Leben) ziemlich häufig.

      Der Leser muss selber lernen, die Spreu vom Weizen zu trennen.

      So, das war meine Meinung. Nun meine Frage an dich: fändest du es verwerflich, solche Geschichten zu kolportieren, wie in dem Link, wenn sie nicht stimmen?

  12. Martin Says:

    „Ich habe übrigens noch niemanden erlebt, der sich als Moslem ausgibt oder es auch nur suggeriert.“

    Das gibt es bestimmt. Aber vielleicht drehen sie sich in anderen STadtvierteln oder Gemeindezentren herum als du, und ausserdem hast du vielleicht weniger Möglichkeiten zu überprüfen, wer von ur-deutsch-aussehenden Moslems seinen „Giur“ oder wie das dort heisst – schon gemacht hat und wer nicht und wer es überhaupt nicht vor hat.
    Die meisten Tschador-Frauen, die ich in unseren Breitengraden getroffen habe, waren Einheimische. Leider konnte ich nicht überprüfen, ob sie ihren koscheren Giur schon gemacht haben oder noch vor sich haben oder ob sie es einfach so mal ausprobieren wollten.

    Ich denke, die meisten Typen, die bei uns mit Kippah rumlaufen, tragen sich auch irgendwie mit dem Gedanken zu konvertieren, nur vielleicht fällt ihnen die Verwirklichung des Gedankens aus verschiedenen Gründen schwer (keine Gemeinde in der Nähe, nicht sofort zugelassen, etc)

    • Martin Says:

      Na ja, im Judentum ist das halt alles viel komplizierter, aus verschiedenen Gründen: erstens gibt es nicht überall Gemeinden. Das kann jemanden, der sich mit dem Judentum identifiziert, daran hindert, auch tatsächlich überzutreten. Zweitens ist der übertritt schwieriger und es wird mehr gefordert.

      Es gibt immer wieder Leute, die plötzlich aufwachen, und finden, dass sie ab heute jüdisch sein müssen, auch wenn sie noch nie einen Rabbiner gesehen habe.

      Wenn dieselbe Person aufwacht und findet, sie muss Moslem werden, dann ist sie es vielleicht schon. Vielleicht legt der Islam die Latte einfach tiefer. Vielleicht reicht es dort, alleine im stillen Kämmerlein das Glaubensbekenntnis zu sprechen, und man ist Moslem. Ich weiss es nicht.

      Das würde dazu führen, das Sympathisanten viel schneller Moslems werden könnten als ins Judentum übertreten, so dass die Zeit der Latenz, wo man gerne sein möchte, aber noch nicht ist, geringer ist.

  13. Martin Says:

    PS: übrigens erkennt man in deutschen Einheitsgemeinden die Konvertiten oder noch-nicht-Konvertiten teilweise daran, dass sie sich besonders chareidisch anziehen.

  14. Rika Says:

    Nur eine kleine Bemerkung am Rande:

    Ich bin Christin und mache daraus keinen Hehl.

    Aber ich trage seit nunmehr fast zwanzig Jahren einen kleinen Davidstern im Ohrläppchen. Nicht um irgendeine jüdische Identität vorzutäuschen, sondern aus reiner Solidarität mit Israel.
    Ich lege den Davidstern nur zur Nacht ab und beim Rein- und Rausnehmen denke ich sehr bewusst an Israel …

    Manchmal werde ich auf das schlichte Zeichen angesprochen und ab und zu auch gefragt, ob ich jüdisch sei. Das verneine ich und erkläre dann, warum ich den Stern trage.
    Oft ergeben sich daraus richtig gute Gespräche.

    Yael, ich kenne Deinen Standnpunkt ja schon länger und kann ihn vollkommen nachvollziehen – nur auf das Sterntragen möchte ich deshalb trotzdem nicht verzichten.

    Mit einer Kippa würde ich allerdings nicht spazieren gehen (wäre ich ein Mann), da hätte ich zuviel Respekt vor der religiösen Bedeutung der Kopfbedeckung.

    Ich hoffe, Ihr könnt auch meine Ansicht ein bisschen verstehen.

    • Martin Says:

      Aber Rika,
      wie kommst du auf die Idee, dass irgend jemand den Davidsstern gepachtet hat, oder dass irgend jemand irgend jemandem verbieten könnte, dieses Symbol zu tragen.

      Ich persönlich denke bei Leuten, die einen Davidstern tragen, eher an „Sympathisanten mit dem Judentum oder Israel“ als „jüdisch“…

  15. Yael Says:

    @Martin, danke für die Info. Leider konnte ich dir keine Mail schreiben, sie kamen unzustellbar zurück.

    • martin Says:

      Kein Problem… Du kannst dir einfach deine eigenen Gedanken machen & SChlussfolgerungen ziehen…

      • Yael Says:

        Ich habe übrigens mittlerweile auch den Verdacht. Schade, dass man sich erst so täuschen lässt.

      • Martin Says:

        Aber ändert das etwas für dich?

        Hast du einen Menschen lieber, wenn er jüdisch ist? oder wenn er dir erzählt, dass er antisemitische Übergriffe erlebt hat?

      • Yael Says:

        Für mich ändert sich gar nichts, denn ich habe damit nichts persönlich zu tun. Es ist aber enttäuschend und ich verstehe es nicht. Warum du meinst, ich hätte jemand lieber, wenn er jüdisch ist? Wieso, ich habe doch geschrieben, dass es im Judentum und auch bei mir keinen Unterschied macht. Auf den Menschen kommt es an und nicht darauf, was er ist. Und genau deswegen verstehe ich ja nicht, dass man sich als jüdisch ausgibt, wenn man es nicht ist. Die Menschen die das tun haben scheinbar große Probleme mit ihrer Identität, nicht ich.

      • Martin Says:

        Na ja, ich würde sagen, dass Identität im Allgemeinen und auf Internet im Besonderen etwas Formbares ist.

        Es gibt einfach Menschen, die sich nicht mit dem begnügen möchten, was sie sind und die gerne andere Identitäten ausprobieren. Das muss ja nicht unbedingt negativ sein. Letztlich machen Schriftsteller ja auch nichts anderes, und auch zum Sprachen lernen ist es von Vorteil, wenn man in eine neue Identität schlüpfen kann…

        Wie siehst du es zum Beispiel mit dieser Figur:

        Benjamin Stein, geboren 1970 in Ostdeutschland, irgend wann zum Judentum konvertiert, irgendwann orthodox geworden, wird heute als „orthodox jüdischer Schriftsteller deutscher Sprache“ gefeiert, wobei die Tatsache konversion manchmal auch unter den Tisch fallen gelassen wird.

        Sein Roman „Leinwand“ ist anscheinend dem FAll Willkomirski nachempfunden.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_Stein
        http://www.wdr3.de/open-wortlaut/details/artikel/benjamin-stein-brdas-orthodoxie-paradox.html
        http://www.zeit.de/2010/15/Schriftsteller-Benjamin-Stein

      • Yael Says:

        Den kannte ich bisher nicht. Aber wie man an ihm sieht, hat er seine Identität gefunden, als er Jude wurde.

      • Martin Says:

        http://turmsegler.net/20100603/der-autor-als-seelenstripper/

        Hier schreibt er einen Post dazu, dass das alles gar nicht so einfach war und über einige Umwege führte, und dass er über diesen Weg nicht gerne spricht.

        Aber andererseits stürzen sich die Medien darauf, dass er jüdisch-orthodox ist.

        Das scheint mir alles gar nicht so einfach zu handhaben. Wenn die Tatsache, dass er jüdisch ist, ein Verkaufsargument für sein Buch ist, muss er dann immer hinzufügen „übergetreten“, weil er sonst die Shoah usurpiert, die aus jüdischer Sicht in seiner Familiengeschichte nicht vorkommt?
        Oder spielt er nicht doch gerne mit Zweideutigkeit? Darf er das? Oder ist es Betrug am Publikum?

      • A.mOr Says:

        Hallo Martin! Schalömsche!
        „Wenn die Tatsache, dass er jüdisch ist, ein Verkaufsargument für sein Buch ist…“,
        dann sagt das nichts über die Qualität.

        Andererseits kann ich mir denken, daß es interessant ist für einen Leser etwas über einen Mann zu erfahren, der zum Judentum übergetreten ist. Das passiert doch auch nicht so oft.
        Aber diesen Übertritt zu betonen ist meines Wissens nicht nötig, gewissermaßen verpönt, denn Jude ist Jude.
        Schoah hin oder her, obwohl das natürlich ein wichtiger Aspekt ist.
        Andererseits, sollen wir uns nun gegenseitig mit Mißgunst begegnen: Deine Familie hat vielleicht meine Familie ermordet?
        Mißgunst ist wohl eine der Haupttriebfedern, warum es zu der Schoah, der Verhetzung zuvor, kommen konnte. Nicht?

        Der Mann selbst (Jahrgang 1970 also) war sicher nicht zwischen 1933-45 unterwegs, als wer auch immer. Oder? Reinkarnation?
        Ich denke, der Mord (und die Qual) an den Juden war zwar tatsächlich ein physisches Verbrechen, aber eben auch ein Verbrechen gegen die ‚jüdischeSeele‘. Insofern betrifft es auch diesen Mann oder aller zum Judentum konvertierten, denn dadurch, daß sie das Judentum annehmen, ist es auch spirituelle Annahme, ist es auch der Bund mit haschem. Sie werden ganz Jude, und damit ist die „Nicht-Jüdischkeit“ ausgelöscht.
        Damit sind auch sie „Opfer“ des Grauens der Nationalsozialisten. In ihrer Seele ist nun eingebrennt, was nuneinmal in der ‚jüdischenSeele‘ eingebrennt ist. Sie haben den Bund geschlossen mit haschem, und mit Mose, und mit Aaron, usw.
        Bei irgendwelchen Sorgen, Nöten oder Flausen fragen Sie ihren örtlichen Rabbiner.

        „…wird heute als „orthodox jüdischer Schriftsteller deutscher Sprache“ gefeiert, wobei die Tatsache konversion manchmal auch unter den Tisch fallen gelassen wird…“

        ,und zwar deshalb, weil ein Jude ein Jude ist, konvertiert oder 5722,3 Jahre Stammbaum.
        Es ist „unfreundlich“ einen Juden darauf hinzuweisen, daß er konvertiert ist.
        Das ist zwischen den Zeilen ein Hinweis darauf, daß er ja kein „richtiger“ Jude sei.
        Das ist Dir nicht bekannt?

        Ich pack’s hier mit rein: genau, AK-47, Du hast es erfaßt!
        Yael hat’s natürlich sofort verstanden!

        Eine Frage noch: was meinst Du mit „Viren“? Viren von Hagalil’s blog?
        Wie funktioniert das?
        Bei Viren bekommt mein PC das Zittern!

      • Martin Says:

        Ja, ich denke dass Hagalil ein- oder zweimal meine Festplatte abgeschossen hat, als ich gerade keinen ordentlichen Virenschutz hatte. Später hatte ich dann einen Virenschutz, der Gefährdende Websites meldet, und das ist bei Hagalil immer angegangen, also habe ich dann jeweils entschieden, nicht hinzugehen.

        Heute war ich aus gegebenem Anlass wieder dort und fand die Foren gar nicht mehr, anscheinend gibt es nur noch Chats.

        Was den Übertritt zum Judentum angeht, bin ich, wenn ich mich aus meiner laienhaften Sicht überhaupt etwas zu sagen traue, ganz deiner Meinung: Übergetreten ist jüdisch, wer was anerkennt ist dann noch eine zweite Frage, aber das geht ja dann schon mehr in Richtung „Administrationskram und Papierkrieg“. Das kann ja einem Russen, der seine jüdischen
        Papiere nicht findet, genauso passieren.

        Trotzdem kann man sagen, dass auch ein Ger jemand ist, der mit seiner Identität spielt, der eine neue Identität annimmt und sich dann überlegen muss, was er mit seiner alten Identität macht. Ich fände es – wieder aus meiner laienhaften Sicht gesehen – am tollsten, wenn er auf seine doppelte Identität stolz sein könnte und damit gar nicht hinter dem Berg halten müsste.

        Aber irgendwie scheint das schwierig zu sein, sowohl nach innen, als auch nach aussen, weil sich eben immer irgendwelche Leute finden, sowohl jüdisch als auch nicht-jüdisch, die die Authentizität dieser jüdischen Identität in Frage stellen.

        Irgendwie scheinen auch in Deutschland die Fronten noch so stark verhärtet oder unentspannt, dass es anscheinend einen enormen Unterschied macht, ob man nun zu „hüben“ oder „drüben“ gehört.

        Manchmal lizitieren die Gerim aber auch selbst den Einsatz in die Höhe, indem sie über „die Deutschen“, zu denen sie ja auch gehören, herziehen, oder sich allzu stark hinter „wir Juden“ verschanzen, oder indem sie eben in den Medien einen Eindruck erwecken, der nicht ganz zutreffend ist, wie unser Herr STein (der übrigens schon mit 18 seinen Namen gewechselt hat).

        Es wäre doch letztlich einfacher, wenn z.B. Yael bei Israel-Diskussionen als herausragendes Merkmal hervorstellen würde, dass sie eine Katze hat. Oder dass sie Krankenschwester ist (habe ich das richtig mitbekommen?) Oder dass sie Hunde gerne hat.
        Oder wenn Carina mit ihrem Wissen über Hasen und allgäuer Kühe hervorstechen könnte. Oder Du, Amor, mit deinen (hypothetisch angenommenen) Kenntnissen über klassische Musik und Philosophie.

        Warum muss man gerade in diesem Kontext die jüdische Identität so stark in den Vordergrund stellen?

      • Yael Says:

        Weil ich nunmal einen Blog über das Judentum und Israel mache und nicht über meine Katze, wie Noa, Chajm, Ruth und viele andere auch.

      • Martin Says:

        Ja, eben, das ist ja meine Frage.

        Jeder Mensch hat ja x Identitäten oder Rollen: Mann/Frau, Tochter, Ehefrau, Bruder, Schwester, Karnikelzüchter, Kleingärtner, Hausbesitzer, Arbeitnehmer, Briefmarkensammler, Deutscher, Nägelkauer, etc.

        Warum soll nun gerade die Rolle/Identität „jüdisch“ für die glaubwürdigkeit deiner Informationen zum Judentum oder zu Israel relevant sein?

        Man könnte sich ja auch vorstellen, dass man die Informationen darlegt, ohne sich als „jüdische“ Quelle zu identifizieren.

        Schliesslich besteht ja kein Zusammenhang zwischen der Qualität der Informationen (die man ja anhand von anderen Quellen überprüfen kann) und der Religionszugehörigkeit zum Judentum.

        Die Lehrstühle für Judaistik oder Nahost-Studien sind voll mit Leuten, die ausgezeichnete Informationen haben, aber nicht jüdisch sind.

        Umgekehrt gibt es genügend Juden, die von ihrer eigenen Religion oder von israel nicht besonders viel Ahnung haben.

        Inwiefern trägt es also etwas zur Diskussion bei, wenn man sich als „jüdisch“ outet?

        Inwiefern stört es die Diskussion, wenn sich jemand als jüdisch ausgibt, der es nicht ist?

        Inwiefern stört es die Diskussion, wenn sich jemand nicht als jüdisch outed, der es ist?

        Was bringt das Detail „jüdisch“ mehr als das Detail „Nägelkauer“?

      • Yael Says:

        Warum sollte man es verschweigen? Es ist sehr relevant, wenn man etwas über das Judentum bzw. über jüdisches Leben schreibt.
        Wenn man vorgibt jüdisch zu leben, ohne es wirklich zu tun, ist das in der Realität kaum möglich. Warum sollte man denen vertrauen? Jüdisches Leben ist der Alltag und nicht nur Bücher oder das Internet. Ich weiß nicht wie es es dir erklären soll, aber es ist nun einmal ein Fakt, dass man nur jüdisches Leben (er)leben kann, wenn man es in einer Gemeinschaft tut. Da bekommt man erst mit, wie wenig man weiß, wenn man für sich alleine herumwurschtelt. So kann man erst authentisch berichten und nicht aus einem Fake heraus. Irgendwann merkt man es, leider nur wenn man sich auch auskennt. Ich möchte nunmal nicht belogen werden, jemanden anzulügen ist für mich mit das schlimmste.
        Aber ich befürchte, ich kann dir das nie näher bringen.
        Lassen wirs so stehen, dich scheint es nicht zu stören, mich stört es.

      • Martin Says:

        Gut, dass einen Lügen grundsätzlich stört kann ich schon verstehen.

        Aber da meine ich, muss jeder Leser einzeln auf der Hut sein, denn schliesslich kann auf dem Internet zunächst einmal jeder alles behaupten.

        Das muss man doch nicht gleich glauben. Man kann ja geduldig warten, bis man Näheres erfährt, und sich dann erst so nach und nach eine Meinung bilden, so wie du deine Meinung zu einem bestimmten Blog anscheinend auch schon geändert hast. Fühlst du dich dort nun betrogen?

        Ich mich nicht. Als ich das erste mal davon las, dachte ich mir, dass Vieles nicht zusammenpasst, aber das mich das letztlich nichts angeht, weil jeder sein Leben leben kann, wie er will. Nach weiteren Forschungen bin ich dann draufgekommen, dass Sachen nicht passen, weil die zentrale Aussage erfunden ist, und das hat mich irgendwie beruhigt. Es hat mich beruhigt, weil es eine Erklärung war für das, was ich vorher als nicht zusammenpassend empfand.

      • Yael Says:

        Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich betrogen fühle, denn ich weiß es immer noch nicht hundertprozentig. Ich bin auch nicht sicher, was dahinter steckt, wenn es psychisch bedingt ist, kann ich es nachsehen, denn Krankheit hat viele Auswirkungen.
        Bei dem einen Blogger weiß ich es definitiv. Ich fühle mich von dem nicht betrogen (da ich es ja weiß), aber er betrügt andere, die es nicht wissen (können). Zumal wenn man es richtig stellt, es nicht veröffentlicht wird. Früher war das bei ihm kein Problem, aber jetzt auf einmal. Aber ich muss nicht alles verstehen.
        Es hatte mich einfach sehr geärgert und deswegen habe ich darüber geschrieben. Mehr war es eigentlich nicht.

      • Martin Says:

        Ja, ich frage mich auch, was dahinter steht. Ich stelle fest, dass Wissenslücken sehr geschickt überdeckt werden, das wirkt auf mich humoristisch und professionell, wie bei einem Schriftsteller oder bei jemandem, der sich einen Jux macht.

        Jetzt ist für mich die Frage, ob die Geschichte, derentwegen ich mir Sorgen machte, auf ähnliche Art erfunden ist, oder ob doch ein Körnchen Wahrheit daran ist. Der veröffentlichte Lebenslauf wirkt recht zerrissen, aber auch der kann ja erfunden sein.

        Wenn es einfach ein gut gemachter Jux ist, umso besser für den Autor. Wenn es Ausdruck eines tiefen Leidens ist: mein Bedauern, dann gibt es eigentlich nichts zu streiten.

        Was für mich mittlerweile aber ganz sicher ist, ist dass die dargestellte Geschichte so nicht stimmt. Und wenn doch ein Körnchen Wahrheit daran sein sollte, dann fragt man sich, warum gerade eine unwahre Darstellung gewählt wird.

        Ich lese – auf englisch – einen Blog eines ehemaligen Pflegekindes, das als von ihrem Herkunftsvater missbraucht, prostituiert und beinahe umgebracht wurde.

        Sie beschreibt, wie schlimm es, war, in verschiedenen Familien und Heimen herumgeschoben zu werden, sie beschreibt dass sie Dissoziative Identitätsstörung hat, und wie sie damit umgeht, dass sie sich selbst verletzt, etc.

        Auch dort wird manchmal die Authentizität des Blogs in Frage gestellt, was die Autorin anscheinend tief verletzt.

        Ich habe jetzt das Gefühl, dass ich auf diesem Blog, auch wenn er vielleicht nicht von der Person selber geschrieben wird, sondern z.B. von ihrer Psychologin, Informationen über Pflegekinder in den USA, Dissoziative Identitätsstörung, spätfolgen von Missbrauch erhalte.

        Auch wenn sich nun herausstellen würde, dass der Blog ein Fake wäre, hätte er mich doch für diese Themen sensibilisiert und mir erlaubt, weitere Informationen dazu zu suchen und einzuordnen…

      • A.mOr Says:

        Schalömsche miteinander.
        Also, Martin, ich denke auch, daß es nicht wichtig ist, die jüdische Identität in den Vordergrund zu stellen, aber letztlich, auf einem blog wie diesem oder anderen jüdischen blogs ergibt sich das aus dem Gehalt der Gespräche, habe ich erfahren.
        Dabei ist es nichteinmal notwendig explizit darauf zu verweisen: „ich bin Jude“, oder so. Ich habe auch schon solches gelesen, in der Art: „hallo alle zusammen, ich bin der Jude und habe euch was zu verklickern…“ Aber das ist natürlich eine andere Schiene, oder?
        Hier ist mir das aber noch nicht aufgefallen, wenn ich mich recht erinnere.

        Als Jude lebt man im Alltag oft einen nichtjüdischen solchen, wage ich zu verallgemeinern, zuhause macht man’s vielleicht anders, aber da draußen, hier in Deutschland ist eben nicht Israel. Und wie jüdisch lebt ein nicht religiöser Jude, sei es in Israel, sei es in Deutschland?

        Etliche Leute reagieren seltsam auf Juden, mit Skepsis, offener Ablehnung, Anfeindung oder umgekehrt einer unangebrachten Bewunderung oder dergleichen, der berüchtigten „Philosemitia“…
        Totales Ignorieren ist auch drin, nach dem Motto, der ist Jude und redet nur jüdisch, versteh ich nicht, will ich nicht, interessiert mich nicht.
        Entspannter, gelassener Umgang ist dann eben nicht möglich.
        Weiß nicht, ob ich mit dem Wort „etliche“ zu sehr verallgemeinere.
        Andererseits, wer läuft denn schon als „erkennbarer Jude“ in Deutschland durch die Gegend? Modestudenten mit dem neuen Trend?

        Wie dem auch sei, so ist es doch gut, sich im worldwideweb ausgerechnet auf jüdischen blogs aufzuhalten. Gibt doch sonst nichts!
        Pygmäen sind eh total langweilig, habe ich mal gehört.
        Außerdem sollen die das Blut von Kindern in M, habs vergessen, verbacken…
        Und außerdem sind die geil wie die Teufel! Pfui Daibel, sowas!

        Yael hat auch einen wichtigen Punkt angesprochen, der Deiner objektiv richtigen Feststellung widerspricht.
        Ein Nichtjude könne mehr über Israel oder jüdische Religion, etc wissen, als ein Jude.
        Sicher stimmt das, aber „jüdisch sein“ ist doch kein Schulfach, in dem man benotet wird.
        Vielmehr ist es das Zusammensein mit anderen Juden, welches einzig Erfahrung im „jüdisch sein“ ermöglicht. Das macht eben einen großen Unterschied, ob ich mich im Spiegel reflektiere und vor mich hinmurmel: „ich bin jude,“ oder „schemaJisrael..“, oder ob ich von anderen Juden wahrgenommen werde und Rückmeldung bekomme. Im Miteinander entsteht doch erst richtiges Leben, alleine aber bin ich einem entwurzeltem Baum ähnlich, einem durstigem Baum also.
        Auch bei nichtjüdischen Freunden kann ich mich als Jude wohlfühlen, aber da fehlt eben die „Jüdischkeit“. Ich hoffe, daß ich damit auch Yael gut ergänzen konnte.

        Tja, und irgendwie hat so ein kleiner süßer blog wie der von Yael, dank der großartigen Betreiberin, auch einen „familiären“ Charakter. Schade, daß momentan soviele Vögel ausgeflogen sind.

        Es ist nicht notwendig seine jüdische Identität -whatever that would be!- hier hervorzukehren, aber, das ist entspannend: es stört auch überhaupt niemanden. Keiner hebt die Augenbrauen (Kunststück, oder!) oder macht eine seltsame Bemerkung dazu.
        Da draußen unter den wilden Deutschen kann dir das passieren. Aber, wie gesagt, mach es als jüdischer Rockstar, und Du kriegst die Mädels nicht mehr aus Deiner Bude…:)

        Warum nicht, hier zB

        oder so

        oooder so

        😉

        (schönes Lied, nicht?)

      • Martin Says:

        Stimmt, schönes Lied.

        Und stimmt auch: gemütlicher Blog hier.

        Wenn es nun so ist, dass man sich als Jude unter Juden anders, heimischer fühlt als unter Nichtjuden, dann macht es letztlich auch einen Unterschied in der Beurteilung, ob der andere Jude ist oder nicht.

        Wenn er Jude ist, gehört er sozusagen dazu, wenn nicht dann nicht.

        Damit hat dann der andere aber auch etwas zu gewinnen, wenn er sich fälschlicherweise als Jude ausgibt: er gehört dazu, wo er doch sonst nicht dazu gehören würde.

        Dann darf man ihm doch letztlich nicht böse sein, dass er versucht, sich diesen Vorteil zu erschleichen, oder besser gesagt: dass er testet, ob die anderen überhaupt merken, wer zu ihnen dazu gehört oder nicht.

        Das ist doch ein interessantes Spiel: die anderen haben ein „Konzept“ von „wir“ und „sie“, also nehmen wir sie auf die Schippe, überprüfen wir, ob das Konzept Hand und Fuss hat.

      • A.mOr Says:

        Tach Martin,
        für den ersten Teil stimme ich Dir kommentarlos zu. Bischen Kommentar vielleicht: es kommt darauf an…

        „Damit hat dann der andere aber auch etwas zu gewinnen, wenn er sich fälschlicherweise als Jude ausgibt: er gehört dazu, wo er doch sonst nicht dazu gehören würde.“

        Definiere „Gewinn“. Vor allem auch, wenn Du noch so schreibst:

        „Dann darf man ihm doch letztlich nicht böse sein, dass er versucht, sich diesen Vorteil zu erschleichen,…“

        Sich irgendetwas „zu erschleichen“, das klingt doch nicht ganz sauber, oder habe ich da einen Verständnisfehler?
        Außerdem habe ich doch nicht ganz umsonst die Heiligen Gebote erwähnt?
        Diese gelten zwar, in meinen Augen, als „Empfehlung“, jedoch nicht als „Befehl“, trotzdem ist das Zuwiderhandeln gleichzusetzen mit einem Bruch der Gebote, was wiederum bedeutet, daß man sehr wahrscheinlich sich für „böses Handeln“ entscheidet.

        Die Entscheidung ist uns frei, der freie Wille ist uns mitgegeben, von „höchster Stelle“ sozusagen, daß bedeutet aber nicht „Narrenfreiheit“.
        Die Entscheidung, die gefällt wird, hat eben auch Konsequenzen.
        Wer sich als als Jude ausgibt und keiner ist, um meinetwegen zu „testen“ wie es in jener „exklusiven Gruppe“ im „wir“ so sei, der muß sich eben auch gefallen lassen beim Namen genannt zu werden, zB „Schwindler, Lügner, Betrüger…“
        Und das ist -genaugenommen- nur der Anfang, bzw die Bezeichnung eines Delikts, welches Konsequenzen hat.

        „…also nehmen wir sie auf die Schippe…“, im Sinne von Kabarett?
        „…überprüfen wir, ob das Konzept Hand und Fuss hat.“
        Wer aber, bitteschön, soll der Richter sein, der dieses „Konzept“ zu prüfen hat. Wer fühlt sich berufen andere Menschen, Gruppen, auf deren -sagen wir- Integrität zu „überprüfen“?
        Ist das nicht Sache der Gruppe selbst? Und wenn man eine Gruppe (Gemeinde soundso, zB) vergleicht mit einer anderen, mag es nicht sein, daß sie sich trotzdem sehr unterscheiden, obwohl sie Juden sind?

        Also, ich sehe es schon so, wie ich es oben beschrieb, die Gebote gehen sowieso immer vor.
        Da sie gewissermaßen als „religiöse Gebote“ verstanden werden können, mag ein Atheist, oder einfach nichtJude sie ignorieren. Aber es sind auch vernünftige Gebote, man braucht sie nur lesen und darüber nachdenken, meine ich.
        Wie sie übrigens für Christen gelten, weiß ich nicht. Klar, ich würde sagen, genauso wie für Juden, das Vorbild der Christen, also Jesus, war ganz offenbar frommer Jude. Jedoch scheint es Probleme beim Verständnis, alleine durch Übersetzungsunstimmigkeiten, zu geben…
        Vielleicht eine gewagte These, und hej, wir/ihr seid frei! Aber möglicherweise sollten Christen, um „richtige Christen zu sein“, neben dem Griechisch ihres Neuen Testaments eben auch das Hebräisch lernen um die Torah zu lesen und verstehen zu können? Ach ja, und Aramäisch, aber es ist dem Hebräischen recht ähnlich. Weiß nicht genau, so wie Niederländisch zu Deutsch?
        Nur so ein Gedanke…

        Nocheinmal kurz zurück, auf die Gefahr hin, daß ich mich wiederhole.
        Wenn sich jemand als Jude ausgibt, der/die keiner ist, dann ist das gegen die Gebote, gewissermaßen ein „Verbrechen“. Dann wiederum ist es ja für -in meinen Augen- manche „echte Juden“ ziemlich schwer, tatsächlich als Jude anerkannt zu werden; so daß also ein beschwerlicher Giur bevorsteht, um solche Anerkennung zu erlangen. Und was ist, kann ja vorkommen, wenn man mit für diesen Weg entscheidenden Rabbinern nicht klarkommt? Oder sonst was? Solcher Weg funktioniert eben nur reibungslos, wenn man viel Glück hat, würde ich behaupten.
        So mancher unglaublich sympathische, ehrenwerte Mensch hat keine Chance, weil dieser mit seinem „Charakterschädel“ ganz einfach nicht durch den „Giur“ paßt, bzw, weil er aus dem Stolz heraus (und ich denke, Stolz ist nicht in jedem Fall eine schlechte Sache, vielleicht auch Frage der Definition?) diesen Weg nicht gehen wird.

        Nu, ganz wichtig -letztlich für alles mögliche- ist für mich die Absichtshaltung.
        Sich etwas zu erschleichen klingt eigentlich nicht nach guter Absicht. Ein Dieb&Schwindler ist in der Regel nicht darauf aus, mit seinen Taten gutes zu leisten, sondern arbeitet zum Nachteil der anderen in die eigene Tasche.
        Als Sympathisant mit Bud Spencer, der die kleinen Fische“ laufen läßt (die ernähren nämlich ihre riesengroßen Familien mit ihrer „Arbeit“), um den „Hechten und Haien“ auf den Kopf zu schlagen, sehe ich den Dieb, je nachdem, mit etwas milden Augen.

        Gut, ich hatte ja schon vorher mal erwähnt, daß ich insgesamt skeptisch darauf sehe, wenn jemand zum Judentum konvertieren will. Warum? Wozu?
        Wenn man selber Jude ist (zB über den Vater), oder eingeheiratet hat in jüdische Familie, oder ganz einfach schon sehr lange in Israel lebt, oder sonstwie sehr viel Nähe zu Juden hat und sich daher sehr verbunden fühlt, dann erscheint es sinnvoll.
        Immerhin, da stecken wohl Motive drinnen, wie sie auch Ruts Entscheidung wohl mitbegründeten.

        Aber zum Juden konvertieren „einfach so?“, weil’s sexier oder sonstwie für einen „eitlen Vorteil“ ist? Das kann ich persönlich nicht begrüßen. Das macht einfach überhaupt keinen Sinn. Vielleicht ist mir ein Motiv, mehrere, nicht aufgefallen, die es gut begründen würden, so wie etwa den Schritt von Rut. Der ist gut und nachvollziehbar.
        Und was ist daraus geworden? Einen König David hat’s schließlich ergeben!

        Noch eine Frage, denn ich bin da etwas unbeholfen.
        Wie funtioniert das denn mit Viren? Etwa von hagalil aus? Ich hatte da, so wie ich mich erinnere, noch keine Probleme. Trotzdem habe ich massive PC-Probleme bekommen, so daß letztlich das Ding nicht mehr lief. Ich meine, daß es ein Angriff von außen war.
        Übrigens, hagalil selbst ist recht häufig Angriffsziel, da kann dann schonmal alles lahm liegen.
        Viren, in dem Fall, scheinen nur gut zu sein, um anderswo Schaden anzurichten. Das stimmt?
        Du kennst Dich gut aus auf dem Gebiet?

        „el meod na’ala“, Du kanntest das Lied schon?
        Auch ein schöner Text, den kannst Du per Suchmaschine zB finden.
        Orphaned Land (das dritte Video) ist übrigens eine band, die ich gerne höre.

      • Martin Says:

        „Sich irgendetwas „zu erschleichen“, das klingt doch nicht ganz sauber, oder habe ich da einen Verständnisfehler?“

        Also jetzt wo du es sagst, kann ich dir nur zustimmen. Sich erschleichen ist unehrlich.

        Andererseits definiert sich doch jede Gruppe aufgrund von Kriterien. Diese Kriterien sollten es ermöglichen, Angehörige der Gruppe zu erkennen. Nun könnten man doch überprüfen, ob diese „ERkennungsmaschinerie“ tatsächlich funktionniert oder nicht, so ähnlich wie manchmal am Flughafen ein Inspektor versucht, eine Waffe durchzuschmugelen. Wenn es ihm gelingt, hat das Schutzsystem versagt.

        Wenn sich nun jemand auf Internet als Jude ausgeben kann, ohne dass die anderen sein Spiel bemerken, dann hat doch auch in irgend einer Form der kollektive Ein- und Ausschliessmechanismus versagt. Dann muss sich doch der Einzelne oder die Gruppe die Frage stellen, warum sie dieser Täuschung aufgesessen ist und wie man Täuschungen identifizieren kann. Erst kürzlich habe ich Yael auf einen Fall hingewiesen, worauf sie ziemlich empört reagiert hat, bis sie schliesslich eingstand, dass auch sie Zweifel an der Authentizität der Figur hat. Mittlerweile sind ihr aber wieder Zweifel an den Zweifeln gekommen.

        Die Frage „Jude und Regeln“ ist eine sehr interessante.

        Du sagst, dass ein Nichtjude, der sich als Jude ausgibt, an den heiligen Gesetzen vergeht. Genauso vergeht sich doch aber auch ein Jude an den heiligen Gesetzen, wenn er sie nicht nach bestem Wissen und Gewissen einhält. Denn laut diesen heiliegen Gesetzen wurde er ja geschaffen, um sie einzuhalten. Wie kommt es dann, dass so viele Juden stolz darauf sind, die heiligen Gesetze nicht einzuhalten?

        Auch bei der Frage nach der Motivation eines Übertrittes verhält es sich zwischen deiner und meiner Meinung wie Tag und Nacht:

        Wenn ein Mensch übertritt, um einem potentiellen Ehepartner einen GEfallen zu tun, so hat er doch keine reine Absicht.

        Ein Übertritt in reiner Absicht ist genau der, den du verwirfst: er geschieht nur um der heiligen GEsetze willen, nicht um einen gesellschaftlichen Vorteil irgend einer Art zu erzielen. Tatsächlich wird er oft bezahlt mit Verlust der Familie, Andersartigkeit in der früheren und neuen Gemeinde, und grossen Anstrengungen, um sich anzupassen.

        PS: mit Viren kennen ich mich nicht näher aus. Der Virenschutz hat mich einfach wiederholt vor dem Forum Hagalil gewarnt. Es kann sein, dass Hagalil mit Viren angegriffen wurde, die dann die Formsteilnehmer angesteckt haben.

    • Yael Says:

      „Erst kürzlich habe ich Yael auf einen Fall hingewiesen, worauf sie ziemlich empört reagiert hat, bis sie schliesslich eingstand, dass auch sie Zweifel an der Authentizität der Figur hat. Mittlerweile sind ihr aber wieder Zweifel an den Zweifeln gekommen.“

      Nu, das ist nicht ganz richtig. Ich habe es nicht empört zurückgewiesen, sondern gefragt, ob du deinen Verdacht belegen kannst. Ich habe Zweifel, aber solange ich es nicht definitv weiß, bin ich immer vorsichtig.

      • Martin Says:

        Stimmt, das ist völlig richtig, dass man vorsichtig sein soll, bevor man Leute bezichtigt. Da gebe ich dir völlig recht.

        Die Frage, die sich stellt, ist aber: warum bist gerade du, die diese Art von „Schummeleien“ nicht leiden kann, nicht selber darauf gekommen dass da etwas nicht ganz so sein könnte, wie es dargestellt wird?

    • Yael Says:

      Weil ich mich damit gar nicht beschäftigt habe, ich kannte bis dato nur ihre (eine) Seite im Internet.

      • Martin Says:

        Stimmt, auf der Seite muss man schon genau schauen, damit einem was auffällt.

        Das Buch von Willkomiriski habe ich gelesen, kurz bevor der Skandal ausbrach. Eine Szene kam mir darin komisch vor, die im Zusammenhang mit Bettnässen. Aber von mir aus wäre ich auch nicht auf die Idee gekommen, dass das alles erfunden ist. Ich fand das Buch auch gut geschrieben, abgesehen von dieser Szene.

      • A.mOr Says:

        Hallo Martin,
        ich hoffe, meine etwas arg lang gewordene Antwort ist nicht zu sehr in die Breite gewachsen.
        Und Verzeihung, wenn mein „Spontanhumor“ eingangs etwas schlüpfrig daherkommt.

        „Die Frage, die sich stellt, ist aber: warum bist gerade du, die diese Art von „Schummeleien“ nicht leiden kann, nicht selber darauf gekommen dass da etwas nicht ganz so sein könnte, wie es dargestellt wird?“

        Die Frage ist auch, wieviel Mißtrauen man sich auf Dauer leisten kann, ohne einen Gutteil an Lebensfreude dafür einzubüßen. Wir sollten zwar, als Menschen allgemein, immer auf der Hut sein, aber irgendwann schottet man sich doch nur noch von allen anderen ab, wenn die Welt von Feinden nur so strotzt. Dann haben die „Terroristen“ (Angstmacher) doch schon halb gewonnen.

  16. aristobulus Says:

    Martin, äbent!, denn um ein Moslem zu werden, reicht es, die erste Sure zu sprechen, und man sei dann einer, so wird gesagt. In einer Missionsreligion geht das wohl – folglich sind die Dinge im Judentum immer anders.

    Ich denke, dass es Carina auf den Punkt gebracht hat: Wenn sich einer einfach so als Jude ausgibt, als ‚gefühlter‘ meinethalben, negiert und karikiert er damit die Mühen, die deutsche Juden oder Israelis haben, um sich gegen Aggression zu wehren.

    Ferner gehört zum Judesein nun mal die Erinnerung an die Schoah (ob man das nun will oder nicht!, es ist nun mal passiert & es steckt in den Knochen). Einer, der sich bloß selber als Jude deklariert, legt sich damit ein biografisches Detail zu, das er nicht hat. Was dann auf Menschen, in deren Biographie die Schoah steckt, verblüffend bis abstoßend wirkt.

    • Martin Says:

      Hmmm. Würde das bedeuten, dass sich dein Verhältnis zu Carina ändern würde, rein hypothetisch gesprochen, wenn du plötzlich erfahren würdest, dass sie gar nicht jüdisch ist?

      Oder ist ihr Standpunkt gültig, unabhängig davon wer sie selber ist?

    • Martin Says:

      Was ich damit sagen möchte ist:

      Wahrscheinlich geben sich die Leute deshalb als Juden aus, weil sie sich in irgend einer Form einen Vorteil davon versprechen: mehr Respekt, höheres Ansehen, bessere Akzeptanz.

      Daher meine Frage: macht es für dich einen Unterschied, ob Carina oder Yael oder xy nun jüdisch sind oder nicht? Hast du sie lieber, weil sie jüdisch sind? Fühlst du dich ihnen näher weil sie jüdeisch sind? Hast du vor ihnen mehr Respekt, weil sie jüdisch sind?

      Die einfachste Lösung des Problemes wäre nämlich, wenn es keinen Unterschied machen würde.
      Dann hätten die, die sich als jüdisch ausgeben, keinen Vorteil. Und andererseits müsste niemand ihnen Vorwürfe machen.

  17. aristobulus Says:

    … ah so , auf Dein 14:34 folgt mein 13:42, dabei haben wir doch moslemischerseits erst 1389, merkwürdig🙂

  18. A.mOr Says:

    Schalom alle miteinander, ich hoffe, ich werde noch gekannt!
    Das ist ein interessantes Thema hier, hatte es vor zwei Tagen zum ersten Mal angelesen; falls ich im folgenden irgendetwas schreibe, was in der Kommentarspalte schon „geklärt“ erscheint, dann möge man es mir nachsehen.
    Habe möglicherweise nicht alle Kommentare hier im Strang aufmerksam gelesen, aber ich würde gerne zum Kommentar von aristobulus (heute, 13:42Uhr, Spezial-Schalom nochmal!) ergänzen.

    Zum einen gilt es mir, ihm ganz einfach zuzustimmen, so wie er es schreibt.
    Die „Schoah in der Biographie“ mag man ergänzen, alleine beginnend mit Mose, und eigentlich beginnen wir doch mit ihm, hat es ein paar Tage mehr gegeben, als die Jahre 1933-1945, die jüdische Identität ausmachen.
    Trotzdem ist es gerecht, die Schoah hier ins Feld zu führen, denn dieses Ereignis steckt uns eben „in den Knochen“, selbst wir (in meinem Falle ist die Mutter schon nach 1945 geboren) sind noch unmittelbar davon betroffen. Da gibt es jene, und solche, viele auch recht verschiedene Biographien, aber die von uns, die hier in Deutschland leben, ob Jude oder Nichtjude sollte ich dazu sagen (obgleich ich nun das Augenmerk auf die jüdische Seite lenken möchte), haben nuneinmal die Schoah, den Krieg „im Blick“.

    Aber wenn ich schon Mose erwähne, dann erwähne ich doch gleich den Bund, den haschem mit dem jüdischen Volk schloß, und ich erwähne die Gebote, die Torah, denn hier haben wir ein weiteres „Detail“, mit dem ich aristobulus Aussagen untermauere.
    Du sollst Deinem Nächsten kein falsches Zeugnis abgeben, so lauten unsere Gebote.
    Es ist also besonders mies, wenn jemand sich als Jude ausgibt, der keiner ist, und deshalb sich möglicherweise nicht schert um die Gebote, die uns als heilige gelten.
    (Gerade die Judenhasser werfen uns vor, daß wir nicht ganz so ehrliche Menschen seien, schlimmeres als das, trotz unserer Gebote, vielleicht auch gerade deshalb, um den Grad der Verletzung zu steigern…)

    Andererseits neige ich der auch eher gelassenen Einstellung zu, wie sie von Martin (?) hier präsentiert wird. Letztlich muß jeder selbst wissen, womit er glücklich ist.
    Anders formuliert, ich wünschte mir, es wäre möglich, es mit solcher Gelassenheit zu sehen.
    Der Angegriffene jedoch wird sich eher selten seiner Haut erwehren können, wenn er gelassen sagt: „ich kämpfe nicht, habe darauf keine Lust…“ oder „…habe was besseres vor…“
    So mancher Medienfuzzi hierzulande würde sich ziemlich wundern, wenn er plötzlich nicht mehr über „Vergeltungsschläge“ schreiben könnte. Ob diese ihr Herz wiederentdecken würden, wenn die Schlagzeile hieße: „Israel läßt sich abschlachten und wehrt sich nicht!“???)
    Ich denke, in, ua diesem Sinne ist eben auch aristobulus zu verstehen („…um sich gegen Aggressionen zu wehren…“).

    Das eigentliche Problem ist doch, welche Absicht dahinter steckt, wenn ein geborener Nichtjude sich als Jude ausgibt.
    Die mit der guten Absicht werden wohl oft jene sein, die schließlich konvertieren.
    Die mit der schlechten Absicht sind also oft jene, die ihr Judenhaß-Schwert schärfen, indem sie sich gewissermaßen als „Trojanisches Pferd“ einen Vorteil verschaffen.
    Vor einer Weile las ich von einer Frau (habe den Namen vergessen), die sich als Jüdin ausgab, die ansonsten ihre Freizeit dazu nutzte, um Juden in jeder Hinsicht schlechtzureden.
    Sie wurde entlarvt, zum Glück. Wie hieß sie noch?

    Aber noch eines zu aristobulus Kommentar; Du schreibst vom „gefühlten Juden“.
    Ohne Dir widersprechen zu wollen, aber ich meine, daß hier ein weiterer Aspekt dazukommt.
    Warum gibt es Menschen, die zum Judentum konvertieren?
    Gut, da gibt es bestimmt ganz viele Gründe.
    (wer hat eigentlich Edgar Hilsenraths „der Nazi und der Friseur“ gelesen? Ich selber übrigens nicht, bin mir nichteinmal beim Titel sicher, aber es handelt von einem Nazi, der im Vernichtungslager mordete, und der sich nach dem Krieg als Jude und Friseur ausgab, schließlich aber von einem Überlebenden entlarvt wird. Nur so nebenbei;)
    Aber, es würde mich nicht wundern, wenn ein häufiger Grund ist, daß sich der/diejenige als Jude „fühlt“. Mir selbst ist solches Denken nicht ganz fremd, bezogen auf meine „Selbstfindung“ (bin noch dabei), nuja, ich bin eben ein nachdenklicher Charakter…

    In Bezug auf das Thema Konvertierung, der ich eigentlich eher skeptisch gegenüberstehe (trotzdem ganz gelassen), habe ich eine überzeugende Stellungnahme mitbekommen: „Wenn Deine jüdische Seele danach ruft, daß du auch leiblich als Jude existieren ‚mußt‘, dann gehst Du eben diesen Weg, also die Konvertierung.“
    Für einen Nichtjuden eben die einzige Möglichkeit, um ein „offiziell anerkannter“ Jude zu sein.
    Noch ein Aspekt: für einige (in meinen Augen) Juden ebenfalls der einzige Weg zur „offiziellen Anerkennung“, die „Vaterjuden“ eben.
    Ich finde, man sollte es den von patrilinearer Seite jüdischen Menschen, die sich eben auch als Juden begreifen, deutlich einfacher machen, auch offiziell anerkannt zu sein.

    Aber ansonsten, wenn sich jemand als Jude „fühlt“, obwohl er/sie es nicht ist. Na und?
    Muß die Person deshalb konvertieren? Warum? Aber klar, diese Person sollte nicht vorgeben, Jude zu sein, bzw es entsprechend präzisieren. Andererseits, jedem das seine. Wenn es nicht zu unserem Schaden ist, dann ist es vielleicht gut? Ich zaudere hier herum, denn es ist bestimmt immer der einzelne Fall zu betrachten. Und wer will dann eigentlich erlauben und nicht erlauben. Die Rabbiner für Hintz und Kunz?
    Ein Freund von mir sagt auf seine sympathisch vereinnahmende Art: „Alle Menschen sind für mich Juden!“
    Wenn ich ihn interpretieren mag, so sagt er: ein guter Mensch kann nur ein Jude sein😉

    Ich kann nachvollziehen, daß Yael „Etiquettenschwindel“ nicht gutheißt, auch so vor den Kopf gestoßen zu werden ist nicht angenehm. Nun weiß ich aber nicht, wie die Umstände genau sind, wer der angesprochene Blogger ist, usw.
    Carinas Haltung („…übel…“) finde ich etwas hart. Keine Ahnung, warum sich ein Nichtjude mit Kippa zeigen will, aber ich weiß auch nicht genau, warum Lady Gaga sich mal so oder so zeigt.
    Und Madonna, ist sie jetzt Buddhistin oder Jüdin, Italo-Amerikanerin oder einfach Frau?

    Trotzdem, aristobulus bezieht sich wohl auch darauf, stimmt es natürlich, irgendwie, daß zumindest unsere jüdische Geschichte/Religion mit Respekt behandelt werden sollte, eben auch der Schoah-Bezug…
    Dann wiederum, die Schoah wurde uns aufgedrängt, es betrifft uns unmittelbar (also auch die Nachfahren „…in den Knochen…“), ist aber eigentlich nicht „unsere Geschichte“, die wir „gestalteten“.
    Es ist unsere große Traurigkeit. Es ist unser Trauma. Und haschem ist Zeuge.

    Und nochetwas, zum angerissen werden: wer sind wir? Wer sind „die Juden“? Eine Ethnie, eine Religionsgemeinschaft? Kann man die Zugehörigkeit zum jüdischen Volk vergleichen mit der Zugehörigkeit zu einer Nation/einem Staatsvolk, zB dem deutschen?
    Es ist doch ein Unterschied? Ein großer Unterschied, nicht wahr?

    Muß zugeben, mir sind noch viele Gedanken durch den Kopf gegangen, aber ich belasse es ersteinmal hiermit.

    Rika,
    wenn ich mir erlauben darf:
    ich finde das komplett in Ordnung, was Du beschreibst.
    Es spricht für Deine Empfindsamkeit im guten Sinne, wenn Du überhaupt Zweifel zuläßt, aber ich sehe keinen Grund, warum Du den Stern nicht in Deinem Ohr tragen solltest (und bezweifle, daß Du meine Zustimmung benötigst, aber weil Du es schon anreißt;).
    David hat damit bestimmt keine Sorgen…
    Nur weil jemand einen Davidstern irgendwo trägt (am besten als Tätowierung, aber das ist vielleicht etwas „böser“ Humor…) gibt er sich nicht als Jude aus, denke ich.
    Man könnte (wird?) es vermuten, klar, man kann aber auch nachfragen.

    Wünsche Euch allen alles Gute!
    Nach so langer Abwesenheit von meiner Seite mag ich mich noch so hervorgehoben und begrüßend gleich wieder verabschieden (wenn auch diesmal hoffentlich nur bis morgen, übermorgen vielleicht?). A.mOr.

    • Martin Says:

      Hallo amor,

      vielen Dank für deine interessanten Gedanken zur Frage.

      Ob man sich wohlmeinend oder bösmeinend als Jude ausgibt korreliert nicht unbedingt damit, ob das Handeln der Person „gut für die Juden“ oder „schlecht für die Juden“ ist.

      Gerade unter den wohlmeinenden gibt es sehr eifrige, passionierte Personen, die gerade wegen ihres Eifers Leute vor den Kopf stossen und damit einiges kaputt machen können.

      Zum Beispiel stelle ich fest, dass auf Foren und Blogs, wo über Israel diskutiert wird, die pro-Israel-Fraktion relativ schnell mit Schimpfwörtern zur Hand ist. Wenn nun zufällig ein unvoreingenommener Besucher auf so ein Forum kommt, um sich zu informieren, ist die Gefahr relativ gross, dass er mit negativen Eindrücken wieder geht. Das hat dann der Sache mehr geschadet als genützt, wenn man davon ausgeht, dass das Ziel des Ganzen ist, Sympathien für Israel zu fördern.

      Diese eifrigen Sympathisanten machen das nicht absichtlich, um Leute abzuschrecken. Sie können einfach nicht anders, weil sie von dem Thema so gefangen genommen sind, dass sie einerseits ihre Überlegenheit punkto Informationen heraushängen lassen wollen und andererseits keine divergierenden Meinungen dulden können.

      Eine konstruktive Debatte ist dann nicht mehr möglich. Das mag auf den Anti-Israel-Foren genauso sein, (dass Debatten durch Schimpfkanonaden verunmöglichst werden) das habe ich ehrlich gesagt nicht überprüft, weil mich diese Seite nicht so sehr interessiert.

    • Martin Says:

      „Es ist also besonders mies, wenn jemand sich als Jude ausgibt, der keiner ist, und deshalb sich möglicherweise nicht schert um die Gebote, die uns als heilige gelten.“

      Tja, aber gerade da gehen doch die Meinungen unter dem heiligen Volke Israel sehr weit auseinander: es gibt genügend Juden, die sich um die GEbote, die ihnen theoretisch als heilige gelten sollten, keinen Deut scheren, und die auch gerade daraus ihre „jüdische Identität“ beziehen. So nach dem Motto „Ich bin schon jüdisch, ich muss nicht orthodox sein.“

      Gerade übergetretene, die ihre jüdische Identität aus dem Einhalten der Gebote schöpfen, werden von diesen Personen oft kritisiert oder lächerlich gemacht.

      Auch die Shoah als Identifikationsfaktor ist keineswegs so allgemeingültig, wie es aus deinem Kommentar scheinen möchte. Was ist dann mit den Schweizer Juden, denen kein Haar gekrümmt wurde? Sind sie nach Shoah-Religion nicht jüdisch? Oder mit den Russen, aus Regionen, die nicht von den Deutschen besetzt wurden? Oder den Israelis sefardischen Ursprungs, die sich in deutschland ansiedeln?

    • Martin Says:

      …aber abgesehen davon ist das Judentum so kompliziert, die jüdische Welt so klein, dass man eigentlich recht schnell durchschauen kann, wer aus irgendeinem Grund nur erzählt, er sei jüdisch.

  19. A.mOr Says:

    Hallo Martin,
    freut mich, eine neue Bekanntschaft zu machen. Möglicherweise habe ich Deinen nick/Namen schonmal gelesen, weiß nur nicht mehr wo.

    Tja, was Du schreibst, habe ich selbst schon beobachtet. Ganz speziell in einem blog, der hier nicht so gerne genannt wird, ein Codewort ist „drüben“, zB.
    Ich meine eben jene Charaktere, die besonders aggressiv argumentieren, oder sagen wir besser, „draufloshauen“; stimmt, oft geben sie sich als Juden aus, zB wegen jüdisch klingender nicks. Aber ich habe ersteinmal keinen Zweifel: wer sich Jude nennt ist Jude (ein nick alleine läßt natürlich nur Vermutungen zu).
    Die Zweifel kommen erst, wenn das Geäußerte nicht mehr stimmig erscheint.
    Das wiederum ist ein Kunststück, denn welchen Charakter gibt es denn nicht, Jude oder nicht?

    Mag schon sein, daß die Gründe dahinter an sich keine üblen sind. Und ich selbst kann auch gut verstehen, warum man zu der einen oder anderen Sache aus der Haut fahren will.
    Aber ehrlich gesagt, Du deutest das vielleicht auch an, auf so manchen „Israel-Unterstützer“ oder „Judenfreund“, das gebräuchliche Wort ist dann wohl (leider) „Philosemit“, kann man doch verzichten. (öhm, „leider“, weil „philo-“ eben ein schönes Wort ist, wie im „Philosophen“…)
    Aus den Gründen, wie Du sie nennst alleine schon. Gerade da „drüben“ gibt es auch die „Kämpfer“ für die andere („Palästinenser-“, öfters einfach „gegen Juden-“) Seite, die bestimmt auch nicht sehr beliebt sind bei ihren „Schützlingen“.

    Es geht doch schon los damit, daß die „Schützlinge“ (ob’s nun Juden sind oder Araber, oder…) garnicht gerufen haben nach dieser „Hilfe“.
    Auch im Privaten habe ich das schon erlebt, daß das noch so gut Gemeinte einfach sehr unangenehm werden kann. Du willst es nicht, willst aber auch dem „Gutherz“ nicht vor den Kopf stoßen. Ein Dilemma.

    „..das Ziel des Ganzen ist, Sympathien für Israel zu fördern.“
    (Für Juden überhaupt…), und da stimme ich Dir zu. Es ist ein Kampf gegen die Windmühlen, weil die Judenhasser die größeren, einprägsameren Bilder malen, und das noch in wesentlich größerer Stückzahl. Etwa Deutschland, aus meinen ganz privaten Erfahrungen meine ich zu wissen, daß der Antisemitismus nicht so stark in der Bevölkerung verankert ist, wie es einem manchmal scheinen mag, weisgemacht wird. Nein, die Deutschen wollen nicht in der Zeitung lesen, wie böse die Juden mal wieder waren. Aber so argumentieren unter Umständen die Journalisten, usw.
    Tatsächlich aber ziehen sie ihre Leseklientel groß, ohne daß diese Leser Nöte davon haben; sie halten sich für gut und ausreichend informiert.
    Ziemlich perfide, wenn man dann manchmal noch davon hört, daß die Medien in der Hand von „den Juden“ seien…

    An dieser Stelle möchte ich aber auch nicht unterschlagen, daß ich durchaus, auch an sehr unerwarteten Stellen, Bekanntschaft, auch gewalttätige, mit Judenhassern (bzw „Jude nicht verstehende“) machte.
    Insgesamt schätze ich es so ein, daß den meisten Deutschen Nahost schlicht am tochess vorbeigeht.
    Ein Kollege meinte bei einer Gelegenheit: „Sollen die sich doch ihre Köpfe dort einschlagen!“
    Das hat mir so nicht gefallen, aber auch für mich war das angerissene Thema dann mit dieser Person erledigt. Zumindest hatte ich keinen Antisemiten vor mir, so ordne ich es ein.
    Mir geht’s nicht um „hasbara“, wenn der andere es nicht wissen will. Es ist mir zuwider, mich aufzudrängen. Ich kann es nicht gut leiden, wenn es mir geschieht, und weiß von anderen (meist „natürlich“ Frauen), denen das auch nicht gut tut. Ich möchte willkommen sein. Und ich möchte willkommen heißen.
    Nu, bischen Psychologie, vielleicht, wenn wer mag…Für mich ist es (auch, mindestens) Religion. Die missionarischen“muß“ ich tolerieren (schon aus Freundlichkeit), aber sie sind mir nicht angenehm, wenn sie zB „Unterwerfung“ und „Ausschließlichkeit“ verlangen. Das ist nicht Religion. Das ist Machtanspruch und Machtmißbrauch, bzw der Versuch von beidem.

    Und übrigens noch: „Schimpfkanonen die die Debatte verunmöglichen..“, das mögen ja wenigstens manches Mal auch einfach eben jene „Verdeckten“ mit bösen Absichten sein; Ziel ist: „mit Juden kann man sich nicht unterhalten“.

    Torah, Gebote.
    Auch das ist mir schon öfters begegnet, auch wie Du es beschreibst: „Ich bin Jude, aber alles andere (bzw die Religion) ist mir gleich daran.“
    Religiösität halte ich auch bei Juden nicht für eine Selbstverständlichkeit.
    Wir sind frei. Nach Seinem Willen!
    So also habe ich diese Angelegenheit eben von meinem, bzw annähernd vom Standpunkt religiöser Menschen erläutert. Ich denke, das würde sonst sowieso niemanden auffallen.

    Aaaber, oben fragte ich „wer sind wir?“ Also, wir sind ein Volk und eine Religionsgemeinschaft. Auch die nicht religiösen Juden würde es heute nicht geben, wenn haschem nicht den Bund mit Israel geschlossen hätte. Das ist ein religiöser Bund und ein Versprechen. Aber dieses schreibe ich nicht mit dem erhobenen Finger, nur zu bedenken.

    „Das heilige Volk“, sehr lustig! Aber ich allemal!

    Und das Übergetretene („Rückkehrer“, vielleicht nur manchmal?) von anderen belächelt werden, wegen deren „übertriebenen“ Religiösität, auch Unverständnis für die Sache überhaupt, wie ich schon erwähnte: meine Skepsis dahingehend war schon mal größer. Aber mit „belächeln“ habe ich es ganz allgemein nicht so…
    Diese Rechnung jedoch ist ganz einfach; ich denke an die Schule zurück und erinnere mich an die Mitschüler, da gab es eben jene und jene, die einen hauen auf den Putz, andere sind verschüchtert bzw mit anderen Dingen beschäftigt, es gibt alberne, laute, schweigsame, tratschende, usw.
    So sind die Menschen.
    Jetzt stell Dir eine Klassenfahrt vor, die 40 Jahre dauert und durch die Wüste zieht, zu Fuß, durstig, hungrig, ängstlich…! Trotzdem, es funktionierte. Dauerte eben ein paar Tage länger. Und Mose zahlte scheinbar einen hohen Preis.

    „Wenn die jüdische Seele ruft…“, religiös zu sein bedeutet für mich spirituell zu sein. Im Laufe meines Lebens habe ich mich schließlich auch entschieden, aber meine Spiritualität/Religiösität war schon immer da. Ich bin gewissermaßen letztlich „Kind“ geblieben.
    Wenn also in einem „Nichtjuden“ die jüdische Seele ruft, dann ist das möglich, nicht abwegig. Gerade überall wo Juden schon mehrere tausend Jahre außerhalb von erezJisrael leben. Nehmen wir die Sefarden. Was ist mit den Marranen? Scheinbar (?) übergetreten zum katholischen Glauben, trotzdem wurden auch sie als Juden verfolgt. In ganz Europa allein, aber auch in muslimischen Ländern waren Juden gezwungen, ihr Judentum abzulegen um das nackte Leben zu retten. Hätten sie den Tod wählen sollen? Sind ihre Kinder nichts, weil sie nicht leben würden, wenn ihre Eltern nicht „konvertiert“ wären?
    Ist es nicht vorstellbar, daß auch in diesem Deutschland noch viele „verborgene“ oder „unentdeckte“ oder einfach gleichgültige Juden leben, die ihre Jüdischkeit nicht kennen?
    Und bei manchen „ruft die Seele“…

    Nu, und Yael erinnerte mich einst an den ARI. Reinkarnation/Gilgul. Also?

    Mit der Schoah nahm ich Bezug auf den Einwurf von aristobulus, der sich mir dadurch auch noch einmal erschloß. Der Bezug ist da, klar, aber es braucht einen aristobulus, der es nocheinmal benennt, damit wir es auf uns (hier) anwenden, und nicht jeder damit in seinem stillen Kämmerlein verstecken geht.
    Ich finde es vernünftig. Trotzdem hast Du recht. Jude ist Jude, mit oder ohne Schoah. Diese aber betraf alle Juden in Europa, sefardisch genauso, und auch die Juden in Rußland, denke mal an Riga (gut, Estland), zB!
    Außerdem habe ich doch auf Mose hingewiesen; das ist ein Schwanz!

    Zu meinen besten Freunden zählt ein Kaukasier, man nennt sie hier „Bergjuden“, aus einer absolut religiösen Familie, mit Rabbinern im Stammbaum und Verwandtschaft, hat aber eben „nichts“ mit Sefarden oder Aschkenasen zu tun. Die, nenne ich sie „iranische Juden“, haben eigentlich Wurzeln bis in die Zeit der ersten Tempelzerstörung. Sollen die nun keine Juden sein?
    Nein, so denke ich und fühle ich nicht.
    Oder Ofra Hasa. Keine Jüdin? Troll Dich!

    Und selbst wenn. Was habe ich denn an der Sache zu meckern?
    Haschem echad weiß.
    Mir genügt das. Ich vertraue. Mein Leben.

    Verzeihung, wenn ich etwas vereinfacht Fragen&Antworten spiele. Ich bin schon etwas müde, wollte aber schon gerne noch antworten. Bitte, interessiere Dich weiter.

    • Martin Says:

      Was ist dieser mysteriöse Blog, dessen Namen nicht gerne genannt wird, und der z.B. mit dem Codewort „drüben“ belegt wird?

      Ich sehe, dass mir sogar die elemenarsten Informationen fehlen…

    • A.mOr Says:

      Sagt Dir AK-47 was?
      (Ansonsten, Yael, was sagst Du?)

      • Martin Says:

        Nein, gar nicht, aber ich werde es googeln…

      • Martin Says:

        Also, jetzt habe ich es gegoogelt, und dort steht, dass es eine Abkürzung für „Kalashnikow“, ein Sturmgewehr ist.

      • A.mOr Says:

        Sorry, Martin, bin etwas spät und muß schlafen.
        Warum sagt Yael denn nichts?
        Ein weiteres „Häppchen“, die Kalashnikov wurde, soweit ich weiß, auch „die Galiläische“ genannt. Laila tov&sweetdreamstoallofye.

      • Yael Says:

        Was soll ich denn sagen? Ich wusste nicht, was du meintest.
        Ich denke du meinst Hagalil, aber um die geht es nicht.

      • Martin Says:

        Ah, hagalil. Das ist eine eigenartige Website. Dort finden sich wirklich alle möglichen komische Charaktere zu allen möglichen komischen Diskussionen. Viele fundamentalistische Christen, die um irgendwelche Bibel-Auslegungen streiten. Die Israel-Foren habe ich mir nicht näher angeschaut. Der Grundton schien dort auf beiden Seiten sehr aggressiv.

        Eine zeitlang hat man sich auf dieser Website ständig Viren eingefangen, deshalb habe ich sie mit allergrösster Vorsicht genossen, bzw. die Besuche ganz eingestellt.

  20. Yael Says:

    Hallo zusammen,
    da es meiner Katze mal wieder nicht gut geht und ich selber nicht ganz auf dem Damm bin, werde ich zum WE wenig bis gar nicht im Internet sein. Ich habe daher die Möglichkeit für Kommentare freigegeben. Aber schlagt euch nicht die Köppe ein.;)
    Gut Schabbes!

  21. A.mOr Says:

    „…ist das Judentum so kompliziert, die jüdische Welt so klein, dass man eigentlich recht schnell durchschauen kann, wer aus irgendeinem Grund nur erzählt, er sei jüdisch.“

    Hallo Martin, das hatte ich gestern noch nicht gelesen. Stimme Dir auch soweit zu, nur, das mit dem „Durchschauen“ wage ich zu bezweifeln…öfters mag es so sein, aber es gibt eben so unterschiedliche Charaktere, so unterschiedliche Motive, so unterschiedliche Perspektiven in die Welt hinaus. Auf jeden Fall, glaube, Yael war’s, muß man kein Jude sein um sich erstens für die Thematik zu interessieren (wie wäre es dann mit „Buddhisten“, oder Judoka, oder dem Schachspiel, oder Tangotänzern, Pizzaessern, etc?) und zweitens einen wohlwollenden Blick gen Israel oder Judentum insgesamt zu haben.
    Letztlich liegt der Verdacht näher, daß vorgetäuschtes Judentum dazu dient den Juden zu schaden. Trotzdem, und na klar, andersherum geht es auch.

    aristobulus, ich hoffe, Deinem Sohn geht es gut?

    Tja, und Yael, da Du es erwähnst, Glück und Segen an Mara und Dich. Gesundheit auch.

    Wünsche vorläufig, es sei, heute sollte nochwas von mir kommen, einen gitn😉 Schabbes ale.hem.

    • A.mOr Says:

      Wo ist eigentlich Silke abgeblieben?
      Silke, geht es Dir gut?

      Und Robert Schlickewitz, lang nichts mehr von Dir gelesen…
      (ich war allerdings eine Weile offline.)

      Alles Gute auch Euch beiden.

    • A.mOr Says:

      „…es sei, heute sollte nochwas von mir kommen…“
      Öhm, trotzdem, so oder so, wünsche ich gut Schabbes.

  22. A.mOr Says:

    Schalom Martin,

    [Vorwort: dies ist leider etwas länger geworden (Vorwort=Nachwort), daher setze ich’s nach unten, so daß die Länge ein bischen mehr Flucht in die Breite findet…nimm’s als „verbale Erektion“ meinetwegen, aber Vorsicht, heeeissss!😉 ]

    ich muß sagen, Du tust mir ein klein wenig unrecht, falls ich mich nicht selbst zu umständlichverständlich ausgedrückt haben mag. Im zweiteren Fall nehme ich das Schild dessen, der unrecht tut.
    Ansonsten schlage ich’s Dir um die Ohren:

    „Auch bei der Frage nach der Motivation eines Übertrittes verhält es sich zwischen deiner und meiner Meinung wie Tag und Nacht:
    Wenn ein Mensch übertritt, um einem potentiellen Ehepartner einen GEfallen zu tun, so hat er doch keine reine Absicht.
    Ein Übertritt in reiner Absicht ist genau der, den du verwirfst: er geschieht nur um der heiligen GEsetze willen,…“

    Also erstens, Tag und Nacht habe ich schon für mich genommen. Dir gebe ich die Dämmerung😉

    Wie habe ich ausgedrückt, daß ich vermeintlich einen „Übertritt in reiner Absicht“ verwerfe?
    Das war nicht mein Sinnen, absolutamente no! Lo!
    Aber ich mag einen sehr wichtigen, wahrscheinlich den wichtigsten Grund für die Konvertierung vergessen haben zu erwähnen: die Religion!
    Das meinst Du mit „Gesetzen“, übrigens?
    Keine Ahnung, ist mir irgendwie entfleucht, dieser doch nicht so entfernt nächstliegende Grund!
    Und ich bin nicht der Meinung, daß man zu einer Religion übertreten soll, um einem potentiellen Ehepartner einen Gefallen zu tun. Nee.

    Das scheint so zu sein, daß das bei verschiedenen Glaubensrichtungen so ist, bei etlichen Juden wohl auch, daß sie nicht „interreligiös“ verheiraten wollen. Klar, zB Chanukka ist ja nicht nur das Fest, wo es darum geht Fremdherrscher abzuwerfen und über die lange Dauer von Feuerlicht zu staunen, sondern auch der Wille, die Jüdischkeit, besser die „jüdische Identität/Eigenständigkeit“ nicht im Hellenismus verloren gehen zu sehen.
    Das kann man natürlich auch beziehen zum Thema Ehe, zB.
    Wenn zuviele Juden in Nichtjüdischkeit einheiraten, dann mag es eben bald Schluß sein mit der Identität des Volkes Israel.
    Sonst könnten wir doch gleich alle „Palästinenser“ heiraten, dann ist auch Schluß mit Dhimmis!

    Andererseits gibt es genug Juden mit „gemischten“ Stammbaum.
    Und ohne mich disqualifizieren zu wollen, gerade ich bin das Wunder und Paradebeispiel eines ‚Mischlings‘; nu gut, manch anderer mag noch viel wunderbarer und vermischter sein, na und! Man kann nicht alles haben.
    Und jetzt, wo ich so darüber nachdenke, wollte ich das vorher schonmal erwähnt haben an anderer Stelle, da hattest Du was angesprochen.
    Deshalb finde ich auch diesen Strang hier so interessant, ist unsere Yael nicht eine tolle, daß sie uns so ’nen Brocken hinwirft!

    Im Gespräch mit einem anderen, der schon eine Weile ausgeflogen ist (und mich traurig zurückläßt…), ging es um die ‚deutsche Identität‘.
    Dabei hatten wir beide, „Mischlinge“ (sind sowieso die besten!), eine interessante Erkenntnis, denn wir „kannten“ uns gewissermaßen schon über die Großeltern: wir sind Partisaner!

    Und das ist für mich im Hier&Jetzt eine zwar „künstlerische“ Identität, aber auch eine annehmbare, die zu mir paßt, der ich Sympathie und Respekt gegenüber empfinde, wo auch so ein Anflug von Stolz und, irgendwie auch Sehnsucht mitschwingt.

    Das ist nicht das Lernen schwieriger Texte im Stübchen, wo einem der Lehrer beizeiten auf die Finger klopft oder sich sogar in Wutanfällen ergeht. Ne, denn das Stübchen ist abgebrannt, und wer nicht rechtzeitig rauskam…
    Das ist der Schlaf unter dem Laubdach, durch welches der weite Himmel und die Sterne blinzeln, das ist Wandern des Schlomo Müller, Schleichen, Robben, Spähen, kämpfen für die gute Sache, und Notdurft im Gebüsch, in ein Loch in die Erde, sorgfältig verwischt, die Spuren sind der Tod, denn die Feinde der Menschen wollen uns nicht das Leben lassen! Wir verteidigen unsere Brüder und Schwestern mit unserem ganzen Herzen und unserer ganzen Kraft!
    Weil wir unser nacktes Leben verteidigen, und wurden nicht gefragt!

    Nimm es als meine „Spinnerei“, aber eben keine, die ich mir mal gerade aus der Wolle zog.
    Da stecken die Gene dahinter, da steckt eine Geschichte dahinter, eine von so vielen und so wenigen.
    Vor allem ist es eine unerzählte, ein stummer Schrei in der Seele.
    Dem fühle ich mich verbunden.
    Und dem Schreien der vielen auf engem Raum, verzweifelt, gefangen im Grauen, dem Tode unentrinnbar ausgeliefert. Unerklärbar, unbegreiflich, unverstehbar, unfaßbar…

    Ja, wir sterben alle. Aber wie, und wie haben wir gelebt?
    Diese Fragen, Freund, sind Luxus. Manchmal entscheiden Deine Feinde, die du dir nicht zu Feinden machtest, die aber Dich dazu erklärten, wie du lebst und wie du stirbst.
    Wo bist Du?! Wo bist DU!

    Und, trotzdem, die weitere Seite, und das ist auch meine ganz persönliche Seite, meine Entscheidung und Einkehr, mein Zweifeln und Verzweifeln, ist die Religion, eine Angelegenheit, die mir schweren inneren Kampf bedeutet, Abkehr, Rückkehr, Leid…, ach, was weiß ich schon?
    Und ich stehe jetzt auch nicht in der Gegend rum mit leuchtendem Auge und rufe: „ergebt euch, die Welt geht unter und der Moschiach singt Liedchen mit euch!“
    (Gut, kann sein, daß ich besoffen schon mal etwas über die Stränge schlug… aber nur zu Purim, natürlich, ehrlich, na klar…)

    Ganz klar, ich denke es ist das Entscheidende, daß man mit „reiner, sauberer Absicht“ übertritt, wenn schon, und -wie konnte ich es garnicht miteinbeziehen!?- dafür kann es ja nur eine religiöse Absicht haben (…wenn man eben nicht schon Jude ist, eben nur nicht „anerkannt“. Das eine schließt das andere sicher nicht aus.)

    Nehmen wir die Christen, da sind doch viele unzufrieden mit der Kirche.
    Und wenn bei den Muselmanen die Paschas ihren Kindern nicht so sehr auf die Finger guckten, daß es schmerzt (besser als tot?), dann würden von der Seite möglicherweise auch welche zum Judentum konvertieren wollen, zumal da ja auch nicht wenige mit originär jüdischen Wurzel dahinfristen, nicht wahr?

    Und es ist doch wohl einfach Spiritualität, die Leute suchen nach ihren Seelen, wie Durstige nach Wasser. Mancher meint, das jüdische schmeckt besser, so ist es wohl…

    Nochmal zurück zum Anfang; ich hatte mich doch speziell auf Rut bezogen, vielleicht so ein wenig rechts links gucken vergessen und rumps.-
    Für Rut war’s doch einfach eine familiäre Angelegenheit, und weil die famiglia eigentlich gleich ein ganzes Volk war, gut, so kommt’s zu sowas!
    Schwierige mischpoche eben, oder mischpoke, ich les‘ immer misch-..misch-nah?

    Nochwas.
    Eine Gruppe definiert sich durch bestimmte Kriterien. Das ist wohl so, wenn Du das sagst?
    Dann schreibst Du:

    „Nun könnten man doch überprüfen, ob diese „ERkennungsmaschinerie“ tatsächlich funktionniert oder nicht,…“ und „…wie manchmal am Flughafen ein Inspektor versucht, eine Waffe durchzuschmugelen. Wenn es ihm gelingt, hat das Schutzsystem versagt.“

    Mag ja alles sein, aber andererseits -wie soll ich sagen, ist es traurig, ist es unangebracht?- ist doch die jüdische Gemeinde von ‚Egalwoauferden‘ nicht irgend ein Geheimbund, mit scharf bewachter Tür (das Gegenteil soll doch -eigentlich…- die Regel sein) und irgendwelchen finsteren Machenschaften, die zwischen Tür und Holzbänken unter dem Schatten einer Kippa ausgehandelt werden, a la wir stürzen jetzt mal die Rapunzel vom Turm herunter.

    Es ist Realität, das meine ich dann mit „traurig“, daß es ‚Judenmörder‘ gibt, bzw Leute, die Juden nur deshalb ermorden wollen, weil sie Juden sind. Dafür kann der Hitler ja nichts, der wäscht doch mir Ari-El.
    Da macht man sich auch im weiten, weiten Galutistan so seine Gedanken, ob man nicht mal ein wenig genauer hinsieht, wer da zu schul-Türe hereinwill, oder sich in der Nähe die Beine in den Bauch baldowert. Zumal im fernen Lande Gewaltistan offen dazu aufgerufen wird, “jüdische Kinder, wo in der Welt ihr sie auch trefft“, zu ermorden.
    Und das, weil sich irgendein Möchtegern-Palästinenser seine Hämorrhoiden nicht von einem jüdischen Arzt behandeln lassen will, aber andererseits böse darauf ist, daß dieser Arzt von sich aus auch nicht so „spitz“ darauf ist. Nuja, das mutmaße ich nur. Verknarrte Welt eben.

    Tja, was will ich denn damit sagen? Muß man denn die jüdische Gemeinde, Gemeinschaft, .. auf ihre Sicherheitsvorkehrungen hin überprüfen? Sagen wir, Du wärest jener, der es mal ausprobiert (und bist selbstverständlich Jude, denn in dem Falle, wie ich’s jetzt biege, soll das nicht anders sein), dann ist es wahrscheinlich vollkommen legitim, dann tust Du uns eigentlich einen Gefallen, wenn Du bei der Sache eben schwarze Schafe aufdeckst.

    (Ich wurde übrigens auch schon mal als Wolf im Schafspelz von jemandes bezeichnet, und Brandstifter dazu, und dann noch mit Ehud Barak auf eine Stufe gestellt, von einer Frau, die alles üble bei den Juden sieht. Aber ich hab’s nicht richtig verstanden, ist Ehud eigentlich ein Böser?
    Nebbich und nur nebenbei…in meiner Poetrie war ich mal ein „Wolf mit anderer Farbe“, vielleicht rosa? Nee, ich glaube strahlemännchenweiß mit himmelblauen und güld’nen Einfärbungen wo’s hingehört!)

    Ja gut, Martin, so in etwa geht ‚Flughafenkontrolle‘ wohl durch, denke ich. Wahrscheinlich meinst Du es auch so? Wie traurig, es gibt auch Vöglein mit gebrochenen Flügeln…

    Ach, dazu noch eines. Mir ist durchaus aufgefallen, daß es „an der Tür zu schul“ gewisse Widersprüchlichkeiten gibt. Grundsätzlich, meine ich zu wissen, ist jeder (auch Nichtjude) eingeladen, der zum Gottesdienst will. Bei bestimmten Festen -zB Pessach- ist es wieder anders, aber auch insgesamt gibt es eben schon eine gewisse Skepsis gegenüber ‚Fremden‘.
    (Ich war schon öfters Fremder, übrigens.)
    Das ist dann eben einerseits aus der Sorge heraus, wie ich sie oben begründete, aber andererseits ist es wohl auch einfach diese Gruppendynamik, wie Du es ja ansprichst, wo grundsätzlich ersteinmal alle Fremden skeptisch betrachtet werden.

    [Im Grunde ist es im „multikulti“ Deutschland auch so, daß etliche Deutsche die Ausländer als Fremde betrachten, aber, jene dürfen keine Fremden oder Ausländer der Bezeichnung nach sein, denn es ist politisch nicht korrekt. Trotzdem ist es so, irgendwie, und so wird ein Konflikt geschaffen, der vollkommen unnötig ist. Andererseits jedoch, so oder so, unausweichlich.
    Wenn der Deutsche den Ausländer nicht als Ausländer bezeichnen darf, weil er dann schnell zum Rassisten und/oder Nazi abgestempelt wird, dann hat dieser aber auch keine Möglichkeit mehr, mit der Sache vernünftig umzugehen. Diese Vernunft ist nämlich -skurrilerweise- nicht politisch korrekt.
    Für den Ausländer wiederum ist das auch ein Problem, denn er trifft auf Einheimische, die ihn zwar schräg ansehen (Mimik kann man nicht einfach politisch korrigieren, dumm gelaufen, wo das verbale selbst nur so wenig Raum in unserer Kommunikation einnimmt), ihm aber nicht erklären, worum es geht, denn das wäre politisch nicht korrekt, und wer will sich schon als Nazi/Rassist abstempeln lassen? Die Nazis, das waren nämlich die anderen…
    So werden also die aufrichtigen Gespräche verhindert, und die Politiker reden sich umsomehr an den Köppen vorbei. Hauptsache laut. Hauptsache schön. Hauptsache Rolls Royce…Ganz viel „Sein&Schein“, ganz viel Vorurteile, nixVerstehen, Kellerleichen…
    zum Thema zurück: Hauptsache Jude. Da haste ja recht.]

    Du schreibst:
    „Erst kürzlich habe ich Yael auf einen Fall hingewiesen,…“ ja, ich habe es irgendwie immer andeutungsweise in den Kommentaren gelesen, aber, stimmt es denn so? Weißt Du näheres?

    (Sooorrrry, mein Text ist schon so lang. Biste noch wach?)

    Aber da finde ich doch noch sowas, wo ich gerne Dir den „Levi-ten“ lese.
    (Sind eigentlich „A-levi-ten“ auch Juden, und Ali ist nur die Abkürzung von „a Levi“?
    Hat eigentlich Ali die ‚jeans‘ erfunden, oder waren das auch die Schweizer? Und als die Russen die Deutschen 1945 überall fragten „uri, Uri..“, haben sie schweizer Uhren gesucht, wie die Deutschen es anscheinend verstanden, oder suchten sie die letzten Juden im Untergrund, um pflichbewußt wie sie sind, ihren Auftrag „Hitler kaputt“ zu erledigen?)

    „ Du sagst, dass ein Nichtjude, der sich als Jude ausgibt, an den heiligen Gesetzen vergeht. Genauso vergeht sich doch aber auch ein Jude an den heiligen Gesetzen, wenn er sie nicht nach bestem Wissen und Gewissen einhält. Denn laut diesen heiliegen Gesetzen wurde er ja geschaffen, um sie einzuhalten. Wie kommt es dann, dass so viele Juden stolz darauf sind, die heiligen Gesetze nicht einzuhalten?“

    Klar, aber eigentlich, da stimme ich Dir zu, und sehr richtig von Dir das zu erwähnen, natürlich schadet der Jude, der die Gebote wahrscheinlich ziemlich gut kennt, den Juden (der Jüdischkeit, der jüdischen Seele, weißt Du?) umsomehr, wenn er die Gebote übertritt, als ein Nichtjude das überhaupt kann, zumal er möglicherweise nichteinmal die Gebote kennt.
    Wenn ein Jude ein Verbrechen begeht, dann ist das prinzipiell schlecht für alle Juden, letztlich schlimmer, als wenn ein Nichtjude ein sogar schlimmeres Verbrechen an Juden begeht.

    Widersinnig? Der verbrecherische Jude (im Fall, den es leider schon gegeben haben soll) schadet den Juden nicht nur am Körper und der Psyche, wie das eben ein Nichtjude auch vermag, sondern auch -bzw sogar „speziell“- an der Seele, weil diese kein individuelles kleines und tanzendes Geistlein ist, sondern ihren Ursprung in haschem hat, so daß also alle Juden über die Seele miteinander verbunden sind. Nu, das ist Religion.
    Der Bund, damals, als die Juden 40 Jahre durch den Sand latschten, ist einerseits ein Versprechen, die Torah/Gebote/Gesetze zu halten, ist aber gleichzeitig ein physisches (heute meinen wir wohl ethnisches) wie auch seelisches binden zum Judesein mit haschem.

    Heute gibt es viele jüdische Atheisten, aber wenn es die religiösen Juden, die Gebote, Torah, die Bewahrer und Mahner, den Schabbes und die Zizzen, ja, den Bund und das Versprechen (kurz: die Religion) nicht gäbe, dann gäbe es heute schätzungsweise überhaupt keine Juden mehr, weder atheistische, noch popelnde.

    Von meiner Seite kann es nicht genug Wertschätzung gegenüber den religiösen, orthodoxen Juden geben (wäre ich selbst orthodox voll korrekt, dann würde ich mir dieses Eigenlob bestimmt verkniffen haben…;), denn sie repräsentieren im Grunde die jüdische Seele, die für all die anderen Popler (zB eben mich, dem partisan, oder Dich dem Flughafeninspizierer?) ebenfalls den Zugang zu haschem in ihrem Ursprung und Lichte ermöglicht. Denn Hitlerern war’s egal, uns aber nicht.
    Und das, die Damen, die Herren, ist auch gut so.

    Sorry, ich habe noch immer nicht fertich.

    Daß die Juden geschaffen wurden um die Gesetze zu halten, finde ich eine seltsame Formulierung. Steht das so im Koran? Ansonsten, frag haschem, warum er die Menschen geschaffen hat. Jedoch, die Gebote/Gesetze, die mit dem Bund kommen, die sind gekommen, da gab es den Menschen schon, zB Awraham hatte da auch längst schon alle möglichen Gebiete abgelatscht, vom heutigen Irak, bis zum mizrajim, nach Ninive, und da war einmal ein Kanaan, und weiß der Himmel wo!
    Und so ein Jakow hat da auch noch rumgerungen, etc.
    Gut, andererseits, vielleicht mag man es mit etwas Biegsamkeit so formulieren, das ‚Volk Israel‘ ensteht eben dann erst -ist ja auch so, irgendwie- als es Ägypten verließ.
    „Sehet, einst ward ihr Sklaven, dann ward ihr durstig und nörgelnd.“

    Sorry, der Absatz von dir hat’s in sich, nochwas:

    Juden, die stolz darauf sind, die Gebote nicht zu halten.
    Du bist sicher, daß Du nicht rebellierende Jugendliche meinst? Gibt es denn irgendwelche strengen „Sittenwächter“ (mal abgesehen vom gestrengen Lehrer vielleicht), die bei Übertretung den Säbel ziehen? In dem Fall wäre eine Rebellion schon etwas, worauf man stolz ist: der Stolz eben, einer Tyrannei zu widerstehen.
    Ansonsten gibt es wohl einige Juden, denen die Gesetze, Religion und Kerzenlicht am Schabbes gleich sind, bedeutungslos im weitesten Sinne.

    Aber, ist es nicht so, daß der Mensch, der Jude, den freien Willen hat?
    Waren Hawa und Adam nicht frei zu tun, zu übertreten, haben sie nicht Übertreten, damit Freiheit gewählt? Damit das Schicksal der Menschen gelenkt, gewissermaßen?
    Wie gesagt, in meiner Auffassung sind die Gebote, die zehn, der Kern der Sache bei den Gesetzen als „Empfehlung“ zu sehen, nicht als Befehl. Ein Übertritt hat trotzdem entsprechende Konsequenzen, mindestens gegenüber unserem Vater, König, gesegnet sei Er, daß Er uns segnet!
    Daß Er uns aus dem Schlaf entläßt und wieder einläßt.
    Daß Er uns die Nacht,
    das Licht des Morgens gewährt.

    Wer nicht religiös ist, den mag es nicht scheren, aber im Innern, wenn er in sich geht und in die Weite seiner Selbst forscht, da mag er dann doch den Ruf hören und sich fragen, was es bedeutet, und seine Zweifel verlieren, oder seinen Gleichmut, der ihm sonst die Bewältigung eines Alltags ermöglicht, welcher ein religiöses Leben so sehr erschwert.
    Wer weiß, ob nicht so mancher solchen Ruf vernimmt, um dann zu konvertieren?
    Denn, ist es nicht so: adoschem eloheinu, adoschem echad!

    (So, geschafft. Verzeihung, das ist lang geraten. Hoffentlich sind meine Worte nicht ermüdend und anstrengend, allein der Masse wegen vielleicht. Das kürzer fassen, und trotzdem den Sinn einer Sache erfassen, das möchte ich noch üben und verbessern – versprechen kann ich es leider nicht.
    Hoffe, Du hattest einen guten Flug!

    „Viren“, danke, daß Du antwortest, auch wenn Du mir nicht viel dazu sagen kannst.)

    Schalom, schalom ale.hem.

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