Osama bin Laden´s Tod

Osama bin Laden ist tot.
Ich juble nicht, wenn ein Mensch stirbt, aber ein Massenmörder weniger, ist immer auch eine gute Meldung.
Dass der Hamasführer Ismail Hanije seinen Tod bedauert, sollte nicht verwundern, außer bei Menschen, die immer noch denken, die Hamas wäre nur ein harmloser Männergesangsverein.
Dass der Spiegel wieder einmal mit dem antisemitischen Klischee „Auge um Auge“ herum hantiert, ist leider nichts neues. Castollux hat dazu die passenden Worte gefunden und nicht nur zum bekannten antisemitischen Klischee, das aus vielen deutschen Köpfen wohl niemals verschwindet, trotz jahrelanger Aufklärung.

11 Antworten to “Osama bin Laden´s Tod”

  1. Andreas Moser Says:

    Ursache für die Tötungshandlung war der Widerstand von Herrn Bin Laden gegen die versuchte Festnahme. Die USA hätten ihn sicher lieber lebendig gehabt.

  2. boxi Says:

    @yael… können sie mir erklären, warum das „auge um auge“ ein antisemitisches klischee ist? ich hab zwar den von dir verlinkten artikel gelesen, konnte es aber dort auch nicht finden.
    ich selbst hab noch im religionsunterricht und christenlehre so beigebracht bekommen, dass es das ist, was das christentum mit der bergprädikt „verändert“ hat.

    ehrlich gesagt macht mich der tag heute ein wenig ratlos. ich finde es seltsam derartige über einen toten menschen zu jubeln. selbst wenn man sich vielleicht innerlich freut, dass er nicht mehr frei rumläuft.

    • yael1 Says:

      Ich meine nicht, dass Auge um Auge ein antisemitisches Klischee ist, sondern wie es benutzt wird, nämlich, wenn man es als Rache interpretiert, was es nicht ist, das Gegenteil ist der Fall. Ich weiß nicht, was das Christentum es verändert haben soll, denn es stand nie für Rache oder ähnliches:

      http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2002/03/02/a0287

      Eines der hartnäckigsten antijüdischen Vorurteile drückt sich in den Worten „Auge um Auge“ aus. Mit dieser angeblich aus der Thora stammenden Formel wird Juden bis heute vorgeworfen, Rache sei das Prinzip ihres Verständnisses von Gerechtigkeit, ihr Gott sei – im Unterschied zum „christlichen“ Gott – ein grausamer und rachsüchtiger Gott und Frieden mit dem Volk und Staat Israel deshalb niemals möglich.

      Es ist leider beim Spiegel (und leider auch bei vielen anderen) keine Ausnahme:

      http://www.uni-heidelberg.de/presse/ruca/ruca03-3/auge.html

      • Dante Says:

        Man sollte nicht unerwähnt lassen, dass dieser Vorwurf ausgerechnet von Anhängern einer Religion kam, deren jahrhundertelange Herrschaft in Gestalt des „christlichen Abendlandes“ selbst ein ausgesprochen rachsüchtiges und geradezu bestialisches Strafrecht besaß, im Vergleich zu dem das Prinzip „Auge um Auge“ erstaunlich zivilisiert und fortschrittlich gewirkt hätte.

      • boxi Says:

        ah ok.
        zitate werden ja oft falsch verstanden,oft mit absicht,was wohl auch mein hautproblem mit religion und entaprechenden schriften ist. wie war etwas gemeint,damals als es geschrieben wurde? und vorallem waren sich die schreiber dieser worte und interpretation auch so bewußt?

        ich für mich würde aus dem auge um auge-zitat kein allgemeines rechtsverständniss ableiten,erst recht nicht wenn es eine religion in eine gewisse weise „diffamiert“. nur sind wir bei anderen religionen aich so nachsichtig? wie oft wurde der koran zitiert,obwohl dies alles andere als wissenschaftliche noch lehr-meinung entspricht.

        zitate werden immer interpretiert und selbst mir wurde nur die „allgemein übliche“-interpretation des zitates gelehrt. an einer kathol. schule und ev. christen lehre. einem journalisten, der ein zitat so nutzt, wie es selbst gelehrte theologen nutzen, einen vorwurf zu machen finde ich schwierig, erst recht dahinter etwas antisemitisches vermuten.
        aber vielleicht zeigt es auch nur,wie der antisemitius noch im „unterbewusstsein“ steckt. ähnlich argumentiert ja auch (zurecht) der feminismus, wo schon allein in unserer sprache frauen benachteiligt werden.

    • Aristobulus Says:

      Boxi wieder ratlos?, erstaunlich. Schon in paar anderen Blogs steht’s in Wiederholung.
      Scheints ein Bedürfnis, es zu sein?

      • yael1 Says:

        Boxi, ich habe dir einen Artikel des Rabbiners verlinkt. Das Zitat wurde im Judentum immer so verstanden (im Talmud etc, was auch im Artikel erwähnt wird).

        Unsere mündliche Thora (der Talmud) erklärt und diskutiert ausführlich (Bawa Kama, Kap. 8), dass diese finanzielle Entschädigung auf fünf Gebieten zu leisten ist
        Seit der Offenbarung am Berg Sinai bis heute ist jedem rabbinischen Gericht klar, was „ajin tachat ajin“ bedeutet…

        Wenn du dir vor Augen führst, wie oft Journalisten das Zitat missbrauchen, kannst du dahinter nicht vermuten, es würde nicht mit böser Absicht benutzt. Es ist nicht nur der Spiegel, man müsste Jahre verbringen, um aufzuzeigen wie oft das missbraucht wird und immer in einer eindeutigen Weise.

        Wie Nahost-Kommentatoren mit einem biblischen Zitat umgehen

        Von Richard Chaim Schneider
        Süddeutsche Zeitung, 13.4.02

        Wenn Journalisten und Politikern zum Thema Nahost nichts mehr einfällt, dann werden sie gerne biblisch und zitieren aus einer Passage des Buches Exodus, Kapitel 21, Vers 23/24: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Eine ideale Beschreibung der Situation in Israel, meinen sie, weshalb diese Formel gerne für Artikelüberschriften oder ganze Titelseiten verwendet wird. Denn sie ist knapp und angeblich treffend: Die Israelis seien nämlich ebenso rachsüchtig wie ihr alttestamentarischer Gott, meinen jene Bibelkenner. Das jüdische Prinzip „Rache“ stünde also der christlichen „Nächstenliebe“ diametral gegenüber – im Grunde gäbe es darüber hinaus nichts dazu zu sagen. Auf diese Weise werden 2000 Jahre christlicher Antijudaismus in einem Zitat aufgefangen, und niemand fragt danach, ob dessen populäre Interpretation überhaupt richtig ist.

        http://www.nahost-politik.de/israel/bibel.htm

        Nicht nur ich haben unzählige Zeitungen immer wieder darauf hingewiesen, aber es ändert sich nichts. Auch beim Spiegel wird man es immer wieder lesen.

        Und das neueste Beispiel liefert wieder einmal die SD von heute:

        Merkel, Westerwelle, Seehofer – deutsche Regierungspolitiker bejubeln die womöglich gezielte Tötung Osama bin Ladens. Völkerrechtler fühlen sich an das Alte Testament erinnert: Statt Rechtsstaatlichkeit regiere das Prinzip Auge um Auge, Zahn um Zahn.

        Post haben sie von mir bekommen, aber ich gehe jede Wette ein, dass es bald genauso wieder auftaucht.
        Die wissen genau was sie tun.

  3. Robert Schlickewitz Says:

    auge um auge, zahn um zahn…

    Ein zutiefst christliches Volk wie das deutsche (1939 gaben 95% der Deutschen an, Mitglied einer der beiden großen christlichen Konfessionen zu sein) hat sich nicht geschämt in seinem letzten Krieg gewisse Waffen ganz offiziell als „Vergeltungswaffen“ zu bezeichnen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Vergeltungswaffe
    Es zeigte damit und ebenso anhand etwa seines Umgangs mit Partisanen („für jeden getöteten Deutschen sind hundert Serben zu erschießen“, etc.), dass Rache und Vergeltung ebenfalls untrennbar mit dem christlichen Wesen verknüpft sind, dass es lediglich das Bedürfnis nach Selbstentschuldung oder gar Selbsterhöhung sein kann, wenn Christen derart massiv und bis heute ostentativ Juden Rachsucht oder/und alttestamentlich begründeten Drang nach Vergeltung vorwerfen.

    osamas ende…
    Racheschwüre sind in manchen Medien zu sehen und zu hören gewesen. Manche drohten sogar mit atomarer Verseuchung bzw. einer Atombombe. Es bleibt nur zu hoffen, dass aus verbalem Frust nicht Schlimmeres wird. Das Selbstbewusstsein so manchen Muslims hat durch die Beseitigung des in der westlichen Welt meistgesuchten Terroristen einen weiteren schweren Schlag erlitten. Irrationale Reaktionen, auch einzelner, können nicht ausgeschlossen werden. Es wird sich erst erweisen müssen, ob eine Welt ohne Osama tatsächlich eine sicherere ist.

  4. Aristobulus Says:

    Hanija, der palästinensische Ministerpräsident ohne Land, hat heute in äußerst blumiger Ausdrucksweise bin Laden einen triumphalen islamischen Heiligen und Helden genannt. Miliband, der britische Premierminister, hat heute bin Ladens Tötung „inacceptable“ genannt.
    Yael, wie lange, glaubst Du, werden die Briten brauchen, um bald den palästinensischen Terroristenclub aus Hamas und Fatah als richtig akzeptablen Staat anzuerkennen? Einen Tag oder anderthalb?
    Es ist traurig und widerlich…

    Aber bin Laden wird nie mehr Morde planen, na immerhin.

  5. yael1 Says:

    „Wider die Heuchelei!

    Deutschland empört sich über die Tötung Osama bin Ladens und amerikanische Willkür. Sind wir noch ganz bei Trost?“

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/10312

    „Araber in Jerusalem ehren Osama Bin Laden“

    http://www.haolam.de/index.php?site=artikeldetail&id=5222

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