Kopf kontra Bauch: Argumente gegen die gängige Lebenslüge

Häufig, wenn Deutsche in gelöster Stimmung beieinander stehen oder sitzen, stellt sie sich ein. Sie ist fester Bestandteil manch geselligen Anlasses, manch angeregter Diskussion. Deutschland ohne sie kann man sich oft kaum vorstellen. So sehr gehört sie inzwischen zu ihr. Denn sie stiftet Frieden, Harmonie, ‚Ruhe‘, Gemeinschaft, angenehme Atmosphäre, kurzum die Basis für gepflegte Kommunikation – so jedenfalls empfinden es viele.

Von Robert Schlickewitz

Die Rede ist von der Lieblingslebenslüge der Deutschen, die sich in solchen Redensarten offenbart wie „Wir sind ein ganz normales Volk“, „Wir Deutschen sind auch nicht anders als die anderen“, „Deutschland ist ein vollkommen normales Land“ etc.

Es gehört zum guten Ton im Deutschland des 21. Jahrhunderts solche Phrasen nicht in Frage zu stellen und sie nicht zu diskutieren, sondern sie als Faktum, oder eher noch, als Gebot zu akzeptieren. Wer es dennoch wagte sie in Gesellschaft etwa zu relativieren, muss damit rechnen als erkannter Stimmungsstörer zumindest Gehör entzogen zu bekommen.

Dabei erscheint es als geradezu bedauerlich, dass sich ganz offensichtlich niemand der Mühe unterwirft, jene Lebenslügen einmal einer eingehenden Prüfung zu unterziehen.
Denn eine solche Prüfung, die nichts anderes als die kritische Hinterfragung der eigenen Identität beinhaltet, kann heilsame Erkenntnisse zu Tage fördern, Erkenntnisse, die ich den Lesern nicht vorenthalten will.

Vorab noch Folgendes zur Abklärung: Wenn, wie hier, im nichtwissenschaftlichen Sinn, von Deutschland als ‚normalem Land‘ gesprochen wird, so erhebt sich dennoch der Bedarf nach einem oder mehreren passenden Referenzländern. Wollte man Bevölkerungsgröße und Bedeutung gerecht werden, so böten sich in erster Linie Frankreich, Italien und Großbritannien an.

In zahlreichen meiner bisherigen Veröffentlichungen zur Juden- sowie zur Sinti-und-Roma-Geschichte (u.a.: www.sintiromabayern.de und www.judenundbayern.de) habe ich die Behauptung erhoben, dass es kein Land gibt, welches sich mit Deutschland in puncto Intoleranz messen kann, zieht man jeweils die vielhundertjährige Geschichte dieser Minderheiten im Herzland Europas als Maßstab heran. Bisher hat noch niemand einen ernsthaften Versuch unternommen mir diesbezüglich zu widersprechen, da die Beleglage wohl eindeutig für meine Annahme spricht. Dies ist ein wesentliches (erstes) Argument dafür, warum besser nicht von Deutschland als ‚normalem‘ Land gesprochen werden sollte. Noch einen weiteren Aspekt der Gesellschaftsgeschichte möchte ich heranziehen – die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa.

Dieses Phänomen kam im 15. Jahrhundert, also gegen Ende des Mittelalters, auf, und klang erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wieder ab; es betraf so gut wie alle europäischen Völker, wenngleich unterschiedlich intensiv; es waren jeweils alle Bevölkerungsschichten betroffen, von ganz unten bis oben; Hexen konnten auch Kinder oder Männer sein. Stets war die Kirche involviert, und zwar die katholische ebenso wie die reformierte. Soweit die äußeren Gemeinsamkeiten, wie sie allen europäischen Völkern gemein waren. Als spezifisch deutsch hingegen erwiesen sich folgende Abweichungen:

Nirgends fielen diesem kollektiven Wahn so viele Menschen zum Opfer wie bei uns. Hier die Bilanz des Schreckens:
Deutschland: 25 000 Hingerichtete
Polen/Litauen: 10 000
Schweiz: 4000
Frankreich: 4000 (?)
Britannien: 1500
Italien, Dänemark, Österreich, jeweils: 1000 (?)
Ungarn: 800
Spanien: 300

Nirgendwo dauerte diese Zeiterscheinung so lange an – die letzte Hexe Deutschlands wurde noch 1775 (im Allgäu) hingerichtet. Vergleichende Studien stellen immer wieder fest, dass die die einzelnen Fälle begleitende Folter etwa in Italien wesentlich seltener angewandt wurde, dass italienische Hexen häufig mit milderen Strafen davonkamen, während in Deutschland oft bereits während der Folter der Exitus eintrat. Und wenn nicht, dann sorgte das später gefällte Urteil dafür, dass die Überlebenschancen deutscher Hexen minimal blieben. Hexenforscher weisen ferner darauf hin, dass dieses Phänomen in Deutschland größere Bevölkerungsteile mobilisierte, ja, dass es zu Massenhysterien mit irrationalen Gewaltausbrüchen in Zusammenhang mit Hexenprozessen kam; dass diverse weltliche oder geistliche Einzelpersonen immer wieder die Gelegenheit nutzten sich als fanatische Ankläger und Aufhetzer zu gebärden, die die Massen zu manipulieren versuchten; dass schließlich deutsche Juristen ohne Gnade oder Einsehen, rein aus vermeintlicher „Pflichterfüllung“ urteilten und richteten. Schließlich scheinen Deutsche die Hexenverfolgungen in vielen Fällen regelrecht gefordert zu haben und Klerus bzw. Territorialfürst blieb oft keine andere Wahl, wollte man gefährlichen Aufruhr vermeiden, als diesem sonderbaren Begehren ‚von unten‘ Folge zu leisten.

Als nächstes sollen einige Aspekte der Geschichte der Kriege und der Kriegsverbrechen der späten Neuzeit einer knappen Betrachtung unterworfen werden, um gleichfalls zu belegen – kein ‚normales‘ Volk bzw. kein ‚normales‘ Land.
Fakt ist, dass es Deutschland war, welches zwei Weltkriege vom Zaun brach, mit zusammen weit über 60 Millionen Toten. Unerheblich ist hierbei der nähere Anlass, es geht allein um die Autorenschaft für die Auslösung dieser beiden mehrjährigen, militärischen Auseinandersetzungen mit katastrophalen Folgen. Nicht minder gilt als Tatsache, dass Deutschland die Geschichte der Kriegsverbrechen in Europa durch sein Verhalten im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71), im Ersten Weltkrieg und besonders im Zweiten Weltkrieg entscheidend negativ mitgeprägt hat. Kein anderes europäisches Land fand sich derart häufig mit diesbezüglichen Anklagen konfrontiert.
Die hohe Anzahl deutscher Kriegsverbrechen, der lange Zeitraum, in dem sie begangen wurden, die vielen Staaten deren Bürger zu den Betroffenen zählten – kein anderes Land Europas kann sich hierbei mit Deutschland ‚messen‘.

Sechs Millionen Juden kostete der von Deutschen geschaffene, von ihnen getragene und von ihnen bis zur traurigen Perfektion ausgelebte neue Wahn Nationalsozialismus das Leben. Über die Unvergleichlich- und Unvergleichbarkeit dieses einzigartigen Völkermordes muss ich hier nicht näher eingehen.

„Aber wir Deutschen von heute, wir Deutschen, die wir zwei, ja drei Generationen nach 1945 geboren wurden – wir haben doch damit nichts mehr zu tun. Wir sind ganz normale Europäer wie andere auch! Uns geht doch all das Vergangene nichts mehr an, wir sind frei von jedweder Schuld oder Verantwortung!“ – sagen manche.

Im Jahre 2000 erschien in Potsdam ein schmales Bändchen, dessen Titel, Titelabbildung und Inhalt zwar unpopulär gewirkt haben mögen, bei dem jedoch zumindest die Tatsache, dass niemand Geringerer als Professor Julius H. Schoeps für das Nachwort als verantwortlich zeichnete, dafür sorgte, dass es nicht unbeachtet blieb und dass es Eingang fand in zahlreiche Bibliotheken. Adolf Diamant, sein Autor, weist in ihm minutiös nach, dass in den Jahren 1945 bis 1999 in Deutschland über eintausend jüdische Friedhöfe geschändet wurden. Zunächst, in den Jahren 1945 bis 1959, mit der noch relativ bescheidenen ‚Schändungsrate‘ von durchschnittlich 9,2 Friedhöfen pro Jahr, dann in den 1960er Jahren mit 11,4 pro Jahr, in den 1970ern bereits mit 19,1 pro Jahr, in den 1980ern mit 16,7 pro Jahr und in den 1990ern mit 40,2 (vierzig Komma zwei) Friedhöfen pro Jahr. Kein anderes europäisches, aber auch kein arabisches, Land kann sich in dieser ‚Disziplin‘ mit Deutschen auch nur ansatzweise messen.

Wie wir den Tagesnachrichten regelmäßig entnehmen können, setzt sich die unrühmliche Folge derartiger Hassverbrechen auch in unserem vermeintlich so aufgeklärten und angeblich von den finsteren NS-Zeiten Lichtjahre entfernten 21. Jahrhundert fort.

Nur vier Jahre nach Veröffentlichung von Diamants Buch belehrte uns der TAZ-Redakteur Philipp Gessler in „Der neue Antisemitismus – Hinter den Kulissen der Normalität“ darüber, dass es im neuen, vereinten Postmilleniums-Deutschland nicht mehr nur toten Juden ‚an den Kragen‘ geht, sondern dass sich immer häufiger hasserfüllte Beschimpfungen, tätliche Übergriffe und regelrechte Überfälle auf in Deutschland lebende oder hier zu Besuch weilende Juden ereigneten; Juden, die den ‚Fehler‘ begangen hatten, sich durch offenes Tragen einer Kippa oder eines Davidsternkettchens aus der Anonymität der Masse heraus zu bewegen. Gesslers Buch steht hier nur stellvertretend für eine ganze Reihe vergleichbarer Publikationen, aber auch wissenschaftlicher Aufsätze und unzähliger Medienberichte, die in schöner Regelmäßigkeit die Deutschen darüber informieren, wie minderheiten- und fremdenfeindlich ihre angestammte Umgebung inzwischen geworden ist. Denn so unappetitlich und rufschädigend für das Land derartige Meldungen sein mögen, die Medien nahmen sich ihrer in den meisten Fällen an und es wurden auch die bedenklichen, sich abzeichnenden Tendenzen keinesfalls unterdrückt. Kein Deutscher kann sich daher herausreden, er habe diese Entwicklungen nicht mitbekommen. Presse, Rundfunk und TV sind ihrer Informationspflicht durchaus nachgekommen.

So auch Anfang Dezember 2010, als die Ergebnisse einer repräsentativen Studie der Universität Münster zu Toleranz der Deutschen gegenüber Ausländern (Muslimen) und gegenüber Juden publiziert wurden. Auch wer solche ‚unschönen‘ Erhebungen gewöhnlich links liegen lässt, hat die Meldungen zumindest überflogen – zu reißerisch, und damit beunruhigend, waren diesmal die Überschriften oder Fettzeilen mit denen die Presse ihre diesbezüglichen Artikel garnierte, formuliert. Ja, da stand es, schwarz auf weiß: Trotz Hitler und Holocaust, trotz Entnazifizierung, trotz jahrzehntelanger Belehrung in der Schule, in sämtlichen Medien und zu Hause zählte man in keinem anderen europäischen Land so viele Menschen, die antijüdisch eingestellt sind, wie in Deutschland. Der deutsche Prozentsatz übertrifft den europäischen Durchschnittswert sogar um das Doppelte.

Unter solchen Umständen noch von einem ‚normalen‘ Volk, oder einem ‚normalen‘ Land zu sprechen, würde den, der es dennoch täte, zu einem Narren, oder aber zu einem Neonazi abstempeln.

Trotz all dem Gesagten wäre immer noch folgende Einschränkung der gängigen Lebenslüge denkbar:
„Alle diese Akte der Judenfeindlichkeit werden doch ‚nur‘ von einer relativ kleinen Minderheit begangen; kann man deshalb nicht zumindest jenen Mehrheits-Deutschen, die sich tadelfrei verhielten‚ ‚Normalität‘ zugestehen?“

Dem würde ich den Fall des „Problembären“ Bruno in Bayern vom Sommer des Jahres 2006 entgegenhalten: Ein Bär, ein Schuss und Deutschland zwischen Alpen und Ost- bzw. Nordsee schrie gemeinsam und vereint, laut und empört auf. Bürgerinitiativen entstanden, Tierschützer landauf und landab machten mobil, Wissenschaftler aller möglicher Fakultäten wurden bemüht, das Thema in sämtlichen denkbaren Facetten diskutiert. Am Ende geriet sogar der damalige bayerische Landesvater, Edmund Stoiber, in Erklärungsnot und musste um Sympathiewerte seiner CSU bangen. Monatelang hielt sich Bruno in den Medien und zwei Jahre später kam er ausgestopft erneut daher.

Wie jedoch reagierten die gleichen so engagierten, modernen, braven Deutschen, als sie vom Buch Diamants erfuhren, oder von den zahlreichen anderen Studien zum alarmierenden Ansteigen des Antisemitismus‘ in ihrem Land, oder von den Resultaten der jüngsten Umfrage von Dezember 2010?

Indem sie überhaupt nicht reagierten, reagierten sie zwar vollkommen ‚normal‘ für deutsche Verhältnisse, freilich als ganz und gar nicht ‚normal‘ müsste ihre Reaktion eingeschätzt werden, falls man sich die weit über tausendjährige Geschichte mörderischen, deutschen Judenhasses vor Augen hielte und die doch wohl nicht übertriebene Erwartung hegte, es müsse doch irgendwann endlich Einsicht Einzug halten in diesem Land.

Solange Deutsche nicht auf breiter Basis beginnen, sich zu kümmern, sich zu interessieren, Fragen zu stellen, Mitgefühl für das Schicksal anderer zu entwickeln, den gewohnten Kreis aus Desinteresse, Gleichgültigkeit und Passivität zu überwinden – solange haben sie kein Anrecht darauf sich als ‚normales Volk‘ zu fühlen oder sich so zu bezeichnen, meine ich.

Literatur:
W. Behringer, Hexen, München 2005
Adolf Diamant, Geschändete Friedhöfe in Deutschland 1945 bis 1999, Potsdam 2000
Philipp Gessler, Der neue Antisemitismus, Freiburg im Breisgau 2004
„Hexenjagd“ von Fenja Mens, in: National Geographic, Dezember 2006, S. 56-82
http://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/religion_und_politik/aktuelles/2010/12_2010/studie_wahrnehmung_und_akzeptanz_religioeser_vielfalt.pdf

28 Antworten to “Kopf kontra Bauch: Argumente gegen die gängige Lebenslüge”

  1. A.mOr Says:

    Nabend, Herr Schlickewitz,

    Sie stellen die Behauptung auf: „Wir (Deutschen) sind ein ganz normales Volk“ .
    Ich stelle entgegen „Wir Deutschen sind alles andere als normal“.
    Warum habe ich den Eindruck, daß sie im Prinzip genau das sagen?

    Ihr letzter Absatz:
    „Solange Deutsche nicht auf breiter Basis beginnen, sich zu kümmern, sich zu interessieren, Fragen zu stellen, Mitgefühl für das Schicksal anderer zu entwickeln, den gewohnten Kreis aus Desinteresse, Gleichgültigkeit und Passivität zu überwinden – solange haben sie kein Anrecht darauf sich als ‚normales Volk‘ zu fühlen oder sich so zu bezeichnen, meine ich.“

    Im Prinzip sagen Sie hier schon so viel. Darauf einzugehen, es wäre sicher ein geeignetes Thema für einen Psychologen. Aber ich möchte Sie nun etwas anders begleiten.

    Herr Schlickewitz, ich habe den Eindruck, daß sie die Latte zu hoch legen. Eine Bevölkerung als Allgemeines wird sich in das Lebensfeld einpassen, das es hat.
    Die Demokratie fordert viel von einem Wahlbürger, denn die vergebene (oder nicht vergebene) Stimme entscheidet eben über die verantwortliche Regierung auf entsprechende Zeit.
    Tatsächlich aber, dies behaupte ich, wird eine Stimme in aller Regel nicht als Ergebnis eines tiefergehenden Studiums der Parteiprogramme vergeben, sondern eher nach Tendenzen, Stimmungen, nach Geschmack, nach Flüchtigkeiten, wie sie beworben werden.

    Genauso verfährt der „gemeine Deutsche“ mit seinem Geschichtsbewußtsein.
    Die allgemeine, bald sprichwörtliche Regel, daß der Deutsche sich mit der deutschen Geschichte (vor allem der Nazi-Regierung) nicht eingehender beschäftigt, ist wohl das, was man erwarten darf. Und es ist nicht einmal verwunderlich. Der „gemeine Deutsche“ lebt eben sein Leben, hat genug mit seiner Arbeit zu tun (oder damit, keine zu haben), hat genug mit den Nachrichten-Schreiern zu tun und will sich zu Feierabend was gönnen; der Fernseher, das www, Spielchen aller Art, das Bierchen und in Geselligkeit eben das ganz „normale“ gesellig sein, der eine dazu noch als „Patriot“ /vielleicht gar als „Nationalist“ – aber dies ist nun einmal ein ausgesprochen negativ assoziiertes Wort/ und dann ist er eben „normal“ und alles ist gut: nur frag nicht nach gestern!

    Ihr Artikel also, so erscheint es mir, richtet sich an „gebildete“ Deutsche.
    „Viel wissen, nichts verstehen“ gibt es auch unter Gebildeten, Verdrängung der Geschichte ebenso, aber auch ein ausgesprochenes Schuldempfinden.
    Schon zu meiner Abiturzeit, auch im Studium gab es etliche Deutsche, bei denen es zum guten Ton gehörte ein „nicht stolzer“ Deutscher zu sein, die Verbrechen der Deutschen immer wieder auch zum Gesprächsthema zu haben, etc.

    Damit war schon mal eines klar benannt: als Deutscher ist man eben „nicht normal“, als Franzose, als Engländer, als Italiener: ja, aber als Deutscher: nein.
    So war es der französische oder italienische Kommilitone um sich über die Selbstgeißelung der Deutschen zu wundern.
    Die Deutschen selbst wiederum übten sich in Kritik an die eigene Geschichte.
    Das konnte aber nicht gut funktionieren, denn der Gestank war doch zu nah dran. Deshalb also richtete sich das Augenmerk auf andere Länder, denen Unterdrückung vorgeworfen werden konnte
    (eben das, was den eigenen Untergang bedeutete, klar Nazi böse, aber Deutschland, Deutschland, armes Deutschland!), und so entwickelte sich eben zum Beispiel aus der „besonderen“ Beziehung eine dauerhaft kritische Betrachtung auf das „Unterdrücker-Regime“ Israel.

    Der alte Antisemitismus etlicher Deutscher fand so ein neues (altes) Ventil, manch anderer mag seinen Judenhass erst entdeckt haben, den Israeli-Juden kann man „Bombennächte auf Dresden“, „Vertreibungen aus ehemals reichsdeutschen Gebieten“, „Kriegsverbrechen von Alliierten, Polen, Russen, Tschechen, und und und…“ zwar nicht offen vorwerfen, aber irgendwie ist man doch ganz tief im Innern sehr verärgert und hat doch -seien wir mal ehrlich!- so sehr gelitten an dem Nazi. Wäre der Jude nicht gewesen, dann wäre doch alles in Ordnung!

    Und neben dem Juden nicht zu vergessen die Abneigungen gegen Polen, Russen usw, aber alles nichts gegen den offen uneingestanden auf vielen verzwickten Wegen immer wieder zu Tage tretenden Judenhass. Ja, der „Sündenbock“ (Asasel) ist eben Jude.
    Das ist ganz „normal unnormal“.

    Und was machen die bösen Juden jetzt? Schon wie immer bestimmen sie die Geschicke der Welt aus irgendwelchen Schattenwelten heraus, als Israeli unterdrücken sie die Palästinenser mit den „schlimmsten Nazi-Methoden“, eigentlich sind die Juden schuld, daß der Deutsche nicht stolz sein kann deutsch zu sein!

    Ein bisschen weltmeistern in Deutschland, schon wehen sie, die schwarz-rot-goldenen, aber auch das hilft nicht wirklich, denn es ist einfach eine schlimme Strafe des Schicksals, als Deutscher geboren zu sein.

    Der Deutsche braucht das eben, er muß stolz sein auf irgendetwas, der Suff kann es eben nicht sein.

    Insofern habe ich nicht den Eindruck, daß es allgemein „normal“ ist, Deutscher zu sein.
    Allgemein „normal“ ist es wegzusehen, zu verdrängen und hochzustapeln.
    Der Deutsche muß besser sein, sonst können die anderen nicht schlechter, schlimmer, dümmer sein.
    Der Deutsche hat aus seiner Geschichte verlernt, deswegen hat er auch die höchste Moral.
    Der Deutsche kann -wer sonst noch!- stolz sein nicht stolz zu sein.

    Ihrem Artikel stimme ich auch in dem entscheidenden Punkt zu (und mein Lob dazu), die Beschäftigung des Deutschen mit dem Problembär Bruno, oder Kindeisbär Knut ist wesentlich beliebter, als die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.

    Was Sie auch prima herausstellen(!), der Lieblingssport der Deutschen war und ist die Ausgrenzung, die Brandmarkung, das Anklagen (gewissermaßen also die Hexenverfolgung unter anderen Vorzeichen) und im Zweifel geht Export über alles.

    Der Deutsche braucht etwas, auf daß er stolz sein kann.

    Auf seine eigenen Kinder, so befürchte ich, kann er es nicht sein. Und die Kinder, was sollen sie so von ihren Eltern schon denken?

    Deutschland ist vasektomiert – vielleicht, vielleicht ist das einfach gut so.

    Nachwort:
    Danke für diesen „aufrüttelnden“ Text, der Ihnen möglicherweise auch so einige „normale“ Kritik einbringen wird. Auch der Aspekt der Hexenverfolgung, er wird so manchen als Nebensächlichkeit erscheinen, dabei ist doch gerade die „Hexenjagd“ (Sau durchs Dorf, etc) der Hauptcharakter des „gemeinen Deutschen“. Zum Glück sind „wir“ wenigstens No1 – alles andere wäre wohl „undeutsch“ und „zuviel verlangt“.
    Und Entschuldigung, wenn ich etwas kritiklos an die Deutschenkritik anlehne, so habe ich selbst durchaus auch alte Menschen gesprochen, die mit dem Nazi nur eines gemeinsam hatten: Zeit und Ort.
    Trotzdem, ich möchte es eigentlich nicht betonen, der latente Antisemitismus ist nach meiner Erfahrung tatsächlich vorhanden, bei Menschen jeder Bildungsstufe und erschreckenderweise gerade auch bei gebildeten Menschen.
    Mein „Fell“ durfte ich mir daher sowohl in Deutschland als auch in Polen „verbrennen“.
    Paßt ganz passabel zu Ihrer Liste der „Hexensonderbehandlungen“ Europas.
    Möglicherweise ist das „Hexenjagd-Gen“ einfach in weiter Streuung im Deutschen. Und das, so scheint es mir, ist schrecklich „normal“.

    • yael1 Says:

      Kurz offtopic, ich habe deinen Gruß bekommen, antworte nach Schabbes. Und bitte nicht über „Jane“ ärgern, die Frau ist bekanntermaßen psychisch krank.

      • A.mOr Says:

        Vielen Dank, das tut gut.
        Das „giftige Wort“ hat mich sehr getroffen, ich gestehe, trotz aller Scham.

        Ich wünsche auch gut Schabbes.

  2. yael1 Says:

    Dass dich das trifft, verstehe ich, aber denke dir einfach: Die kann nichts dafür, da spielen deren persönliche Unzulänglichkeiten (um es mal nett zu sagen) mit hinein.

  3. Robert Schlickewitz Says:

    Sehr geehrter A.mOr,

    danke für Ihre Gedanken zu meinem Beitrag. Folgende Erlebnisse bzw. Eindrücke veranlassten mich, mich der ‚Normallität‘ der Deutschen zu widmen. Jahrelang hat mich das Thema begleitet. Privat, im Umgang mit Deutschen im Alltag, im Konzern, in dem ich neun Jahre tätig war und schließlich bei den Kommentaren von haGalil; immer wieder gab es Deutsche, die ihre ‚Normalität‘ geradezu gebetsmühlenartig vor sich hin ‚plappern‘ mussten, fast so als wollten sie vor allem sich selbst von ihr überzeugen.

    Mir war es ein Bedürfnis einen kleinen Anstoß zu geben, damit intelligentere Deutsche, die es auch gibt, einmal über sich und ihr Eigenbild (= ihre Identität) nachdenken.

    Bedauerlicherweise ‚glänzen‘ bekanntlich deutsche Geschichtsbücher dadurch, dass sie mehr verheimlichen als preisgeben. Und nur die wenigsten Deutschen entwickeln eine gesunde Neugier für ihre eigene Geschichte, die sie aktiv werden, selber aktiv forschen, zu neuen Erkenntnissen gelangen lässt.
    Gleichzeitig haben Deutsche aber, (fast) alle, das unstillbare Bedürfnis, das, was sie meinen (die gängigen Lebenslügen) auch auszusprechen. So falsch und unbelegbar diese auch sein mögen. Man meint zu wissen, also wird es so sein, also wird es im Überzeugungston lautstark geäußert. Wehe dem, der den Fauxpas beginge zu widersprechen. Er würde gesellschaftlich kalt gestellt, „der passt nicht zu uns“…

    Ganz bewusst habe ich mich bei meinen Ausführungen oben thematisch nicht am Dritten Reich orientiert; übrigens bei der Mehrheit sämtlicher meiner Veröffentlichungen, widmete ich meine Aufmerksamkeit Themenbereichen lang vor oder nach dem NS, eben, um mir den Vorwurf zu ersparen, den Deutschen nur mit dem ‚Totschlagsargument‘ NS zu begegnen.

    Ich wollte vielmehr zeigen, dass es eben gerade vor 1933 und nach 1945 so viel Unbekanntes, Unentdecktes, Unerwartetes in der eigenen Geschichte gibt, was ebenfalls Teil der deutschen Identität ist, was den Blick auf sich erweitern hilft und was zeigt, dass der NS kein einmaliger ‚Ausreißer‘ war, sondern der Höhepunkt einer jahrhundertealten Entwicklung bzw. eines uralten Zustandes.

    Kein Thema wird so ungern in deutschen Medien behandelt wie die deutsche Xenophobie im Vergleich jeweils zu anderen europäischen Ländern. Soziologen- Studien seit den 1970er jahren belegen immer wieder, dass die Bevölkerung keines anderen europäischen Landes derart integrationsfeindlich ist wie die deutsche. Vor vierzig Jahren versuchten manche Soziologen dies Phänomen noch damit zu begründen, dass eben die Rasselehren des Dritten Reiches von der deutschen ‚Höherwertigkeit‘ noch nachwirkten…

    Wie Sie, A.mOr, oben vollkommen korrekt feststellen, waren ‚wir‘ dennoch einige Zeit lang nicht sehr stolz über uns; man gab sich damals bescheidener (auch wenn man es tatsächlich nicht unbedingt war).

    Seit den 1990ern aber hat sich ein Wandel vollzogen in Deutschland. War man einst nicht ’stolz‘ oder nicht sehr stolz, so ist man es heute eher schon. Die Vereinigung (eine ‚unglaubliche‘ Leistung, auf die sich fast jeder Deutsche eine Menge einbildet), die allgegenwärtigen, stets gelobten ‚wirtschaftlichen Leistungen‘ (bes. das AUTO), der Sport, der deutsche Papst, Lena und vieles mehr hat uns inzwischen stolz wie Schneekönige gemacht. Klar erleben wir mit, wie ein Viertel unserer Landsleute allmählich verarmt, aber diese Zeitgenossen waren halt selber schuld oder so ähnlich, reden ‚wir‘ uns ‚raus. Stolz sind ‚wir‘ trotzdem.

    Tja, und dann kommt so einer wie ich und sagt, Leute für Stolz besteht kein Anlass! Aus diesem und jenem Grund, der Euch, wenn ‚Ihr‘ noch über Anstand oder Gewissen verfügt, eigentlich zumindest zum Nachdenken geben sollte. Macht ‚Euch‘, so ich weiter, auf die Socken und bessert ‚Euch‘, reinigt ‚Euch‘, macht Schluss mit der Gleichgültigkeit, mit der Passivität, mit der Wurschtigkeit! Kümmert ‚Euch‘!

    Es ist abzusehen, dass der deutsche Klotz auf meinen Beitrag hin sich nicht ändern wird, aber ich habe damit etwas für mein Gewissen getan, habe den Versuch unternommen meine Landsleute wachzurütteln. Haben vor mir auch schon andere versucht, ohne größere Erfolge, macht nichts, irgendwas lässt mich trotz allem an das Gute in den Klötzen glauben.

  4. dawarischon Says:

    Offene Worte lindern den Schmerz, danke Yael. Als Jecke möchte ich aber noch anmerken: Wie finde ich nach 1944 in einer Mischehe als Kind meine jüd. Wurzeln, wenn das in der Familie verboten wurde. Was wird aus einem, wenn man Assimiliert und nicht integriert wurde, alles Fragen auf die man heute noch gerne nicht antwortet…usw.

  5. A.mOr Says:

    Hallo Herr Schlickewitz!

    Eigentlich wollte ich Ihnen noch ein paar weitere Worte zur Begleitung geben, aber in der (ua.) momentanen Kürze der Zeit nur soviel, daß ich Ihr Anliegen grundsätzlich gut und richtig finde.
    Da ich selbst vom „deutsch sein“ betroffen bin, fällt es mir schwer, leicht und locker Worte zu formulieren, weil meine individuelle Lebensgeschichte davon nicht trennbar ist.
    So gestehe ich, daß ich bereits begonnendes Schreiben an Sie wieder abbrach, weil ich tatsächlich sensible Befindlichkeiten bei mir berühre, die ich -bei aller Rechtfertigung vielleicht sogar es trotzdem zu tun!- nicht so gerne mit dem www teilen möchte.

    Mein Verhältnis zum „deutsch sein“ aber auch zum Deutschen ist in mehrerer Hinsicht ein gespaltenes, etwa in Hinsicht auf „jüdisch sein“, und das ist noch nicht alles…
    Teilweise ist mir das sogar erst beim Schreiben, Reflektieren also, aufgefallen.
    Klar, ganz „unreflektiert“ bin ich bislang nicht durch die Welt gegangen.
    „Zwischenwelten“, liebe Yael, lieber Herr Schlickewitz, sind , wie sie wahrscheinlich selbst ausreichend genug wissen, nicht gerade Zucker schlecken…
    Andererseits, vielleicht sollte ich es doch beifügen, auch ein Glück, ein Reichtum, ein Segen wohl!
    Wie sollte ich es verallgemeinern? Wie kann ich meinem Gefühl in Wort, in Schrift Ausdruck geben?
    Die Klarheit (?) des Verstands genügt nicht um zu leben – mir nicht…
    (Wie reden hier nicht vom Überleben, obwohl gerade dieses wohl sehr von der Klarheit des Verstands abhängt…)

    Natürlich mag ich das nur individuell aus meiner Perspektive beurteilen, aber eines darf ich Ihnen wohl verraten, mein Herz ist in diesem (im gestrigen, heutigen, wohl daher auch zukünftigen) Deutschland öfters „überfordert“, zu einfach strukturiert ist es vielleicht.
    Daß es schlägt, habe ich nicht Deutschland sondern den „Wölfen“ aus Rußland zu verdanken, genauso wie dem tapferen Partisan, der ich immer bleiben werde.

    Wie mich „der Deutsche“ in „selbstbestimmter Erwartung“ schon nervt, wenn er liest, daß ich solches schreibe, wie: „ich bin hier nicht zuhause. Das ist nicht meine Heimat.“
    Er wird sagen: „dann geh doch!“
    Wohin…? ErezJisrael? Bin ich denn nur alleine Jude, und sonst niemand, weil der Nazi es bestimmt?
    Es drängt mich zu schreien: „Ich bin kein Jude, ich bin Partisan, immer werde ich Partisan sein!“

    Ja, ich kenne auch andere Deutsche, ich weiß, daß nicht alle Deutsche das „Hexenjäger-Gen“ (Sie haben mich zu diesem Wort geführt!) tragen.
    Genau, wie Sie, Herr Schlickewitz, höre ich nicht auf an das Gute in dem Klotz zu glauben, aber so gehe ich auf den Menschen insgesamt zu.
    Es gibt glücklicherweise genug Menschen (auch Deutsche) in meinem Leben, die mir diese Einstellung und das Bemühen rechtfertigen.

    Für mich, das kann ich wohl sagen, ist mein „deutsch sein“ etwas besonderes.
    Deutschland, hier wohne ich, aber niemals hatte ich eine Heimat. Glauben habe ich, kann man solches Heimat nennen?

    Stolz, Heimat, Nationalgefühl…, es ist alles nur Theorie für mich.
    Ich wünsche es denen, die damit glücklich sind. Glückliche Menschen sind auch gut für mich, für uns alle. Glück entspannt.

    „Normal“, das kommt mir in mancher Grübelei vor wie ein Ort, den ich sehnsüchtig suche. Andererseits, gibt es in „Normalistan“ Humor? Und wiederum, wie unnormal sollte mir meine eigene Normalität sein?

    Entschuldigen Sie bitte, wenn ich etwas vom Thema abweiche, möglicherweise auch unsachlich daherschreibe, wenigstens wollte ich Ihnen „etwas“ schreiben.

    Längst ist die Nacht hereingebrochen. Einen „Guten Morgen“ wünsche ich!

  6. A.mOr Says:

    Yael, Herr Schlickewitz,
    heute find ich wohl keinen Schlaf mehr, aber dafür habe ich ein Lid gefunden, welches ich gerne nehme, um mein vielleicht etwas emotionales Wort mit einem viel schönerem aufzurunden.
    Es ist ein Lid, welches Widerstandskämpfern zugeordnet ist, die sich in der Umklammerung der Deutschen fanden. „Wir“, die Deutschen…:

    Waiße Schtern

    Unter Deinen weissen Sternen
    Gib mir Deine weise Hand.
    Meine Worte, sie sind Tränen –
    Nimm sie auf in Deine Hand.
    Wenn es Nacht wird, lass sie funkeln,
    Sterne tief in meinem Blick.
    Ruhe find ich dann im Dunkeln,
    Schenk die Tränen Dir zurück.
    Ruhe find ich dann im Dunkeln,
    Schenk die Tränen Dir zurück.

    Du allein hörst, was ich frage,
    Du allein kennst meinen Schmerz.
    Sieh das Feuer, das ich trage
    Und es brennt mir in das Herz.
    In den Kellern, den Verließen
    Geht die Freiheit in den Tod.
    Über Häuser, über Dächer
    Rufe ich: „wo bist Du, Gott?“
    Über Häuser, über Dächer
    Rufe ich: „wo bist Du, Gott?“

    Ruhelos such ich nach Dir,
    Hinter mir jagd her der Tod.
    Für dies Lied nur gönn‘ ich Rast mir,
    Und ich sing zu Dir, oh Gott.
    Unter Deinen weissen Sternen
    Gib mir Deine weise Hand.
    Meine Worte sind nur Tränen,
    Nimm sie auf in Deine Hand.
    Meine Worte sind nur Tränen,
    Nimm sie auf in Deine Hand.

    (Übersetzung von Thomas Woitkewitsch)
    Bin mir nicht sicher, ob weise Hand nicht besser einfach „weiße Hand“ übersetzt gehört, nu ja.
    Ich habe eine hübsche Vertonung gefunden von Adrienne Cooper:

    Hier finde ich „etwas“ von „meiner Heimat“, verlorene Heimat, eine Heimat einer Erinnerung, die nicht meine eigene ist, nur meine Phantasie, nur ein Wehen aus dem gestern, das einfach nicht mehr existiert, G’tt weiß. Heimat des Herzens, mehr gibt es nicht.

  7. A.mOr Says:

    Kann nicht schaden, hier also noch das jidische Original:
    (bevor mir der Tag die weissen Sterne nimmt)

    unter dayne vayse shtern
    shtrek tsu mir dayn vayse hant.
    mayne verter zaynen trern
    viln ruen in dayn hant.
    ze, es tunklt zeyer finkl
    in mayn kelerdikn blik
    un ikh hob gornit keyn vinkl
    zey tsu shenken dir tsurik.
    un ikh hob gornit keyn vinkl
    zey tsu shenken dir tsurik.

    un ikh vil dokh, g-t, getrayer,
    dir fartroyen mayn farmeg.
    vayl es mont in mir a fayer
    un in fayer mayne teg.
    nor in keler un in lekher
    veynt di merderishe ru.
    loyf ikh hekher – iber dekher
    un ikh zukh: vu bistu, vu?
    loyf ikh hekher – iber dekher
    un ikh zukh: vu bistu, vu?

    nemen yogn mikh meshune
    trep un hoyfn – mit gevoy.
    heng ikh a geplatste strune
    un ikh zing tsu dir azoy:
    unter dayne vayse shtern
    shtrek tsu mir dayn vayse hant.
    mayne verter zaynen trern
    viln ruen in dayn hant.
    mayne verter zaynen trern
    viln ruen in dayn hant.

  8. Robert Schlickewitz Says:

    Sehr geehrter A.mOr,

    freut mich in Ihnen offensichtlich eine verwandte Seele gefunden zu haben. Auch ein Teil meiner Vorfahren kam aus der alten SU und war zum Teil Partisan, Partisan drüben wie hüben.

    Wenn Sie Partisan(in) und Hexe kombinieren, kommen Sie auf die „Nachthexen“: Tapfere, mutige, für ihre Heimat und ihre Landsleute sich aufopfernde Frauen, die nachts mit Po-2 Doppeldeckerflugzeugen, mit gedrosseltem Motor, fast lautlos, in niedriger Höhe über die Nachtlager der schlafenden Faschisten flogen und aus dem offenen Führer- oder Mitfliegersitz Pflastersteine, Altmetall, Handgranaten und dergleichen regnen ließen, dann, ehe der Feind vollends wach war und zu seinen Waffen greifen konnte, mit aufheulendem Motor ebenso schnell wieder weg, wie sie gekommen waren…

    Erzählungen von Großtanten und Großmüttern fielen mir ein, als Sie von Partisan sprachen.

    Deutschland meine Heimat und doch mir so fremd; Menschen mit denen ich die Sozialisation, die Sprache, manche Lebensweise, manche Werte teile und die doch, so will mir scheinen, mir auf ewig fremd und fern bleiben werden.

    Ich mag den Wald und die Flußlandschaften, die Natur und noch Vieles mehr, die Menschen hingegen denken anders, fühlen anders, sind anders als ich. Es gibt Berührungspunkte, manche gemeinsame Ziele und manches gemeinsame Streben, ja, bisweilen sowas wie Sympathie (vorübergehend), aber mehr?

    Stolz, Heimat, Nationalgefühl bitteschön, aber ohne mich (Sie drücken es anders aus, für Sie ist es „nur Theorie“ – das Resultat ist das selbe).

    Ja, Zwischenwelten, Zwischenmenschen, Zwischenexistenzen, das ist auch meine Heimat.

    Tea Packs, Yehudit Ravitz, Ofra Haza, Ester Ofarim, David und Igor Oistrach und die Libanesen Fairouz und Wadi-as-Safi sind meine Musikwelten, mit der keiner in meiner niederbayerischen Umgebung etwas anfangen kann, die mir aber umso näher stehen.

    Humor ist für mich das, was besonders David Daniel Kaminsky repräsentiert mit seiner Stimme, seiner Gestik, seiner Mimik. Aus ihm spricht das alte ‚Ostmenschentum‘, das man hier in Bayern so sehr hasst, und das so sehr ein Teil von mir ist (ohne, dass ich selbst ein ‚Humorvogel‘ wäre). Sie kennen Kaminsky auch. Weil niemand seinen Namen aussprechen konnte, drüben in Amerikes, hat er einfach den Anfangsbuchstaben seines Nachnamens zum Künstlernamen gemacht: Danny Kaye. Niemand konnte so schnell sinnvoll Unsinn sprechen, so viele Worte in so kurzer Zeit artikulieren, so hohe und so lustige Töne treffen, ohne dabei peinlich zu werden, wie er.

    Nach diesen sentimentalen Zwischentönen ein ernsthafter Vorschlag, A.mOr, warum versuchen Sie nicht, über die Gabe und die nötigen Voraussetzungen verfügen Sie ohne Zweifel, aus ihren Gedanken nicht Kommentare, sondern abgeschlossene kleine Aufsätze zu machen. Frau Yael wird sich sicher freuen und ich gehöre bereits jetzt zu Ihren Lesern!

    Alles Gute und weiterhin fruchtbare Gedanken!

  9. A.mOr Says:

    Hallo, Herr Schlickewitz – Ahoj Partisan!
    Einerseits bin ich froh andererseits auch etwas traurig von dem, was Sie schreiben.
    Nu, es mag Ihnen ebenso mit meinem Wort so gehen. Wir beide sind uns einer Geschichte voller Traurigkeiten bewußt, daher also auch Ihr Engagement die deutschen Mitbürger „aufzurütteln“.

    Gerade heute fühle ich mich etwas „aufgerüttelt“. Bis heute dachte ich, daß der türkische Film „Kurtlar vadisi: Filistin“ (dt. „Tal der Wölfe – Palästina“), der zunächst ausgerechnet am 27.Januar (Auszwitz-Befreiung durch unsere „russischen Brüder“) deutschlandweit in den Kinos Premiere haben sollte, laut FSK nicht zugelassen wird.
    Nun erfahre ich, daß er doch läuft, laut „diePresse“ haben bereits 91000 den Film besucht (http://diepresse.com/home/kultur/film/631304/10000-Kinobesucher-fuer-Tal-der-Woelfe-in-Oesterreich?_vl_backlink=/home/kultur/film/index.do).
    Der Film hat eine klare Botschaft, wie sie der „Stürmer“ nicht widerwärtiger agitieren könnte.
    Zwei Gute Beschreibungen fand ich, die eine auf haGalil, Matthias Küntzel (http://www.matthiaskuentzel.de/contents/antisemitismus-als-kinospass), die andere mit freundlicher Unterstützung von haGalil Leser/in efem auf gwg-köln.org , deutsche Übersetzung:
    (http://www.gwg-koeln.org/texte/20110128.html), das Original von Hrant Dink (http://de.indymedia.org/2011/01/299036.shtml).
    Etwas „skurril“ (verharmlosend???) ein taz-Artikel vom letzten Monat, wo Jürgen Gottschlich von „harmlos weil zu überzeichnet/dumm“) berichtet (http://www.taz.de/1/leben/film/artikel/1/verkalkuliert-bei-den-emotionen/).

    Wenn ein Türk-Nazi Film nun in den deutschen Kinos läuft, dann schrillt bei mir Alarm!
    Soll ich, kann ich glauben, was da gerade geschieht?

    Herr Schlickewitz, zwischendurch hatte ich mir mal gedacht, Sie etwas zu bremsen, nach dem Motto, so schlimm ist er doch nicht, der Deutsche…Sie wissen schon: das Gute im Klotz.
    Aber jetzt habe ich den Eindruck, das der feige und heuchlerische Nazi-Gutmensch kalt die Heißblut-Wölfe bemüht, damit diese dann die Arbeit von Oma und Opa Nazi fortsetzen…
    Kann ich glauben, was ich denke?

    Ich bin, sagen wir: etwas irritiert.

    Ist es nicht ein Irrsinn, wir reden von einer gerade verlorenen Welt, fast sind alle Überlebenen verstorben, und nun werden wir Zeuge, wie diese ganze Mördermaschine wieder angeschoben wird!
    Man könnte sagen, das Blut ist noch nicht getrocknet…es klebt uns noch im Gesicht, heiß rinnt es uns noch aus dem Auge, zerrissen ist uns noch die Seele!

    Partisan! Nur im Tod finden wir Gerechtigkeit!

    Danke für Ihr Kompliment, so nebenbei, ich wollte nicht ungeschmeichelt sein.
    Ich wünschte mir ein mehr an Genuß von Ihrem wohlmeinenden Wort!
    Auch danke für Ihre schön-sentimentalen Beschreibungen.
    Ja, ist wohl „genetisch“, auch ich liebe den Wald, die Natur…dort finde ich einen „Anteil“ von Heimat, die nicht verloren gehen kann, denn sie ist in der Seele veranlagt. Das ist wie die Heimat eines Vogels, einer Maus, eines Hirsches…

    (PS/ als „rotwelsche“ Partisaner, RS, bei aller Deutschtümelei und Höflichkeit, biete ich gerne mein „Du“ an, Bäume und Vögel…spreche ich auch so an, also?)

    Schabbat Schalom Ale chem!

  10. yael1 Says:

    “Um eine klassische Künstlerfamilie handelt es sich aber nicht, der Onkel
    der Geschwister war Abgeordneter der rechtsextremen MHP, Vater und Großvater
    der Brüder waren Scheichs des islamistischen Quadiriyya-Ordens.”

    http://jungle-world.com/artikel/2011/01/42367.html

    Gut finde ich auch, dass sich einige türkische Organisationen gegen den Film
    ausgesprochen haben und ihn als gefährlich sehen.

    “Mehrere türkische Organisationen haben sich bereits von dem Film distanziert. Die türkische Kulturgemeinde Österreich etwa warnte, dass die
    Handlung vor allem auf Migranten “sozial destruktiv” wirken könne. In Deutschland kritisierte der Koordinierungsrat deutscher Nicht-Regierungsorganisationen den volksverhetzenden Charakter von “Tal der Wölfe”.”

    http://nachrichten.rp-online.de/politik/antisemitischer-film-tal-der-woelfe-angelaufen-1.329589

  11. A.mOr Says:

    (scusi, Kompagnon R.S., wenn wir geringfügig vom Thema abweichen, aber es geht hier letztlich um die Vorgänge, die unsere „Gutdeutschen“ uns „Bestdeutschen“ zumuten. Wenn wir hier nicht das ‚Hexenjäger-Gen‘ finden, dann sind wir wohl schon wenigstens scheintot…)

    (letzter Absatz des rp-online-Artikels – vgl. Yael)

    Mehrere türkische Organisationen haben sich bereits von dem Film distanziert. Die türkische Kulturgemeinde Österreich etwa warnte, dass die Handlung vor allem auf Migranten „sozial destruktiv“ wirken könne. In Deutschland kritisierte der Koordinierungsrat deutscher Nicht-Regierungsorganisationen den volksverhetzenden Charakter von „Tal der Wölfe“. Dass mehrere Kino-Ketten ihn ins Programm genommen haben, sei ein Skandal.

    „sozial destruktiv“, ich finde, das ist deutliche Sprache. Deutlich genug, aber wer hört es?

    „Skandal“ – dieses Wort wird inzwischen inflationär genutzt, aber, welches Wort kann man noch nehmen? Jede andere Bezeichnung würde ins „unflätige“ abrutschen.
    Es wirkt jedoch auch etwas „verharmlosend“…

    Insgesamt, wenn das alles ist, was da an Protest kommt, dann sieht es so aus, als wenn Deutschlands Regierungsebene bereits in Geiselhaft ist. Oder wie ist die Ignoranz zu erklären?
    Und vom sogenannten „Aufstand der Anständigen“, nichts?
    „Wehret den Anfängen!“, zu spät?

    Und wer bewacht die Kino-Kassen? Naziskins? Graue Wölfe? Schwarzer Block?

    (letzter Absatz jungleworld-Artikel – vgl. Yael)

    Antisemitische Attacken hatte es schon in »Tal der Wölfe – Irak« zur Genüge gegeben, mit »Tal der Wölfe – Palästina« dürfte eine neue Dimension der israelfeindlichen Gruselpropaganda erreicht werden. Necati Sasmaz spricht derweil von Philosophie und Solidarität mit den Palästinensern, er hofft, »dass wir mit unserem Film die Aufmerksamkeit auf die Menschen lenken, die ein Leben in Elend und Krieg führen müssen. Wir wollen die Stimme dieser Menschen sein. Ihr Bild wollen wir in die Welt tragen. Das ist die Philosophie des Films.«

    Ich möchte auch nochmal auf diesen link zu dem Text von Hrant Dink hinweisen
    (http://www.gwg-koeln.org/texte/20110128.html):

    Auszug:

    Denn der extreme Antisemitismus des Films, der auf einen Aufruf zur „Rache an den Zionisten“, also zum Judenmord, hinausläuft, wäre so niemals in einem deutschen Film möglich gewesen. Die „Türken“ aber sind für die Verantwortlichen eine minderwertige Kundschaft, die nur eine jämmerliche Intervention der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (nun FSK ab 18), aber nicht die Anwendung des Volksverhetzungsparagraphen wert gewesen ist. Und nicht wenige Deutsche freuen sich, dass andere hinausbrüllen, was man hierzulande heute immer nur andeutet: „Die Juden sind unser Unglück.“

    Der gesamte Text ist sehr zu empfehlen, drastisch und elegant aus „türkischer“ Sicht.

    İsrail çok yaşasın! (lang lebe Israel!)

  12. Robert Schlickewitz Says:

    Shalom,

    war verreist, daher die lange Pause.

    Was die Türken sich daheim anschauen, geht mich nichts an. Was sie aber hier in meinem Deutschland, anscheinend auch noch mit Genehmigung der deutschen Behörden, zur Aufführung bringen, geht mich sehr wohl etwas an.

    Türken leben, ähnlich wie Deutsche, in einer stark von Konventionen und ungeschriebenen ‚Ge- und Verboten‘ geprägten Gesellschaft. Mit anderen Worten, sie geben ihre innersten und ehrlichsten Gefühle (und Einstellungen) nur in intimster Umgebung preis. Sie pflegen ansonsten wie die Deutschen ‚Chamäleons‘ zu sein.

    Diese Erfahrung mache ich seit nun schon über drei Jahrzehnten mit ihnen. Gleichzeitig habe ich Türken kennen gelernt, deren religionenüberschreitende Hilfsbereitschaft und echte Menschenliebe die sämtlicher meiner christlichen Bekannten bei weitem in den Schatten stellt; kurzum, eine Verurteilung ‚aller Türken‘ kommt für mich nicht in Frage.

    Die Schuld (daran, dass dieser schädliche Film zur Aufführung kam) liegt (wie so oft) bei den Deutschen, die fieberhaft nach für sie rationalen (nachvollziehbaren) Gründen suchen, warum die Shoah stattfand. – War es vielleicht am Ende doch nicht ganz grundlos, was die eigenen Vorfahren da taten – so jedenfalls habe ich schon so manchen mehr oder weniger laut vor sich hin sinnieren hören. Daher lässt man dann auch schon mal Argumente von anderer, scheinbar berufener (in diesem Falle türkischer) Seite zu und erlaubt unter dem Mäntelchen ‚Demokratie und Meinungfreiheit‘ völkerverhetzendes Filmmaterial. Eine andere Motivation erscheint mir hier als unwahrscheinlich. Die sonst so gerne herbeizitierte Gedankenlosigkeit möchte ich ausdrücklich ausschließen.

    Man kann Deutschen nur raten, ihre Aversion vor Geschichtsbüchern abzulegen und aufmerksam auch Bücher jüdischer Autoren zur gemeinsamen jüdisch-deutschen Geschichte zu lesen. Ich propagiere gewöhnlich bei haGalil die Lektüre von Heinrich Graetz oder Ismar Elbogen. Beider Werke wurden, obwohl inzwischen veraltet, auch noch nach 1945 neuaufgelegt und sind heute unter http://www.zvab.de antiquarisch immer noch zu haben. In meinen Artikeln für die genannte Plattform stelle ich häufig Einträge christlicher Autoren (und Geschichtsbücher) solchen jüdischer Provenienz gegenüber, um zu zeigen, wie sehr sich bisweilen die Einträge voneinander unterscheiden, und wie wichtig es ist, eben nicht nur sich auf den Brockhaus oder auf Wikipedia zu verlassen.

    Erfreulicherweise habe ich inzwischen, in Bayern zumindest, ernsthafte Nachahmer gefunden, die sich ausgewählten jüdisch-deutschen Kapiteln widmen, diese bearbeiten und dann veröffentlichen.

    Mein Aufruf an meine türkischen Mitbrüder und -schwestern (als solche empfinde ich sie) in D. lautet: Die türkische Geschichte ist geradezu überreich an jüdisch-türkischen Berührungspunkten und an gemeinsamem Streben für ein besseres und moderneres Leben miteinander. Wenn ich z.B. die große alte Encyclopaedia Judaica von 1925-1931 (die leider nicht mehr zuende geführt werden konnte), durchblättere, dann staune ich immer wieder, wie reich die Einträge zu Edirne, Izmir, Istanbul, dem türkischen Saloniki etc., und zu den jüdischen Gelehrten und Ärzten und Baumeistern dort sind und stelle mir vor, wie lange eine echte Symbiose zwischen den Angehörigen beider Religionen im Osmanischen Reich einst angedauert haben muss.

    Ferner denke ich mir, wie schade es ist, dass kaum ein Türke, den ich kenne, davon weiß. „Bei uns in der Türkei steht das in keiner Zeitung und keiner spricht davon!“ – höre ich sagen. Schade! Man nähme sich nur dieses erwähnte Lexikon vor, übersetze einen nach dem anderen Eintrag ins Türkische und stelle ihn ins WWW! Genau so, wie ich das mit der Geschichte der Juden oder der der Sinti und Roma in Bayern gemacht habe. Soweit mir bekant sind die Rechte an der EJ frei und die Beherzigung meines Vorschlags wäre ein wertvolles Mittel der Aufklärung für Türken in D und in TR, ferner eine Bereicherung für den eigenen Horizont.

    Türkische Mitbürger, liebe, sehr verehrte und geschätzte, türkische Mitbürger, dieser Vorschlag wäre durchaus realisierbar. In den großen Bibliotheken in Leipzig, München, Köln und Berlin sowie auch anderswo trefft Ihr die EJ an, wenn Ihr sie nicht, wie ich, antiquarisch erwerben wollt.

    Das wär’s, was ich zu einer Verständigung zwischen den drei Religionen in unserem Lande beizutragen hätte.

  13. Robert Schlickewitz Says:

    @A.mOr
    Vorschlag angenommen, das partisanische ‚Du‘ betreffend.

  14. A.mOr Says:

    Ahoj Robert,
    laß uns ‚Reise nach Jerusalem‘ spielen,
    für den „größeren Zusammenhang“ bezüglich Ofra Haza – Im Nin’Alu, habe ich noch einen link für Dich:

    nachfolgend der Text:

    Im Nin’Alu (If The Doors Are Locked) – Ofra Haza

    Im nin’alu Im nin’alu
    Im nin’alu daltei nedivim
    Daltei marom lo nin’alu
    El chai meromam el chai meromam
    El chai meromam
    Al keruvim
    Kulam b’rucho ya’alu
    El chai

    Ki hem elai ki hem elai
    Ki hem elai kis’o keruvim
    Yodu shmo vayehalelu
    Chayot shehem chayot shehem
    Chayot shehem ratzu vashavim
    Miyom bri’ah nichlelu

    Galgal ve’ofen ro’ashim
    Modim shmo umekadeshim
    Maziz kvodo loveshim
    El chai

    Uveshesh k’nafaim s’vivim
    Afim be’et yitgalgelu

    Ya’anu bekol shirim arevim
    Yachad be’otot nid’galu

    Im nin’alu Im nin’alu
    Im nin’alu daltei nedivim
    Daltei marom lo nin’alu
    El chai

    If there be no mercy left in the world,
    The doors of heaven will never be barred.
    The Creator reigns supreme,
    And is higher than the angels
    All, in His spirit, will rise

    By His nearness, His life-giving breath flows through them.
    And they glory in His name
    From the moment of genesis,
    His creations grow,
    Captivating and more beautiful.

    The wheel in his circle thunders
    Acclaiming His Holy name
    Clothed in the glory of His radiance,
    The six-winged cherubs surround Him,
    Whirling in His honor
    And with their free wings sweetly sing,
    Together, in unison

    אם ננעלו

    אם ננעלו דלתי נדיבים
    דלתי מרום לא ננעלו
    אל חי מרומם על כרובים
    כולם ברוחו יעלו אל חי

    כי הם אלי כיסאו קרובים
    יודו שמו ויהללו
    חיות שהם רצוא ושבים
    מיום בריאה נכללו

    גלגל ואופן רועשים
    מודים שמו ומקדשים
    מזיו כבודו לובשים
    אל חי

    ובשש כנפיים סביבים
    עפים בעת יתגלגלו
    יענו בקול שירים ערבים
    יחד באותות נדגלו

    אם ננעלו

    Words/Music: Rabbi Shalom Shabazi / Yemenite traditional
    Transliteration: http://www.hebrewsongs.com
    Translation: http://www.hebrewsongs.com
    Hebrew Lyrics: http://www.shiron.net

    Aber ich bin traurig, trotz Deinem optimistischen „Hawa nagila“.
    Vorletztes Wochenende stand die Ausreise der letzten 300 Juden des Jemen an, ein achtjähriger Junge ist entführt worden, Uli Sahm hat darüber berichtet.
    http://www.israelnetz.com/themen/nachrichten/artikel-nachrichten/datum////juden-im-jemen-bitten-rettet-uns/?tx_ttnews%5BbackPid%5D=10&cHash=6e80029601

    Wie liest Du nun die Worte von Ofra, deren Eltern aus dem Jemen stammen?
    Ihre Worte: „die Tore des Himmels sind nicht verschlossen“ (es möge für sie so sein!), warum bin ich traurig, wenn diese Worte doch so schön sind?

    Was ist gerecht?

    Jeder Mensch kann es wissen, es liegt in unseren Herzen, ‚Jahudi‘, wer weiß es besser, wo Traurigkeit ist, da ist auch Freude!
    Hawa nagila! Gebe ich Dir (und allen, die geneigt sind) noch etwas schönes hab Dank Ofra, die durch ihr Wort und ihre Stimme mit uns weiterlebt – Am Jisrael CHai!

    Mi Li Yiten & *Ehyeh Asher Ehyeh*

    Neshikot Bayam

    brucha habaa Ofra – Zecharia Ben Ezra

    Magst Du Blumen? Mocher prachim

    Zum Sabbat Wein – Im titnu li kos yayin lehavdala

    in dem Video, eines dieser Kinder, denke ich, ist der achtjährige, der in Jemen entführt wurde.
    Wo schauen alle hin, Ägypten? Aber in Deutschland läuft ein ‚Judenhasser-Film‘, in Jemen verschwinden nach 3000 Jahren Judentum die letzten 300 Juden. Niemand schaut dorthin…
    Meine Wörter sind Tränen unter * weißen Sternen…
    Maine werter sainen trern unter daine waiße schtern.
    Sieh – eynayim

    Jemen ist nun „frei“ von uns Juden, aber Ofra bewahrt uns „ihr Jemen“ –
    Yachilvi Veyachali

    Ode Le’eli

    ein medley: Tzur Menati/Se’i Yona/Sapritama(Sapari)

    Ayelet Chen

    and, last but not least: A’salk

    tal vez, „sefarat-sound“? – Al NaTomar Li Shalom

    Disco, Pop? – Galbi

    Der Kreis schließt sich, setz Dich – Kirya

    Bleib noch etwas sitzen, Ofra kennt auch noch eine moderne Variante –
    Yerushalayim Shel Zahav – http://www.youtube.com/watch?v=mybSCz_wPn8
    Danke Naomi Shemer.

    Wer gewinnt, wenn kein Stuhl mehr frei ist?

    Sein
    Ewig
    Licht
    Adir*Hu…!

    Selah, und viel Vergnügen.

    Aber, warum nicht, lassen wir Mordechai noch ein Wort singen:
    Kol Dodi

  15. A.mOr Says:

    Yael, Robert,

    dieser post ist ein klein wenig am Thema vorbei, aber ich wollte die Bemühung, die hinter dieser Recherche steckt „gleichmäßig“ verteilen.
    Scusi, daß ich mich erst so spät wieder melde, besser spät als nie?

    Laila tow ale.hem

  16. A.mOr Says:

    Ahoj Robert, (ahoj Yael,)
    habe es drüben nicht mehr geschafft Dir zu antworten, dabei sollte es soviel sein, vielleicht finde ich dann andere Gelegenheit , ‚irgendwie, irgendwo, irgendwann‘.
    Daher fasse ich mich hier nun ein klein wenig kürzer, bei unserem Musikaustausch, dazu sage ich, daß wir hoffentlich noch mehr Gelegenheit haben dazu (etwa hier eben), zu dem Kommentar drüben habe ich deutliche Worte (und „über sämtliche Grenzen hinweg“): Amen & Ahoj.

    Selbst dieser kleine Kommentar ist in der Warteschleife gelandet. Aber ich habe noch eine kleine Anmerkung bezüglich eines Deiner links.
    Etwas kryptisch hier nun, aber Du weißt Bescheid.
    Also, unter dem „Mittelmeer“-Artikel ist ein Schreiben von Dir an mich, Du verlinkst auf ältere Artikel von Dir (und Y.Sh.). Also, folge Deinem ersten link. Dann gehe zu Deinem letzten Kommentar zu dem Artikel dort und folge Deinem 4.link von oben gezählt. Nun landen wir bei einer Präsentation von Ofra, jedoch, und mich stört das sehr, dieses Video ist manipuliert von einer missionarischen ‚jews for allah‘ Bewegung. Es sollte gesperrt sein! Ofra für solche Dinge zu mißbrauchen ist übel. Mir ist schon klar, daß das von deiner Seite nur ein Versehen ist, aber ich fühle mich diesmal gerade daher auch verpflichtet, Dir diesen -wenn auch umständlichen- Hinweis zu schreiben.
    Dasselbe Lied gibt es auch in einer „reinen“ Fassung, darauf habe ich bereits verlinkt (siehe oben).

    Abschließend, unserem Vater, unserem König, uns allen zum Schabbat, ein klein wenig Musik, Awinu Malkeinu.
    Version von Ella

    Version von Alexandrina Chelu

    Version von Awraham Fried

    Erste und zweite sind „fast“ identisch, aber es sind junge Frauen mit verschiedenen europäischen Hintergründen, es ist Leben! Die Version von Awraham ist einfach noch sehr schön, finde ich, paßt also ganz toffte dahin.

    Ich hoffe, wir haben in Zukunft noch viel anregenden Austausch an Gedanken, Worten, Ideen, Visionen…Danke bis hierhin.
    Dir, Yael, mir, ‚ale‘

    Schabbat Schalom Ale.hem!

    (warum das alles nicht am Thema „deutscher Klotz“ vorbei ist? Weil wir in Deutschland Vielfalt haben, und weil es an uns ist, das Schöne daran hervorzuholen.)

  17. A.mOr Says:

    Zu der Awraham Fried Version vergaß ich zu erwähnen, daß es da auch auf das Video ankommt, Stichwort „Reise nach Jerusalem“, Stichwort „was ist Heimat, Partisaner?“.

  18. Robert Schlickewitz Says:

    Erew tow, A.mOr

    bin die letzte Zeit über mit der Beobachtung eines seltenen Phänomens voll in Anspruch gewesen, mit der des Falles Guttenberg.

    Dadurch, dass ich keinen TV besitze, nur anlässlich von Verwandtenbesuchen die Gelegenheit habe fernzusehen, außerdem nicht BILD lese, bekam ich den Aufstieg jenes bayerisch-fränkischen Adeligen erst spät mit, auch deshalb, weil Haaretz eher selten über ihn berichtet…

    Ich begreife bis heute nicht, wie es möglich war, dass so ein Hampelmann(derl) es schaffen konnte nicht nur traditionelle Konservativwähler, sondern auch Sozis, Grüne und Linke derart für sich zu gewinnen, wie die Meinungsumfragen der letzten Zeit belegten. Bis zu 89 % der Deutschen bekannten sich mehr oder weniger zu ihm.

    Und das bei einem Vokabular, bei dem mir persönlich übel wird, weil zu offensichtlich ist, dass damit manipuliert werden soll: Vaterland, Ehre, Heimat, Staatstreue, Aufrichtigkeit, Vertrauen, Freude, Gott, Pflichterfüllung, Würde, Wahrheit etc.

    Die Youtubefilme, die ich mir gegönnt habe, zeigen einen eitlen Fazken, der vor allem in sich selbst verliebt ist, von sich überzeugt ist und unglaublich gut lügen kann.

    Dann dieses ‚Fraule‘ an KT’s Seite, das einem billigen Modemagazinchen entsprungen sein könnte, weil es sich so kleidet, so schminkt, so gibt wie es in gewissen oberflächlichen Kreisen gern gesehen wird. Nicht die Spur von Individualität oder Originalität oder gar Geist. Eine richtige 08/15-Klotz-Frau von der Stange.

    Da ich meine Mitmenschen und ihre immense Begeisterung für diesen Politiker nicht begreife, gehe ich raus und spreche ich mit der Kellnerin, mit der Verkäuferin, mit dem Mitarbeiter im Kopierbüro, mit Spaziergängern und frage, was sie denn so an Guttenberg fesselt, weshalb sie ihn denn so lieben und verehren: „Er sieht gut aus, er wirkt glaubwürdig – ist nicht so wie die anderen Politiker, er hat eine nette und gescheite Frau, er kann gut reden, ich mag ihn einfach – kann auch nicht sagen warum…“ Ausschließlich solche Antworten gab man mir, während man leicht verlegen lächelte oder sich auf andere Art und Weise ein wenig ob seiner oder ihrer, mir gegenübergebrachten Offenheit ein wenig zu schämen schien.

    A.mOr, ist Dir klar, wovon wir hier Zeuge wurden?
    Ich weiß nicht, wie aufmerksam Du die Geschehnisse um die deutsche Staatsspitze der letzten beiden Wochen verfolgt hast, aber falls Du es ebenso wie ich tatest, dann wurdest Du Zeuge eines seltenen Phänomens. Ich spreche von einer Massenmanipulation durch einen Verführer, einen Scharlatan, einen Hochstapler. So ähnlich muss Hitler die Massen begeistert haben. Ich bin dankbar, dass ich dies mit eigenen Augen und Ohren erleben durfte. Etwas zu erlesen ist eins, etwas zu erleben etwas ganz anderes. Ich beginne zu begreifen wie manipulierbar die Menschen sind, auch die um mich herum. Selbst meine Tante, 89 Jahre alt, ist von diesem Schmalzlockenpapagallo hingerissen (immer noch) und ich musste mich stets zurückhalten, um keine allzu grobe Kritik an ihrer neuen Ikone fallen zu lassen.

    Selbst jetzt nach dem Absturz des Lieblings der Millionen halten Hunderttausende im Internet an ihm weiter fest und rufen ihn zur Rückkehr auf, ihn den Lügner, Betrüger und demnächst zu einer Geldstrafe rechtsmäßig verurteilten Verbrecher. Es ist schier nicht zu fassen. Von einer neuen Dolchstoßlegende ist schon die Rede. Die bösen politischen Gegner hätten ihn gemeuchelt, die Medien hätten ihn auf dem Gewissen, es fehlt nur noch, dass jemand schreit, der Mossad war’s.

    Deutschland total bekloppt, mal wieder. Man versteht es nicht und zugleich versteht man’s nun doch. Es ist ein Land, dem immer wieder die Ratio, die Vernunft, entläuft (wie eine läufige Hündin), die dann später wieder mühsam zurückgeholt werden muss.

    A.mOr, ich hoffe, Du kannst mir noch folgen.

    Pardon, ich habe über all dem obigen Thema vergessen auf Deine Antwort vom 25.2. einzugehen. Natürlich geschah es nicht absichtlich, dass ich den falschen Link mit Ofra Haza wiedergegeben habe, danke für die Richtigstellung. Danke auch für die neuen Musikvideos, die ich mir anschließend anhören werde.

    Das mit den Klötzen, sie endlich zu begreifen, ist mir sehr wichtig. Wie sie funktionieren, wie sie die Welt begreifen, wie sie tatsächlich sind. Ich hoffe, ich bin’s jetzt nicht, der vom Thema abgekommen ist.

    Auf jeden Fall alles Gute und bis bald

    Robert

    • yael1 Says:

      Hallo Robert,

      auch auf die Gefahr hin, dass du mich jetzt vier teilst, muss ich dir widersprechen und sagen, dass ich Guttenberg in seinem Amt nicht schlecht fand. Vielleicht hast du die Falschen gefragt, denn es gibt Gründe, ihn nicht in Bausch und Boden zu verdammen.
      Ich kann dir erzählen, was die Soldaten an ihm mochten (von meinem Neffen erzählt, der bei der Bundeswehr ist). Es war wirklich sehr beliebt und hat sich um die Soldaten gekümmert, vor allem um die in Afghanistan. Kein Verteidigungsminister vor ihm war aller zwei Monate in Afghanistan und hat sich dort so engagiert wie er. Die Akademiker unter ihnen finden den Doktorschwindel alles andere als gut, aber vor allem zählt bei den Soldaten, was er als Verteidigungsminister für sie geleistet hat und da kam er eben in der Mehrheit sehr gut an. Und das hat vor allem für sie gezählt.
      Ich rechne es ihm hoch an. ich rechne ihm auch an, dass er als erstes den Krieg in Afghanistan einen Krieg nannte. Erinnere dich was für ein Eiertanz seine Vorgänger gemacht haben, um das bloß nicht beim Namen zu nennen.

      Dann zu den Medien: Bedenke, dass es da immer zwei Seiten gibt. Die Medien vor allem haben ihn extremst hochgejubelt, jetzt tun sie alle, als wäre das nie so gewesen, denn es war eben nicht nur die Bild, es war der Spiegel, die FAZ und andere als angesehene Zeitungen.
      Jemand aus seinem Kreis erzählte, dass er erschrocken war, um dem Hype um seine Person und das er nicht besonders gut auf die Dauer damit zurechtkam. Natürlich hat er die Medien benutzt, wie sie es alle tun. Aber er konnte wohl schlecht einen Einfluss darauf haben, dass die „Bunte“ mehr über seine Krawatten berichtete als um alles andere.
      Einige Promis kennen das, erst wird man hochgejubelt um danach besser niedergemacht zu werden.

      Zur „Kampagne“: Der Zeitpunkt, dass das ausgerechnet jetzt herauskommt, ist nicht zufällig. Da ist jemand beauftragt worden, mal nach irgendwas bei Guttenberg zu finden, um ihn absägen zu können. Es wurden schon länger Dinge bei ihm gesucht, die ihn in ein negatives Bild zeigen. Damit will ich nichts entschuldigen, aber ich habe nie an solche Zufälle geglaubt, nicht nachdem Guttenberg manchen viel zu beliebt wurde.

      „demnächst zu einer Geldstrafe rechtsmäßig verurteilten Verbrecher.“

      Das kommt sehr auf die Höhe der Strafe an, denn erst ab einem gewissen Geldbetrag gilt man als vorbestraft.

      Dann zum Schluss dein Hitlerbezug. Es tut mir leid, aber das geht mir entschieden zu weit.
      Man mag Guttenberg vieles vorwerfen, aber er ist kein Rechter der die Massen verführt und Dinge verspricht, die jedem Demokraten die Haare zu Berge stehen lassen.
      Nur weil jemand als charismatisch gilt, müssen die Menschen, die ihn mögen, ihm noch lange nicht völlig unkritisch gegenüber stehen. Ich finde ihn charismatisch und mir gefällt, dass er so aus der Masse der nun wirklich grauen dt. Politiker hinaus stach. Ich finde, man beleidigt die Intelligenz der Menschen, die ihn, warum auch immer, gut fanden, und trotzdem seine Fehler und Lügen nicht unter den Teppich kehren, es vielleicht unterschiedlich bewerten, was aber menschlich ist.

      Beschämend fand ich was im BT abging. Da fielen Worte wie „Hochstabler, Felix Krull, Vergleiche mit Berlusconi, Herr Googleberg“ usw. gerade von Typen wie Trittin, Gysi, die besser wegen ihrer eigenen Person den Mund gehalten hätten. Sowas gab es noch nie im BT. Und so geht man nicht mit einem anderen Menschen um.

      Im Übrigen ist er der erste Politiker der wegen einer „Verfehlung“ zurück treten musste, die vor seinem Amtsantritt lag. Er hat, vielleicht zu spät, die Konsequenzen gezogen und ich mag dieses Nachtreten nicht. Jeder hat eine zweite Chance verdient, auch er. Vielleicht später noch mehr.
      Gruß Yael

  19. Robert Schlickewitz Says:

    Natürlich vierteile ich Dich nicht,
    liebe Yael,
    vielmehr akzeptiere ich Deine Meinung. Niemals würde ich mir anmaßen nur meine eigene Meinung gelten zu lassen.

    Du brachtest einige überdenkenswerte Argumente ein, über die ich noch reflektieren werde.

    Mir ist jede Form von Personenkult zuwider, das mag Dir meine harte Haltung Blendern gegenüber erklären, und als einen solchen Blender empfand ich KT. Der Hitlervergleich bezog sich lediglich auf dessen Wirkung auf die Massen, nicht auf die Person oder das ‚Werk‘ des zurückgetretenen Politikers.

    „Doktorschwindel“ nennst Du das, was den Sturz von KT verursacht hat. Es war weit mehr. Auch wenn ich nur ein Schmalspurakademiker mit Magistertitel bin, so lass Dir gesagt sein, dass so eine Dissertation ernsthaft durchgezogen, Schwerstarbeit sein kann. Und wenn man dabei auch noch von anderen an seiner geistigen Arbeit bestohlen wird, der dann „cum laude“ einfährt, dann fühlt man sich rasch überfahren.

    Der österreichische Standard aus Wien lobt uns Deutsche, weil bei uns so ein Rücktritt möglich ist, in Österreich hingegen nicht. Das aufgekärte Wien beneidet tatsächlich uns Piefkes, weil wir hier in unserer kulturellen Entwicklung, so der Tenor des Kommentars, weiter fortgeschritten seien als sie. So etwas gibt es höchst selten; normalerweise lachschmipft man an der schönen blauen Donau über uns.

    Deine Argumente bezüglich der Soldaten kann ich nachvollziehen, wenn ich mich sehr bemühe. Jedoch reichen die für mich nicht aus, KT freizusprechen. Zu schwer wiegen seine so häufigen Täuschungsversuche und seine frechen Lügen, besonders die der letzten Tage „…ist kein Plagiat!“ etc.

    Ich bezweifle eine Kampagne gegen den Adeligen. Es war ein unabhängiger Jurist, der die Arbeit überprüfte, Mängel feststellte und natürlich von der Presse sofort umlagert wurde. Dann setzte die Schneeballwirkung ein und schließlich war KT nicht mehr zu halten.

    Ich pflichte Dir bei, dass KT’s größte Kritiker im Bundestag lieber nicht hätten auftrumpfen sollen, weil sie selber aus wohl ähnlichem Stall stammen, bzw. aus gleichem Holz geschnitzt sind.

    Es ist hier unerheblich ob die Täuschung schon vor seinem Amtsantritt stattfand, denn den Doktortitel verwendete er ja unrechtmäßig bis vor kurzem, er profitierte von seinem künstlich erhöhten Ansehen bis vor zehn oder wieviel Tagen, er täuschte somit seine ganze Amtszeit über.

    KT hat ja die Chance wiederzukommen, so wie Strauß, Wiesheu, Möllemann und so viele andere auch. Ich bleibe jedoch ihm gegenüber weiterhin skeptisch, aus eingangs erwähnten Gründen: ich mag keine Blender.
    Alles Gute und einen schönen Wochenausklang
    Robert

  20. yael1 Says:

    „Doktorschwindel“ nennst Du das, was den Sturz von KT verursacht hat. Es war weit mehr. Auch wenn ich nur ein Schmalspurakademiker mit Magistertitel bin, so lass Dir gesagt sein, dass so eine Dissertation ernsthaft durchgezogen, Schwerstarbeit sein kann. Und wenn man dabei auch noch von anderen an seiner geistigen Arbeit bestohlen wird, der dann „cum laude“ einfährt, dann fühlt man sich rasch überfahren.

    Ich rechtfertige das nicht, sowas kann man ja auch gar nicht. Dass er gehen musste, war sicher klar. Alles andere muss jetzt die Staatsanwaltschaft bzw. ein Gericht entscheiden.
    „Schmalspurakademiker“ gefällt mir, werde ich jetzt auch für mich anwenden.😉

    Es war ein unabhängiger Jurist, der die Arbeit überprüfte, Mängel feststellte und natürlich von der Presse sofort umlagert wurde.

    Leider ist dieser Professor nicht so unabhängig wie manche denken, er soll zwar in der SPD sein, schreibt aber in der antisemitischen AG Friedensforschung der UNI Kassel (deren Artikel man ansonsten fast nur in der „Jungen Welt“, „Neues Deutschland“ findet). Außerdem soll er ein Israel und USA Hasser sein.

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/martin_sehmisch_kasseler_frieden/

    Schönes Wochenende.

  21. A.mOr Says:

    Hallo ihr Schmalspurakademiker!
    Erlauchtere Gesellschaft kann ich mir wohl kaum wünschen!

    Vorweg möchte ich gerne nochmal auf Awrahams musikalische Präsentation verweisen. Wenn der Titel abgespielt ist, dann erscheint der nächste, auf diese Weise sind es insgesamt fünf (inklusive dem awinu malkeinu), bis der Zauber von vorne beginnt. Bis auf den fünften Titel, den ich solala bewerte, finde ich die übrigen sehr schön, zumindest nach meinem Geschmack Oberklasse.
    Awraham trifft bei anderen Darbietungen nicht unbedingt meinen „Blues/Rock’n’Roll-Geschmack“, einfach dem Stil nach, aber die hier dargebotenen Stücke sind „klassisch“, gefühlvoll, stark und schön, der Inhalt ist auch gut, also mein Musikgeschmack, und dieser ist im allgemeinen ganz einfach, ich mag schöne Musik.
    Was die beiden Frauen angeht, da reizte mich auch die vermeintliche Herkunft (so genau weiß ich es nicht), die erste aus Seferat, die zweite aus Rumenie, also europäisches Abendland, europäisches Morgenland im jüdischen Abendland, wieder im „Reisespiel nach Jerusalem“…

    Nun, Robert, gehe ich gleich mal ans Eingemachte.
    „Superaufmerksam“ habe ich den ganzen Rummel nicht beobachtet, aber mein Wort hier -Rummel- sagt wohl schon so einiges, es ist Rummel, der Doktor gehobener Schwindelei hinterläßt -plopp!- nichts, aber Rummel.
    Gut, immerhin von einiger Bedeutung für die BRD steht nun die Bundeswehr-Reform an, was Guttenberg anstieß, Maizière wird es weiterführen, alles in guter reichsdeutscher Tradition übernimmt der Adel wieder, wie es gebührt, die Wehrmachtsführung.
    Wehrpflicht abgeschafft, Integration auch in der Armee (wird es eine Art „Fremdenlegion“ werden?), da vollzieht sich der Wandel, der in Jugoslawien seinen Anfang nahm. Vielleicht sind ja ausnahmsweise mal die Serben schuld!

    Du wirfst einige gewichtige Worte in die Debatte: „Massenmanipulation“, „Verführer“, „Hitler“, etc.
    Ich vertrete die etwas mildere Auffassung von Yael an dieser Stelle.
    Guttenberg ist ein Betrüger und Schwindler, das hat sich gezeigt. Die Form, die sein Rücktrittsstraucheln angenommen hat, bzw wie er sich dabei repräsentierte bestätigt nur das, wofür er entlarvt wurde.
    Aber ihn in ein Verhältnis zu Hitler zu setzen finde ich zu hoch gegriffen. Mir ist natürlich klar, daß Du nur Aspekte aufzeigen wolltest, völlig zurecht auch, denn ja, es geht um Manipulation und Verführung.
    Nur Hitler, wage ich zu behaupten, hatte eine ‚Vision‘, die weit über seine Person hinausging, während man Guttenberg anscheinend sehr leicht auf seine Eitelkeit reduzieren kann.
    Was, von dem, was er von sich zeigte, ließe sich nicht darauf zurückleiten?
    Wenn er also manipulierte und verführte, dann in eigener Sache.

    Die Rolle der Medien finde ich viel gravierender, und um bei dem Vergleich zum „Nazi“ zu bleiben, Guttenbergs Beliebtheit ist doch wohl eher eine Kreation der Medien/Politik, daß diese beiden in der Angelegenheit so kritiklos am selben Seil ziehen, das erinnert ein klein wenig an Gleichschaltung.
    Ja klar, da gibt es natürlich oppositionelle Kritik, the show must go on!
    Und irgendwie scheint es den „Machern“ auch zu nutzen. Praktischerweise sind jetzt auch noch die Narren los, aber wie sieht es aus mit einer kritischen Betrachtung vom „Erdogans Deutschlandmission Teil 2“?
    Glück gehabt, daß wir den ‚islamistischen‘ Attentäter am Frankfurter Flughafen als „isolierten Einzeltäter“ identifiziert haben, man könnte denken, daß der Islam irgendetwas damit zu tun hätte.
    Puh, das ist gerade nochmal gut gegangen, nur ein „Irrer“ eben.
    Und wie sieht es derzeit in Berlin (oder anderswo) aus, hats mal wieder den „wöchentlich Zusammengetretenen“ gegeben? …

    Mich nervt an der Sache, daß Guttenberg in Wahrheit doch nur ein weiteres Exemplar unserer „Demos-Aristokratie“ zu sein scheint. „Volk“ bekommt einmal mehr bestätigt, da haben wir es mit Heuchlern, Lügnern und Kunglern zu tun, aber was soll man machen?

    Wir befinden uns hier in meinem Text immer noch im Schatten des Vergleichs zum Hitler-Staat, so finde ich es auch unheimlich die Macht der Medien zu bemerken, scheinbar nichts neues, aber wenn hier manipuliert und verführt wird, dann durch die Medien, die vorgeblich „Volkes Stimme“ repräsentieren.
    Wie tendenziös bis ganz einfach verlogen unsere freie Presse ist, das erfahren wir doch immer wieder am deutschen Brennpunkt Israel/Nahost.
    Wer da wen bedient, ich weiß es nicht.
    Braucht der Deutsche seinen Antisemitismus, so wie andere Proteine, braucht der Deutsche seinen Strahlemann-Guddi, ob er nun radioaktiv sein sollte oder nicht?
    Manipulativ ist in jedem Fall die tendenziöse „volksbildende Berichterstattung“, wobei es sich eben weniger um Berichterstattung im protokollarischen Sinne handelt, als um stumpfe Meinungsmache.
    Hat es was mit Geld zu tun?
    Erst erklären die Medien, was das Volk so denkt (Manipulation), dann erklären sie, was Volkes Stimme ist (gut, daß wir Bescheid wissen!), und so haben sie sich ihre Kundschaft „herangezüchtet“.
    Sind Verhältnisse, wie wir sie in Berlusconien oder Ungarn haben auf Deutschland übertragbar?
    Gerade dort erleben wir doch Medien in „nazinaher“ Tradition.

    Man meint abzuwehren, hier gibt es, so scheint es, tatsächlich „freie Presse“, und Streitereien gibt es auch genug, wie man meint, nur in der Demokratie möglich.
    Aber, nehmen wir Guttenberg, ist der Rummel nicht praktisch, wie er von anderen, möglicherweise wichtigeren Dingen ablenkt?
    Sollte dieser Guttenberg nicht eher Thema für „Frauenzeitschriften“ sein?
    Übrigens, ich habe einen Fernseher, und habe mir ab und zu mal die „Polemik-Shows“ zum Thema angesehen. Das intelligenteste, was für Guttenberg vorgebracht wurde in so mancher Variation ist so: Guttenberg ist beliebt bei der Bevölkerung, also sollten wir ihn behalten.
    Tja, Robert, wie recht Du hast, Hitler war auch „beliebt“…

    Für mich ist die Angelegenheit Guttenberg nur ein weiteres Beispiel für das stete Versagen der Bundesregierung, welcher Parteifarbe auch immer, wenn es um die wichtigen Dinge geht:
    Haushalt, Integration bzw eine offensichtliche Überlastung mit dem Thema, die Wirtschaft, wie demokratisch (auch im ethischen Sinne) ist die Wirtschaft im Spiegel einer Unterwerfung unter globalwirtschaftliche Bedingungen? Bildung, Gesundheit, öffentliche Ordnung, usw.

    Der arme Guddi hat mit dem Feuer gespielt und sich verbrannt.
    Gewissensbisse kennt er scheinbar nicht dabei.
    Sein erschwindelter Doktortitel ist ein Hohn auf diejenigen, die sich einen solchen in mühevoller Arbeit erringen, und es ist auch ein Hohn auf jene, die trotz einer entsprechenden Begabung niemals die Möglichkeit haben werden, einen Doktortitel auch nur zu erwägen (Thema Bildung und Finanzen).

    Dem Guttenberg ist das Ganze sicher eine Schmach, aber Mitleid habe ich nicht, denn er hat ganz offensichtlich selbst zu verantworten, was nun geschieht.
    Und Not leidet der Mann nun sicher auch nicht. Das Hintertürchen, welches Mütterchen Merkel ihm bietet, ist ja auch längst sperrangelweit auf.
    Man kann dem Mann nur wünschen, daß er aus dieser Erfahrung für seine moralische Haltung dazulernt, aber vielleicht sollte er sich dann auch einfach aus der Politik raushalten?

    Yael, Deine Anmerkung, daß er sich wenigstens um „unsere“ Soldaten in Afghanistan gekümmert hat, das spricht immerhin für dessen „strategische Klugheit“. Mit wieviel Herz und Mitgefühl er bei dieser Angelegenheit tatsächlich dabei gewesen sein sollte, das wage ich nicht zu beurteilen.
    Daß er die „Show“ beherrscht, hat er ja nun gut vorgeführt, aber, er ist ja nun auch ein Mensch.

    Von Anfang an habe ich der Militäraktion gegen Irak und Afghanistan nicht zugestimmt, insofern ist das eben auch für mich ein innerer Konflikt geblieben.
    Aber die Jungs und Mädels dort sind ziemlich im Nirgendwo, sie mögen sich sehr alleingelassen vorkommen, und welche Konflikte so jemand von dort mitbringt, das habe ich zwischenzeitlich auch gelernt.
    Insofern, welche Motivation auch immer dahintesteckt -und sei es „nur“ Pflichterfüllung-, ich rechne das dem Guttenberg positiv an, dafür hat er den Doktor wohl nicht benötigt.

    Soweit ersteinmal,
    liebe Yael, lieber Robert,
    alle anderen,
    einen guten Schabbes wünsche ich!

  22. Robert Schlickewitz Says:

    Shalom beiderseits,

    danke, liebe Yael für Deine Zusatzinformationen zu Fischer-Lescano. Den meinten wir doch beide?

    Sowohl meine Einschätzung Guttenbergs als Blender als auch die von mir eingebrachte, mit Hitler vergleichbare Rolle (als „Erlöser“), die der Freiherr offensichtlich für viele spielte, griff interessanterweise heute (und unabhängig von mir!) der Deutschlandfunk in einer Rezension der Guttenberg-Biografie der beiden FAZ-Autoren Lohse und Wehner auf. Hier zum Nachlesen:
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1405553/

    Im folgenden kurzen Film wird nochmals die Doppelzüngigkeit des zurückgetretenen Herrn Ex-Verteidigungsministers deutlich:

    Der Philosoph Herbert Huber aus Wasserburg am Inn gibt auf seiner Webseite zu den Skandalhanseln in der CSU eine gut belegte Chronologie der Schwindeleien, Lügnereien und Betrügereien von zu Guttenberg wieder:
    http://www.gavagai.de/skandal/HHD0802.htm#guttenberg

    Vollkommen zurecht rückst Du, A.mOr, das deutsche Militär in die, in der Geschichte häufige, Nähe zum Adel. Die Liste der Wehrmachtsgeneräle und -offiziere mit blauem Blute war bekanntlich überlang. Jedoch nimmt der gemeine Deutsche (mit etwas Durchblick) lieber die Rolle, die der Adel im deutschen Widerstand (Stauffenberg, Moltke etc.) spielte (Mythos – deutscher Widerstand!), wahr, als dass er unbedingt Erznazi-Endsiegskämpfer mit Von-und-zu-Titel vor Augen hätte.

    Richtig, BILD, BUNTE und die anderen Medien hatten in KTG eine Art späten Ersatz für Princess Diana gefunden, jemanden, über den man alles und immer wieder berichten konnte (ohne sich viel Mühe zu machen) und über den fast alles auch gelesen wurde, ein Objekt, das Quoten einfuhr, in der gedruckten Presse ebenso wie im TV. Die Medien sind für das enstandene Bild des Politikers mitverantwortlich, ohne Zweifel.

    Gibt es einen Anlass zu vermuten, dass mit dem Fall des Min. Guttenberg ein Ablenkungsmanöver von irgendetwas Anderem in Zusammenhang stand? Wovon (sollte abgelenkt werden)? Gleichzeitig spielten sich doch die, international viel mehr Beachtung findenden, Revolutionen und Umschwünge in Nordafrika ab. Ich denke, dass dies bereits genug Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

    Das Versagen der Bundesrepublik…
    Ohne Zweifel hat der Fall G. das Vertrauen der Wähler in die Politik weiter geschwächt und der Glaubwürdigkeit der Regierungen der kommenden Wahlperioden einen beträchtlichen Schaden zugefügt.
    Noch mehr Bürger werden bei den nächsten Wahlen zu Hause bleiben.

    Neues Thema: Wie sind die Deutschen, wie werden sie empfunden, wie sehen sie sich selbst?

    Hier eine Antwort von Horst Mönnich (geb. 1918), einem nicht sehr bekannt gewordenen, aber doch in zahlreichen Abhandlungen zur modernen deutschen Literatur vertretenen Schriftsteller (Gruppe 47, PEN). Von ihm stammen u.a. zwei beleibte (dicke) Werke zur Geschichte der beiden Autogiganten BMW und VW.

    Aus „BMW Eine deutsche Geschichte“, München 1991, S.233:

    „Im Grunde war BMW ein getreues Spiegelbild deutschen Wesens, deutschen Denkens, Wollens, Fühlens, deutschen Strebens und Könnens, war im Besitz aller Tugenden, die man den Deutschen nachsagt: Fleiß, Ausdauer, Kraft, Ingenium, Härte, der deutschen Fähigkeit, stets das Äußerste zu wollen, und aller Untugenden, deretwegen man Deutsche fürchtet und haßt: Unbelehrbarkeit, Selbstgerechtigkeit, eigene Überschätzung bei Unterschätzung anderer, Uneinsichtigkeit bis zur Vermessenheit, mangelndes Augenmaß, Obrigkeitsbeflissenheit.
    Alle diese Eigenschaften verdammten und befähigten BMW, mit Hitler zu leben, mit ihm unterzugehen, aber auch aus den Trümmern ein völlig neues Leben zu beginnen.“

    Wie beurteilt Ihr diese Einschätzung?

    Viele Grüße

    R.

  23. yael1 Says:

    Hallo Robert,

    zunächst noch etwas zu Fischer-Lescano.

    Auch die Durchsicht der Publikationsliste von Andreas Fischer-Lescano, Professor an der Universität Bremen, der als erster Plagiate in Guttenbergs Dissertation aufgedeckt hat, offenbart eine Ungereimtheit. Andreas Fischer-Lescano ist zwar nicht der Irrtum unterlaufen, Texte anderer Autoren für seine eignen zu halten, aber hinsichtlich seiner eignen Publikationen zeigt sich ein doch freizügiger Umgang mit Zitierregeln.

    So besteht sein Beitrag „Fragmentierung des Weltrechts: Vernetzung globaler Regimes statt etatistischer Rechtseinheit“, den er gemeinsam mit Gunther Teubner im 2007 beim VHS Verlag erschienen Sammelband „Weltstaat und Weltstaatlichkeit“ veröffentlicht hat, bis auf den ersten Absatz aus fast wörtlichen Passagen aus dem von den beiden Autoren im Jahr davor bei Suhrkamp erschienen Band „Regimekollisionen“, ohne Hinweis darauf, dass es sich um bereits veröffentlichtes Material handelt. Der genannte Aufsatz besteht somit aus der Übernahme von Buchkapiteln, für die zwar andere Überschriften formuliert wurden, und teilweise wurden die Anfangssätze leicht adaptiert, um die Übergänge zwischen den Fragmenten abzurunden, aber sonst findet sich dort kaum Neues.

    http://www.faz.net/s/Rub1ED0C280BBA14ACAB16800E2F760DF3E/Doc~E7CFB23974E6E434C94E39D4DC902029D~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Nun ja.

    Mit BMW habe ich mich ehrlich gesagt noch nicht auseinander gesetzt.

    Was Guttenberg und Deutsche bestrifft, ist für mich sehr typisch deutsch, dass man entweder jemanden völlig verdammt oder alles schön redet. Das fiel mir in diesem Zusammenhang wieder einmal sehr negativ auf. Dazwischen scheint es nichts zu geben und mich nervt dieses typisch deutsche Getue.

  24. Robert Schlickewitz Says:

    Liebe Yael,

    aus meinen Zeiten in einem großen Verlag weiß ich, dass die Verkaufspolitik mit der erneuten Wiedergabe ein und des selben Textes in anderer Aufmachung bedauerlicherweise üblich ist, dass man auch auf diese unseriöse Art und Weise versucht, seine Verkaufszahlen zu heben. Damit hat allerdings der Autor weniger als der Verlag zu tun. Der Autor kann i.d.R. froh um jeden Heller sein, der ihm der Verlag gnädigst überlässt. Fischer-Lescano ist auch nur ein Autor.

    Hab‘ Dank, dass Du auf das typisch deutsche Getue aufmerksam machst, auf das Schwarzweißempfinden ohne Grautöne. Das kennzeichnet in der Tat viele von uns und man sollte sich davor hüten.

    Der von mir zitierte Autor Horst Mönnich gehört nicht zu den Deutschen dieser Kategorie. Er kennt die deutsche Geschichte gut und ist ein penibler Rechercheur. Sein oben wiedergegebenes Statement ist übrigens das einzige, das er über den deutschen Charakter abgibt. In seiner BMW-Geschichte ist er sonst eher voll des Lobes (und Stolzes) für die Errungenschaften deutschen Geistes und deutschen Genies, so dass diese, eher besinnlich klingenden Zeilen, beinahe wie ein Fremdkörper wirken.
    Da Mönnich die negativen Seiten der Deutschen den positiven gegenüberstellt, kann man ihm nicht den Vorwurf der Einseitigkeit, oder der Ungerechtigkeit, oder gar des Deutschenhasses machen.

    Das Thema Deutschenhass wäre ebenfalls eine Erörterung wert.

    Wo beginnt der Hass und wo endet ein durchaus zulässiges und legitimes Mahnen, Warnen, Kritischsein?

    Fünf Beispiele: Die Brüder Thomas und Heinrich Mann, Marlene Dietrich, der Schriftsteller Oskar Maria Graf und Albert Einstein. Alle Fünf wurden in Deutschland geboren, emigrierten vor dem Nationalsozialismus, lebten und wirkten im Ausland, beteiligten sich (jeder auf seine Weise) am Kampf gegen Hitlerdeutschland, wollten später nicht mehr für dauernd nach Deutschland zurückkehren, starben im Ausland.

    Allen Fünfen wurde im Dritten Reich und in den Jahrzehnten danach massiv Hass gegenüber Deutschland und den Deutschen vorgeworfen, wegen ihres Engagements „für den Feind“.

    Thomas Mann hatte z.B. in seinen Tagebüchern die erste Bombardierung seiner Wahlheimatstadt München, der Brutstätte und Wiege des NS, befriedigt-zustimmend kommentiert, er hatte Propagandareden über BBC gehalten sowie Deutsche aufgerufen zu desertieren. Marlene Dietrich spielte in „antideutschen“ Propagandafilmen mit. Einstein wendete sich ebenfalls in den Medien gegen das deutsche Unrechtsregime. Heinrich Mann und OMG machten literarisch und publizistisch aus ihren Herzen keine Mördergrube.

    Heute, lange Jahre nach ihrem Tod, werden ihre Handlungen und häufig sehr drastischen Worte nicht mehr als Deutschenhass interpretiert, sondern als legitime und ehrenwerte Mittel zur Mahnung und Warnung ihrer verblendeten Landsleute.

    Kritik am eigenen Volk ist demnach notwendig, sie sollte sogar weitestgehend möglich sein und sie darf auch die ‚Grenzen des guten Geschmacks‘ überschreiten. Denn nur so lassen sich oft falsche Legenden, Ikonen und Mythen bekämpfen und überwinden.

    Auch mir persönlich wurde mehrfach Deutschenhass vorgeworfen, weil ich auf einer Internetplattform die schmerzliche Wahrheit über liebgewonnene deutsche Tabus und Lebenslügen verbreite, weil ich es wage nichtkonforme Meinungen zu vertreten und weil ich Themen anreiße, die die meisten Deutschen am liebsten für immer beschweigen würden.
    Ohne mich mit den genannten fünf Prominenten auf eine Stufe stellen zu wollen, solch Größenwahn liegt mir nicht, das Problem ist das gleiche: Kritik ist nicht mit Hass gleichzusetzen. Mahnungen und Warnungen sind nicht nur unter Hitler angebracht, sondern auch in einer Zeit, die beginnt ihre Geschichte nur noch selektiv wahrzunehmen bzw. sie selektiv zu lehren (siehe z.B. meine Artikel zu bestimmten Minderheitenthemen in deutschen Nachschlagewerken).

    Mahner und Warner sind ganz und gar keine Hasser, sondern, wie oben gezeigt, oft die besseren Patrioten.

  25. A.mOr Says:

    Schalom Robert,

    entschuldige, daß ich mich erst so spät wieder äußere, ich wollte gewiß nicht unfreundlich sein.
    Tatsächlich ist dies auch nicht mein erster Anlauf, Dir zu der Sache zu schreiben, aber aus den verschiedensten Gründen lief es nicht so reibungslos, wie ich wünschte.
    Die vergangenen Tage dieser Woche kam dann noch dieser schlimme Vorfall von Itamar hinzu, der sehr meine Stimmung trübte, und mir ebenso ein Hindernis war, mich zu Guttenberg und den Deutschen zu äußern.

    Und jetzt? Eigentlich fühle ich mich nicht besonders kompetent, um „zum Deutschen“ analytisch zu werten, jedoch fällt mir bei der Bewertung, die Du Horst Mönnich geben läßt, auf, daß ich wenigstens keinen Grund sehe , dem zu widersprechen.
    Teile der Mönnich-Bewertung mag man gerne auch auf den Guttenberg anwenden, wie wir ihn über die Medienpräsentation kennenlernten.

    Schaue ich mir also die Bewertung an und nehme mir heraus, was zum Guttenberg passen mag, so komme ich der Reihe nach zu diesem Ergebnis:

    vom positiv beurteilten bleibt
    „..der deutschen Fähigkeit, stets das Äußerste zu wollen..“, selbst dieses jedoch nur unter dem Vorbehalt, daß ich natürlich die eigentlichen Ziele von G. nicht kenne, was die übrigen Tugenden angeht genauso, daher ließ ich sie weg. Und, ist das wirklich eine Tugend?

    Vom Negativen, also den „Untugenden“ bleibt
    „Unbelehrbarkeit, Selbstgerechtigkeit, eigene Überschätzung bei Unterschätzung anderer, Uneinsichtigkeit bis zur Vermessenheit, mangelndes Augenmaß, Obrigkeitsbeflissenheit.“
    Also alles, was Mönnich als Untugenden des Deutschen benennt.

    Alles natürlich wieder unter dem Vorbehalt, daß ich es so genau nicht wissen kann.
    Beim letzten Wort, Obrigkeitsbeflissenheit, bin ich mir zusätzlich zum Verständnis etwas unsicher;
    wenn ich also „Beflissenheit“ in etwa mit „Kenntnis“ oder „Leichtumgänglichkeit“ übersetze, oder damit, daß ich mich an diesem Wort nicht als „beflissen“ zeige, wenn ich es also so richtig verstehe, dann haben wir es bei „Obrigkeitsbeflissenheit“ mit einem „willigen, akzeptierten“ Umgang mit Obrigkeit zu tun, ein gehorsamer Soldat wäre also als „obrigkeitsbeflissen“ zu bezeichnen. Liege ich richtig?
    Und wenn ja, dann ist beim Guttenberg dieses Wort wenigstens nicht ganz passend. Er wird wohl sicher die Hierarchien respektiert haben rund um sein Amt, aber letztlich hat er selbst eines der höchstmöglichsten Ämter innegehabt, vergleichbare Leute in anderen Ländern übernehmen auch schnell mal die Macht, nicht wahr? Und hat er sich wirklich sehr gehorsam gezeigt?

    Nu, ich finde, Mönnich hätte das Wort „Engstirnigkeit“ miterwähnen können.
    Von dort läßt sich sovieles gleichzeitig ab- bzw herleiten.
    Kleingeistigkeit etwa, aus der allzuschnell ein Größenwahn werden kann.

    Trifft Schopenhauer es nicht brilliant, wenn er behauptet, daß „der Verstand beim Deutschen gerecht verteilt ist: jeder glaubt genug davon zu haben!“?
    Andererseits fühle ich mich durchaus auch unwohl bei solchen Behauptungen, zum einen aus Zweifel, daß Schopenhauer auch mich meinen könnte, zum anderen aber auch aus dem unerwünschtem Begehr bei mir in einem gewissen Revanchismus dem Deutschen genau eben diese Kleingeistigkeit an den Kopf zu werfen!
    Wie oft mußte ich mich mit rechthaberischen und vollkommen uneinsichtigen Deutschen auseinandersetzen!
    Vor allem aber, und das ist dann nicht Revanchismus bei mir, sondern Besorgnis, ist es auch Ignoranz, die ich am Deutschen anprangere.
    Dann wiederum, wer bin ich, mich auf so deutsche Weise zu (über)erheben?
    Zack!, nächster Punkt: Überheblichkeit.

    Aber nochmal zur „Ignoranz“, darunter verstehe ich eine Dummheit, die nicht sein muß, bzw die aus Bequemlichkeit gepflegt wird. Es werden also Kenntnisse bewußt ignoriert, bzw bewußt nicht wahrgenommen, weil eine Auseinandersetzung damit eben nur schwierig zu bewältigen ist.
    Im Prinzip läßt sich dann hier auch wieder „Kleingeistigkeit“ herleiten.
    Und ganz schnell sind wir dann wieder bei den „einfachen Bildern“, schwarz-weiß.

    Und um es lieber zu betonen, ich werde ganz sicher niemanden negativ beurteilen, oder sogar verhöhnen etc., der schlicht dumm, oder ungebildet ist und dergleichen, der meinetwegen auf 100 Metern langsamer läuft als ich (obwohl mich das inzwischen auch sehr überraschen würde), und dergleichen. Wenn jemand ist, wie er/sie/es ist, dann ist es wohl gut so.

    Ignoranz ist für mich eine „bewußte“ Haltung, die dazu dient, der eigenen Bequemlichkeit nachzugeben.
    Kleingeistigkeit, die aus der Ignoranz entsteht, ist von meiner Seite also ebenso abzulehnen,
    Kleingeistigkeit, die ganz einfach Ergebnis von Dummheit ist, also einer Unfähigkeit zu höherer Intelligenz (auch so ein „kritisches“ Wort…), die ist annehmbar.
    Genausogut könnte ich einen Menschen ablehnen, nur weil dieser Mensch eine lila Hautfarbe hat. Aber das macht keinen Sinn für mich.
    Oder etwas ‚euphemisch‘: die Schöpfung ist gut, also gut (was der ‚Mensch‘ mit seinem Freiwill jedoch damit treibt, das behagt mir weniger).

    Und was hatten wir oben noch, „Engstirnigkeit“. Eigentlich kann man auch hier unterscheiden zwischen „charakterlicher“ Engstirnigkeit (nicht einfach, aber wenigstens nicht „böse“) und einer „absichtsvollen“ Engstirnigkeit, wie etwa Judenfeindlichkeit einer solchen Engstirnigkeit entspringen mag.

    Auch hier haben wir dann wieder eine Kombination von Ignoranz mit Kleingeistigkeit und Überheblichkeit…

    Nuja, ob ich unsere Diskussion mit diesen Dingen hier wirklich weiterbringe, sicherlich habe ich so manches vergessen, etwas betrüblich finde ich, daß mir gerade keine Tugend einfällt, die mir wirklich gefällt (nehmen wir doch Mönnichs „Fleiß“, also fleißig waren sie unsere deutschen Verwandten, die Herren und Damen Nazi, kultiviert waren sie gar, wenigstens dem Schein nach – ..aha! Der Schein..)

    Nehmen wir die Schule, dem Lehrer ist es wichtig, daß der Schüler einen Text auswendig lernt, damit dieser vorgetragen werden kann. Auch im Leben nach der Schule ist es wichtig, daß man vieles gelernt hat, damit es abrufbar ist, etwa die Zitate vermeintlich kluger Leute. Aber auch Umgangsformen, zB bei Tisch.
    An etlichen Stellen macht das auch Sinn, nehmen wir den Straßenverkehr: es ist schon ganz praktisch, wenn alle sich auf eine Fahrtrichtung geeinigt haben, obwohl ich mir auch eine interessante Diskussion vorstellen kann, wenn sich Franzosen und Engländer unter dem Kanal (also dem Wasser zwischen den beiden Ländern) darüber unterhalten, wer denn nun der „Geisterfahrer“ sei.
    Aber andererseits sind Deutsche wirklich exzellente „Blender“ (wie eben Guttenberg), sie werfen nur zu gerne mit den vermeintlich klugen Aussagen irgendwelcher Berühmtheiten um sich (oder etwa Dr-Titeln, etc), nur damit ein Teil dieser Klugheit auf ihnen abscheinen möge.
    Inhaltlich steckt dann oft nichts dahinter.
    „Zitieren können“ heißt eben nicht notwendigerweise „verstehen können“.

    Und ich meine nichteinmal, daß es so wichtig sei, etwa einen Goethe komplett „verstanden“ zu haben, nur damit man ihn zitieren mag, sondern ich finde es etwas verstörend, wenn „Kleingeist Großgeist“ tut. Aber ganz so engstirnig mag ich es dann auch nicht sehen.

    Nun reicht es wohl ersteinmal. Mehr als anreißen kann ich hier wohl nicht.

    Ein sehr guter Freund von mir, der in Deutschland seine zweite Heimat gefunden hat, meinte, daß der Unterschied zwischen seines(unseres)gleichen und den Deutschen so geht:
    „die Deutschen haben ein kompliziertes Herz, aber einen einfachen Kopf,
    wir haben einen komplizierten Kopf aber ein einfaches Herz.“
    Möglicherweise war an der Stelle „seinesgleichen“ auch etwas auf „russische Mentalität“ gemünzt, das würde andererseits jedoch nur teilweise passen.
    Keine Ahnung, auch nur so ein Ding zum Denken. Was denkst Du dazu?

    Bei etwas Recherche habe ich bemerkt, daß Informationen zu seiner ursprünglichen Heimat nicht so einfach zu finden sind, gut, Informationen habe ich ja auch so aus erster Hand dazu (etwa, daß es außer Aschkenasim und Sefardim eben auch Gorskie Ewrei gibt; und noch mehr…), aber die Musik.
    Ein Stück fand ich, daß mir sehr gut gefällt, aserbaidschanisch-jüdisches (Juhuro)Liedgut.
    Bevor ich das Stück hier anschließe, dieser Freund und ich haben zusammen übrigens schonmal vor der Gemeinde vorgesungen (ich bin kein guter Sänger, aber er hat die Schose gerettet), drei oder vier Stücke auf der Bühne zu irgendeiner Feier, was denkst Du: deutsche Traditionsmusik!
    War auf jeden Fall lustig, und alle haben uns geliebt!
    Lag bestimmt an den „einfachen Herzen“…

    Ich interpretiere: der Wind der kaukasischen Berge:

    Weil ich oben die Awraham Fried Lieder so anpries, die Reihenfolge hat sich inzwischen geändert, also nochmal der Reihe nach:

    Tzomo Tzomo

    Lejos

    Ani maanim

    Und als ich so betrübt wegen des Mordes an der Familie Fogel (zu Itamar am vergangenen Schabbes um Mitternacht) vor mich hin ein wenig nach Musik kramte, alle Lieder oben, nicht unbedingt der Stimmung nach, aber dem Inhalt nach passen natürlich, aber ich fand noch eine sehr passende ’schma israel‘ Version, leider mit einem etwas abrupten Ende.

    (zum Thema „Deutschenhass“ -skurril, aber sowas gibt es auch!- später vielleicht mal.
    Ansonsten bis hierhin, alles Gute! A.)

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