TV-Tipp: Shtikat Haarchion – Geheimsache Ghettofilm

Arte zeigt heute abend um 20:15 Uhr die Dokumentation Geheimsache Ghettofilm.

„Shtikat Haarchion – Geheimsache Ghettofilm“ ist die Geschichte eines Films, der nie fertiggestellt wurde: 62 Minuten Filmmaterial – alles, was an Filmbildern aus dem Warschauer Ghetto überliefert ist. Nationalsozialistische Propagandafilmer wurden 1942 gezielt ins Warschauer Ghetto geschickt, um diese Bilder zu inszenieren.

Der Dokumentarfilm der israelischen Regisseurin Yael Hersonski basiert auf ungeschnittenem Material eines Nazi-Propagandafilms. Alles was erhalten blieb, ist ein Rohschnitt, der im Bundesfilmarchiv lagert. Lange Zeit galten diese Aufnahmen als authentisch – sie tauchten nach dem Krieg als „Archivaufnahmen“ in Dokumentationen über das Warschauer Ghetto auf.

Zeugnisse des Zynismus

Aufgenommen kurz vor der Deportation der Ghettobewohner, werden aufwendig inszenierte Szenen vom vermeintlichen Luxusleben der Juden im Ghetto Einstellungen gegenübergestellt, auf denen Hunger, Tod und Leiden zu sehen sind. Es wurde nie geklärt, was die Nazi-Propaganda-Maschinerie mit diesen Aufnahmen bezweckte und für wen sie gedacht waren.

[…]

Nachbetrachtung:

Ich habe mich beruflich und privat intensiv mit dem Thema Shoa auseinandergesetzt und trotzdem hat mich diese Doku sehr getroffen.

Ich frage mich, wie niederträchtig müssen Menschen sein,

  • die andere Menschen dazu zwingen, sich in einem Restaurant zu vergnügen, Champagner zu trinken, zu tanzen, so zu tun, als ginge es ihnen gut, während draußen ihre Angehörigen und andere Menschen verhungern,
  • die Menschen für den Zweck des Propagandafilms aus dem Gefängnis des Warschauer Ghettos heraustreiben lassen, denen die Angst in den Augen steht, da sie dachten, sie werden zu ihrer Hinrichtung gebracht,
  • die Menschen dazu missbrauchen, sich stundenlang in ein Theater zu setzen, ohne Essen zu und ohne die Toilette benutzen zu dürfen, um sich eine Aufführung anzusehen, die nur für diesen Film gedacht war,
  • die andere Menschen zwingen, an den Toten, die auf der Straße liegen, vorbeizugehen, ohne die toten Frauen, Männer und Kinder beachten zu dürfen,
  • die einen Mohel zwingen, an einem kleinen, halbverhungernden Säugling, die Brith Mila zu vollziehen, während der Leiter des Warschauer Judenrates Adam Czerniakow Angst hatte, der Säugling würde diese inszenierte Brith Mila wegen seines schlechten körperlichen Zustandes nicht überleben,
  • die Frauen und Männer zwingen, nackt und zusammen in einer angeblichen Mikwe, unterzutauchen,
  • die Menschen zwingen, an einer inszenierten Beerdigung teilzunehmen, während anderen Orts die Leichen der ermordeten Juden in eine riesige Grube hineingeschmissen werden,
  • die Menschen auf einem Platz zusammentreiben zu lassen, damit die Ghettopolizei sie wieder brutal auseinander treibt,
  • die Menschen dazu zwingen, sich nebeneinander zu stellen, die eine Person als herausgeputzt und reich darzustellen, während verlumpte und halb verhungerte Kinder diese Person anbetteln müssen und sie ihnen nichts geben darf?

Das alles aus einem Zweck: Dem deutschen Volk zeigen zu wollen, wie egal Juden das Leid anderer Juden ist und wie verroht sie seien. Der geplante Progagandastreifen wurde nie gezeigt. Bis heute kennt niemand den Grund.

    Mögen sich viele deutsche sog. Israelkritiker diesen Film ansehen und sich das nächste Mal zutiefst schämen, Israel mit den Naziverbrechen gleichzusetzen.

    בּוּשָה!

    3 Antworten to “TV-Tipp: Shtikat Haarchion – Geheimsache Ghettofilm”

    1. Daniel Says:

      Interessant. Aufnahme programmiert. Danke für den Hinweis.

    2. Rika Says:

      Wir haben den Beitrag auch gesehen und uns ähnliche Fragen gestellt, wie Du es hier tust.
      Welch ein perverses und perfides Vorgehen…

      Ich fand auch die Szene so grotesk, in der die beiden Frauen nebeneinander in einer Tür „aufgestellt“ wurden … oder die gestellte Szene, in denen angeblich „Reiche“ an den armen Bettler vorbeigehen müssen – immer wieder, bis die „richtige“ Einstellung im Kasten war.

      Einfach nur schrecklich!

      Und weisst Du, was ich besonders schlimm finde, dass die Haltung, die dahinter (hinter der Intention der Filmemacher im W.-Ghetto) steht, sich auch in den Kommentaren wiederfindet, die Du in Deinem Beitrag vom 9. 12. „Was sich im Internet so alles findet…“ gepostet hast.

      Gruselig!

    3. Daniel Says:

      Dass überhaupt Szenen gestellt werden mussten, macht deutlich, dass die Macher eine Realität herstellen wollten, die sich so nicht darstellte. Menschen also bewusst getäuscht werden sollten. Ihnen war das aber offensichtlich egal und das ist mindestens so schlimm wie all die anderen Verbrechen zu der Zeit.

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