Gedanken zum Schabbat

Ich habe ein paar schöne Zeilen in einem Buch, dass ich gerade lese, über den Schabbat gefunden. Da ich diese sehr schön finde, will ich sie niemanden vorenthalten:

Aber was meint die Tora, wenn sie sagt, Gott habe am siebten Tag geruht?
Der Herr hat nicht geruht am siebten Tag, erklären unsere Weisen, am siebten Tag hat er die Ruhe erfunden.
Wir sollten uns darüber einig sein, dass es hier um nicht um Schlafen, Essen oder die Erholung müder Muskeln geht. Das sind nur Spielarten der Arbeit. Sie dienen der Arbeit. Wir schlafen, wir essen, wir entspannen Körper und Geist, damit wir frisch und gut genährt wieder an die Arbeit gehen können. Und wenn wir nur aus Arbeit bestehen, was sind wir dann? Wir arbeiten, um Nahrung aufzunehmen und unseren Kopf in ein Kissen drücken zu können. Wir essen und schlafen, um arbeiten zu können. Wir sind Maschinen, die nichts weiter tun als endlos zu reproduzieren.
Schabbat aber zeigt uns, dass dem nicht so ist. Schabbat ist nicht zur Erholung da, nicht für die Freizeit, an Schabbat entsagen wir der Kreativität. Treten leise auf. Wir benutzen keine Transportmittel mit Rad oder Motor, wir geben kein Geld aus, wir telefonieren nicht und benutzen keine elektrischen Geräte. Wir tragen nichts außerhalb des Hauses, nicht mal etwas so kleines wie ein Taschentuch, nicht mal in der Hosentasche. Wir kochen nicht, wir graben nicht, wir schreiben nicht, wir weben nicht, wir nähen nicht, und wir zeichnen nicht. Wenn irgend möglich, ändern wir die Welt an Schabbat nicht durch unsere Anwesenheit. Wir essen, was wir vorbereitet haben, wir reden, wir schlafen, wir beten, wir gehen spazieren; schlichte
menschliche Tätigkeiten, mit denen wir dem Impuls widerstehen, ständig in die Welt einzugreifen, sie zu ändern und unseren Vorstellungen immer weiter anzupassen, als ginge es nur um unsere Wünsche. An Schabbat nehmen wir die Hände vom Steuer, auf dass es sich drehen möge.
Und hier kommen wir zum Eigentlichen. Denn werden wir nicht von unseren Taten, von unseren Werken abgelenkt, müssen wir irgendwann zu uns selber kommen. Mann-und-Frau wurden kurz vor Sonnenuntergang des sechsten Tages erschaffen. Wir sollten uns daran erinnern, dass jeder Freitag, bei Sonnenuntergang, unser Geburtstag ist. Schabbat führt zu uns selbst. Schabbat zeigt uns alles, was wir erreicht haben, aber nicht mehr, Schabbat fragt uns leise, aber beharrlich, wer wir sind. Und ohne eine Antwort wird uns der Schabbat nicht entlassen.

Aus Ungehorsam von Naomi Alderman.

Schabbat Schalom!

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