Fremde Federn: Sind Juden hierzulande integriert? Im Prinzip ja – aber auf ihre Art von Rabbiner Walter Rothschild

Integration mal anders.🙂

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Lederhosen Bin ich integriert? Ich trage in der Regel eine Kopfbedeckung, wenn auch keinen schwarzen Hut, sondern eine Mütze. Ich verzichte auf Bratwurst und Eisbein. Weder habe ich Lederhosen an (Mode in Bayern) noch Leder-Unterhosen (Mode in Teilen Berlins). Ich liebe Beethoven und Bach, aber nicht Udo Lindenberg. Die Bundesliga interessiert mich nicht die Bohne. Zu Hause habe ich einige Werke von Heine und Heinz Erhardt im Regal, aber keine Goethe- oder Schiller-Gesamtausgabe. Ich kann »Ilkley Moor«, ein Volkslied aus Yorkshire, singen, aber nicht »Oh du schöner Westerwald«.

Ich lebe auch in zwei Kalendern. Vor zehn Jahren hat eine Journalistin mich gefragt: »Was sagen Juden zum Jahr 2000?« Ich konnte nur antworten: »Es tut mir leid, aber das ist so lange her, dass wir es total vergessen haben!« Samstag ist für mich nicht Wochenende, sondern – ich wollte Schabbat sagen, aber für Rabbiner ist das ein Werktag. Mit der Adventszeit und mit Weihnachtsmärkten habe ich nichts am Hut. Koschere Ostereier habe ich noch nicht gefunden.

Ich kann mich noch an eine nächtliche Begegnung am Münchner Ostbahnhof erinnern, als ein Besoffener (nicht alle Deutschen sind Besoffene, aber sicher sehr viele von ihnen) mich fragte, ob ich Ausländer sei. »Ja«, sagte ich. »Ich komme aus Berlin.« Für Bayern ist das Ausland. Seine Reaktion war: »Nein, Sie sind Engländer oder Amerikaner, ein Freund von Bush!« Plötzlich war ich ein «echter« Ausländer, nicht nur Jude. Welch eine Erleichterung!

Russen Dennoch: Alles in allem haben wir Juden in Deutschland es (fast) geschafft, als normale Menschen akzeptiert zu werden. Keiner kreidet uns mehr die Kreuzigung Christi an – jedenfalls nicht öffentlich. Mazzen darf man verkaufen, ohne auf der Packung zu vermerken, welche Blutgruppe die dafür geschlachteten Christenkinder hatten.

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Eine Antwort to “Fremde Federn: Sind Juden hierzulande integriert? Im Prinzip ja – aber auf ihre Art von Rabbiner Walter Rothschild”

  1. Tabitha23 Says:

    Erstmal Hallo,

    Meiner Meinung nach ist der Unterschied zwischen uns christlichen und jüdischen kleiner als man denkt. Ich ging mit einer Jüdin in die Klasse. Sie war sehr integriert und veranstaltete jedes Jahr eine grosse Geburtstagsparty. Ich war damals in der 4. Klasse und fand Sie nicht komisch oder aussergewöhnlich etc. Und was das Aussehen betraf: Sie hatte blaue Augen und braune Haare- sprich Sie sah aus wie ne Schweizerin halt🙂 Nun ja, das Einzige was ich “speziell“ fand, war das Brot. Es wurde halt statt mit Butter mit ÖL gemacht. Heute weiss ich auch warum. Damals dachte ich nur für mich: Oje die können nicht sehr gut backen.😀 Und Sie sagte auch jeden Freitag, dass Sie in eine “spezielle“ Kirche gingen. Das ist meine einzige Erfahrung mit Jüdischen Leuten🙂 Aber das zeigt auch, dass es (mehr oder weniger) Menschen sind wie Du und Ich, oder?

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