Westergaard und Markus Lanz

Es werden sicherlich einige gestern (typisch öffentlich-rechtlicher Sender) am sehr späten Abend Markus Lanz gesehen haben, der den Mohammed Karikaturisten Kurt Westergaard nach langen Hickhack eingeladen hatte.
Ich war über die Art von Markus Lanz mehr als nur entsetzt. Man hatte nicht das Gefühl, dass der Mordanschlag auf Westergaard der Skandal ist, sondern Westergaards selber und seine Mohammed-Karikatur. Lanz ist sicher in seiner Gutmenschenart und Eitelkeit nicht gerade der best gewählte Interviewer, den sich das ZDF hier hätte leisten sollen, aber es hätte kaum schlimmer kommen können. Mehrfach wiederholte Lanz den politisch korrekten Standardspruch in Deutschland, 99 % der Muslime wären nicht gewalttätig und tolle Menschen. Das bestreitet zwar kaum jemand, aber politisch korrekt muss in diesem Land zwangsläufig sein. Dann wiederholte er ein ums andere Mal, das Christentum sei ebenfalls eine gewalttätige Religion gewesen. Im Grunde ist es lächerlich darauf einzugehen, denn auch diese Tatsache bestreitet niemand. Nur liegt eben die Betonung auf „war“ und nicht auf „ist“. Dass das Christentum heute keine gewalttätige Religion mehr ist und keinen Kritiker des Christentums ermordet und wir heute eine weitgehende Trennung von Staat und Kirche nicht nur in Europa haben, muss man bei Lanz allerdings immer wiederholen. Daher ist dieser Vergleich so unnötig wie überflüssig. Dass Westergaard auch schon Jesus karikiert hat, deswegen böse Briefe bekam, aber eben keine Morddrohungen, hat der Moderator in seiner Vorbereitungszeit schlicht verpennt zu recherchieren, denn ansonsten hätte er sein peinlich wiederholtes Nachfragen, ob er auch Jesus karikieren würde, nicht stellen müssen. Das ganze Interview hindurch hatte ich das Gefühl, der Moderator verlange im Grunde von Westergaard, seinem bösen Tun Mohammed karikiert zu haben, abzuschwören. Oder wie der Spiegel zu Recht fragte: Muss sich hier eigentlich der von Fanatikern verfolgte Karikaturist für seinen Mut rechtfertigen, die teuer erkämpfte demokratische Freiheit des Westens in Anspruch genommen zu haben?
Das Gefühl, nicht der Mann, der versucht hat, Westergaard zu ermorden ist das Problem, sondern dass Westergaard es gewagt hat, eine Karikatur über Mohammed zu veröffentlichen und er Muslime angeblich deswegen weltweit beleidigt hätte, beschlich mich die ganze Zeit. Der Gipfel der Relativierung des Attentäters lieferte Lanz am Ende des Interviews, in dem er Westergaard sagte, er sei in Somalia, dem Herkunftsland des Attentäters, gewesen und ob er wüsste, dass die Menschen dort nichts anderen hätten als ihre Religion. Dass der Attentäter aber schon sehr lange in Dänemark lebte und eigentlich integriert hätte sein müssen, verpennte der Moderator. Für mich war es der Gipfel der Frechheit einen Attentäter mildernde Umstände zu gewähren, als wäre bei Islamisten die Armut ihrer Länder das Problem, um ein Mörder zu werden. Ich weiß nicht wann sich in Deutschland endlich mal die Erkenntnis durchsetzt, dass die islamistischen Mörder durch die Bank weg aus bürgerlichem und oft reichem Elternhaus stammen und Armut damit nichts zu tun hat.
Westergaard hat in meinen Augen im ganzen Interview sehr souverän agiert und Lanz am Ende den Wind aus den Segeln genommen als er Lanz wie folgt antwortete: Keinesfalls hasse er diesen „fehlgeleiteten“ jungen Mann. Doch die schlichte Wahrheit sei: Viele Jahre lang lebe der Somalier schon im reichen und liberalen Dänemark. Sein Hass kommt also nicht aus der „Dritten Welt“. Er entstand direkt hier, bei uns, im freien Europa.
Der Spiegel resümiert: Wenn der mitternächtliche Auftritt von Westergaard ein Menetekel gewesen sein sollte, dann dies: Bewahre uns Gott, wer immer und wo immer er sei, vor einer existentiellen Herausforderung, bei der die Freiheit einmal wirklich in Gefahr wäre.
Ihre aktiven Verteidiger würden ein kleines Häuflein bilden, das locker in ein ZDF-Studio passen würde. Wetten, dass…?

Die Befürchtung habe ich leider auch.

Weitere Infos: Westergaard schafft Lanz.

2 Antworten to “Westergaard und Markus Lanz”

  1. ezra Says:

    Höhepunkt war zweifellos, als Lanz Herrn Westergaard quasi um Verständnis mit dem versuchten Mörder bat. Widerlich.

  2. yael1 Says:

    Genau das, Ezra. Diese Täter-Opfer-Umkehr war das Skandalöse an diesem schrecklichen Interview.

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