Jewish Parade & Strassenfest zu Lag Bar Omer

Heute zu Lag ba Omer fand zum ersten Mal ein jüdischer Feiertagsumzug in Berlin statt.
Im Vorfeld gab es hierfür Kritik der jüdischen Gemeinde zu Berlin, die sich wie folgt äußerte: Es entspreche nicht den Gepflogenheiten, jüdische Feste »demonstrativ zu begehen«.

Wenn Juden auf Berlins Straßen sich selbst feiern wollen – und das haben viele am ersten Maisonntag vor – ist dies ihr gutes Recht. Warum nicht einen Wagen mieten und pünktlich zum Ausklang der Maikrawalle den bürgerlichen Berliner Westen »aufmischen«? Dennoch regt sich gegen die jüdische Parade der »Liebe und Verbrüderung« Widerstand: Es entspreche nicht den Gepflogenheiten, jüdische Feste »demonstrativ zu begehen«, seufzen die Skeptiker – ganz so, als würde jedes Jahr der große Chanukka-Leuchter diskret in einem Wohnzimmer entzündet und nicht vor Dutzenden Journalisten, geladenen Gästen und Gemeindevertretern am Brandenburger Tor.

Wir müssen auf unterschiedliche Art und Weise zeigen, dass man an uns nicht mehr vorbeikommt, dass wir unbequem, geschmacklos, skandalös, manchmal auch spannend und interessant sind. Kurzum: Wir leben. Mit uns soll man streiten. Wir sind die Stolpersteine der hiesigen Gegenwart, der Kloß im Hals und der Klotz am Bein des neuen Deutschland. Wir passen in keine vorgefertigten Muster, sind nicht mehr die Unbekannte in der deutsch-jüdischen Gleichung. Wir sind sichtbar.

Die Bauchschmerzen der jüdischen Gemeinde in Berlin kann ich hier nicht nachvollziehen, alle Menschen unterschiedlicher Religionen feiern ihre Feste und niemand hat Bedenken, wenn man zeigt, dass man da ist. Das machen Muslime, Christen und andere doch ebenso. Warum sollten sich wir Juden uns „verstecken“? Ich war dort, auf dem Platz, auf dem sich gestern am 1. Mai circa 300 Nazis illegal versammelt hatten und verhaftet wurden, und es waren mehr Menschen dort als ich dachte, Juden wie auch Nichtjuden. Besonders ist mir die israelische Fahne, die ein Polizist an seinem Motorrad befestigt hatte, ins Auge gefallen. Nach all den Skandalen um verbotene und abgehängte israelische Fahnen, war dies eine Überraschung.
Ich fand die Parade toll, es war laut, lustig und die Menschen haben mit Neugier und Offenheit reagiert. Beschimpfungen habe ich keine vernommen und das ist bei Versammlungen oder Veranstaltungen in der Öffentlichkeit für uns keine Selbstverständlichkeit. Zeigen wir, dass es uns gibt, dass Juden wieder eine Selbstverständlichkeit in Deutschland sind, dass wir keine unbekannten und fremden Wesen, keine Exoten sind, zeigen wir: Am Jisrael chai!
Und: Das sollten wir jedes Jahr genauso machen.

4 Antworten to “Jewish Parade & Strassenfest zu Lag Bar Omer”

  1. ivri Says:

    Was als „Jüdische Parade“ der „Jüdischen Gemeinde“ ausgegeben wurde was nichts anders als die Werbeveranstaltung einer einzelnen umtriebigen Organisation, die nach innen und außen es ganz gut verstand, einen ausgemachten Bluff als authentische Tradition zu verkaufen. Lag Baomer hat wohl mit der Abschwächung der Trauer der ersten 33 Tage nach Pessach zu tun und gefeiert wird in Safed am Grabe von Rabb. Shimon bar Yochai sowie am Lagerfeuer mit Kartoffeln, Maiskolben und jüdischen Liedern. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat sich mit recht von dieser Rummelveranstaltung fern gehalten, da die Voraussetzungen nicht stimmten. Der private Veranstalter hat sie geplant und angekündigt und erst danach beiläufig bei den „Unterstützern“ angefragt. Der Veranstalter meldete: „Das erste Mal nach dem zweiten Weltkrieg, dass die Parade wieder stattfindet…“ Dass die Ignoranz da und dort fröhliche Urständ feiert heißt nicht, dass man jeden Unsinn hinnehmen kann. Weder vor noch nach irgendeinen Krieg hat es in Berlin oder sonst wo „jüdische Paraden“ gegeben. Egal ob LagBaomer oder an einem anderen Tag. Auch die zitierten „Jewish Parades“ in „New York, London und Paris“ sind Produkte der einen selben Organisation, keineswegs authentische lokale Traditionen. Und weiter der Veranstalter: „Der Anlass ist Lag BaOmer, das Fest jüdischer Einheit.“ Welche Einheit? Freude ist an diesem Tag angesagt, nicht aber zur Schau gestellten Parolen. An diesem Tag, den 18.Ijar im jüdischen Kalender, kam das große Sterben unter den Schülern von Rabbi Akiva, 24.000 an der Zahl, zum Erliegen. Es ist daher ein Tag des Lernens und des Gedenkens. In Israel, aber auch außerhalb Israels, genießt man an diesem Tag die Natur, „Hillula“, Lagerfeuer, Erinnerung an die großen Kabbalisten sind die Stichworte. LagBaOmer ist kein Tag des Rummel, der Kostümierung, der künstlichen Fröhlichkeit und des leeren Herumstolzieren unter Polizeischutz. Unsere Traditionalisten hätten diesen Unfug schlicht „Minhag Hagoi“ genannt.

  2. yael1 Says:

    Ihre Meinung sei Ihnen unbenommen, aber hier bitte kein Chabadbashing.
    Es geht vor allem aber darum, sich zu zeigen und nicht wie die jüdische Gemeinde es mit der Begründung ablehnt: >>Es entspreche nicht den Gepflogenheiten, jüdische Feste »demonstrativ zu begehen>>. Ich finde es falsch, sich immer zurückzuhalten und sich nur dann zu zeigen, wenn es Demos für Israel gibt. Das hat mit jüdischem Leben ja nun kaum etwas zu tun. Und das denke ich, können wir auch nach außen zeigen.

    In Deutschland kennt kaum jemand Juden persönlich, immer noch werden wir als Fremdkörper empfunden und nur als ein „Sprachrohr Israels“ wahrgenommen. (Die israelische Botschaft war übrigens auch dabei.)
    Deswegen bin ich der Meinung: Zeigen wir, dass es uns gibt, dass Juden wieder eine Selbstverständlichkeit in Deutschland sind, dass wir keine unbekannten und fremden Wesen, keine Exoten sind.

  3. Chemtrailhasser/Ute Says:

    Ich mag ihre Argumentation u. die leichte Ironie.
    Habe schon einiges bei haGalil über sie mitlesen können und freue mich, diesen Blog gefunden zu haben.

    Grüße
    Ute

  4. yael1 Says:

    Herzlich willkommen, Ute.

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