Der ewige Konvertit?

Es gibt etwas, was mir seit Jahren immer wieder auffällt. Und zwar, dass ein Mensch, der Juden geworden ist, bei einem bestimmten Menschenschlag immer und ewig der Konvertit bleibt, egal wie lange der Giur auch zurückliegt.

Dabei ist der Begriff Konversion in Bezug auf das Judentum schon falsch.
Laut Wikipedia ist die Konversion die Umkehr bzw. die Umwendung (lat.: conversio = Umwendung, Umkehr) und bedeutet die Übernahme von neuen, anderen Glaubensgrundsätzen, religiösen Traditionen und Bräuchen bzw. der Kultur, in Beziehung zu den früheren Glaubensgrundsätzen der konvertierenden Person.

Erstens tritt man im Judentum keiner Religion bei, sondern über die Religion einem Volk.
Zweitens war nicht jeder Ger oder jede Gioret ein Angehöriger einer anderen Religion.

Wenn man schon den Begriff verwenden muss, ist er im Kontext eines Giurs völlig falsch, denn man ist solange Konvertit, solange der Giur andauert.
Nach dem Gang in die Mikwe (bei Männern kommt noch die Brith Mila hinzu) ist man Jude und kein Konvertit mehr. Immer wieder finde ich es erstaunlich, dass sich diese schlichte Tatsache immer noch nicht überall herumgesprochen hat. Besonders nicht bei Juden, die es eigentlich besser wissen müssten.

Warum fällt es manchen so schwer, Gerim als das zu bezeichnen was sie sind: Nämlich Juden? Will man sich so zwanghaft von nicht geborenen Juden abgrenzen und wenn ja, wo liegen die Ursachen dafür?

Besonders gern wird diese Bezeichnung von Nichtjuden gebraucht, die dem Judenrum durchaus positiv gegenüber stehen oder von Juden, die keine Beziehung mehr zu ihrer eigenen Religion haben und/oder die sich fast ausschließlich über die Shoa als Juden definieren. Ja gut, Gerim haben in der Regel keine Vergangenheit des Verfolgtseins durch die Nazis. Sind sie deswegen dann weniger jüdisch?

Gehen wir einmal zur Halacha und wie sie sich in Bezug auf Gerim äußert:

„Wenn einer umgekehrt ist, sage keiner zu ihm: Gedenke deiner früheren Taten! Wenn ein Nachkomme von Proselyten ist, sage keiner zu ihm: Gedenke des Tuns deiner Väter“ (Baba Mezia, 58b).“

Kodex der Halacha, „Jore Dea“,
Kapitel 268, Paragraf 12: „Selbst wenn der
Proselyt rückfällig geworden ist und sogar
Götzen gedient hat, ist sein Status wie der
eines abtrünnigen Juden, dessen Heirat
gültig ist.“

Hat jemand Buße getan, so darf man nicht zu ihm sagen: Denke an deine früheren Taten. Stammt jemand von Proselyten, so sage man nicht zu ihm: Denke an die Taten deiner Vorfahren, denn es heißt: einen Fremdling (ger) sollst du nicht kränken und nicht bedrücken (Ex. 22: 20).

Somit verstößt derjenige, der den Begriff Konvertit nach dem Abschluss eines Giurs benutzt, gegen die Halacha.

Aber auch durch die Bezeichnung Ger bzw. Gioret weist meines Erachtens auf einen Widerspruch zur Halacha hin. Denn mit dieser Bezeichnung wird ein Juden an seine Vergangenheit als Nichtjude erinnert. Widerspricht die hebräische Bezeichnung nicht deshalb nicht auch der Halacha?
Wozu also diese Begrifflichkeit? Um doch einen Unterschied zu geborenen Juden herzustellen?

Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum

17 Antworten to “Der ewige Konvertit?”

  1. Schoschana Says:

    wow, ich bin die erste…

    ich möchte nur zwei kurze anmerkungen machen:

    1) natürlich ist ein ger ein ger, so wie ein baal tshuva ein baal tshuva ist und ein geborener ein geborener. alle sind natürlich juden, aber ihr jüdischsein hat unterschiedliche wurzeln. die gegenwart kann gleich sein, aber die vergangenheit ist verschieden und prägt manchmal die gegenwart. wenn da keine wertung mit im spiel ist, ist das völlig in ordnung. das zitat aus bava mezia bezieht sich im übrigen darauf (auf die wertung, nicht auf die tatsache an sich).

    2)es ist völlig unerheblich wie ein nichtjude einen juden (ob geboren, ger oder baal tshuva) sieht oder bezeichnet. was interessiert dich das überhaupt?

  2. thomas Says:

    hallo yael
    zuerst einmal kompliment… finde deinen blog sehr interessant. deine gedanken bezüglich der problematik „der ewige konvertit“ sind verständlich. auch deine rechtfertigung warum es nicht rechtens ist immer wieder auf den konvertit reduziert zu werden anhand der halacha sind schlüssig. sofern ich das „ein nichtjude“ beurteilen kann.
    abgesehen davon glaube ich dich rein vom gefühl her ein bißchen zu verstehen.
    ich muß dazu noch sagen das mich die jüdische kultur seit geraumer zeit „gefangen“ genommen hat.
    klingt zwar komisch aber ich hab mich so intensiv mit ihr beschäftigt und tu es immer noch das mich meine umwelt schon als jüdisch bezeichnet.
    nicht etwa weil ich mit kippa,kaftan und peyes zur arbeit erscheine,
    nein einfach nur weil ich… und da bin ich unbescheiden
    einfach um welten mehr weiß als der österreichische durchschnittsbürger.
    „weil man da nur ein klein wenig mehr wissen muß“;-)
    und wenn man dann noch in israel war…
    den idioten nicht recht gibt die mit den immer gleichen vorurteilen und lügen den juden und jedem denkenden menschen unrecht tun,indem man still bleibt sondern partei ergreift… ja es persönlich nimmt!
    sich wehrt gegen die dummheit mit wissen und guten argumenten,
    einfach der wahrheit gilt man schon als jude…
    da ist es doch nur logisch wenn man sich gedanken darüber macht ob man vielleicht jüdisch ist.
    versteh das bitte nicht falsch damit will ich sagen das ich mich oft gefragt habe ob ich da wo ich bin auch hingehöre.
    manchmal habe ich das gefühl als befände ich mich schon in diesem „gijur“.
    worauf ich hinaus will ist das ich mich nicht selbst täuschen darf wenn ich mich aufgrund dessen was andere menschen über mich denken jüdisch fühle oder gar im gijur glaube.es wäre vermessen und falsch den ich muß keine mitzwot erfüllen.habe keine tradition…in religiösem sinn.
    ich hoffe man kann erkennen worauf ich hinaus will. das ich erst dann jüdisch wäre wenn ich in einer gemeinde mit rabbiner,gijur,beschneidung und bet din das rüstzeug dazu hätte jüdisch zu leben aber selbst dann nicht einwandfrei jüdisch wäre.
    warum?
    und bitte das ist meine meinung aus dem gefühl heraus habe viel, viel zuwenig wissen was halacha angeht.
    weil mir schlußendlich kein mensch das joch auferlegen kann mich zum israeliten ernennen das der bund auch für mich gültigkeit hat.
    nur der oberste kann dies…
    damit meine ich einfach es ist egal was ich will.
    oder andere von mir denken
    oder von jemanden denken der gijur gemacht hat…oder?

    und ich finde es nicht wirklich wiedersprüchlich wenn es diesen ausdruck ger oder gioret gibt.
    denn jemand der gijur gemacht hat halt keine jüdische mutter es wäre ja komisch wenn so getan würde als wäre es so…oder?
    es hat dich ja auch schon vor deinem giur gegeben und das ist doch nichts schlechtes.
    du weißt das,deine gemeinde,alle die dich kennen …oder?
    wichtig ist doch nur das du so gut du kannst jüdisch lebst was die anderen sagen kann verletzend sein…aber ist es eigentlich von bedeutung für dich und deiner jüdischkeit?
    hoffentlich gehe ich dir mit dem geschriebenen nicht auf den geist aber wenn ja lass es mich wissen…und verzeih sollte ich total am thema vorbei geschrieben haben 😉
    lg. thomas

  3. AchSchaf Says:

    Über die Gerechten und über die Frommen und über die ältestes Deines Volkes, des Hauses Israel, und über den Rest seiner Schriftgelehrten und über die wahren Proselyten, sowie über uns bringe Dein Erbarmen, … (ich habe aus der Übersetzung von Schma Kolenu, Schmone Essre, zitiert)

    Ich denke, dass die Broche durchaus mit der Halacha verträglich ist, und auch hier wird von Konvertiten gesprochen, sie werden ausdrücklich und deutlich vom gewöhnlichen Volk unterschieden. Übrigens gibt die Broche auch eine Wertung, und die sieht für Konvertiten nicht wirklich übel aus 😉

  4. Ron Yitzchak Says:

    Inhaltlich möchte ich dir vollkommen zustimmen, Yael. Allerdings lässt sich die Verwendung von Begriffen wie „Konvertit“ oder „Ger“ nicht vermeiden – es kann ja auch durchaus mit Wertschätzung verbunden sein.
    Oder müssen wir die Amidah umformulieren?
    „[…]We’al Gerej haTzedek[…]“

  5. yael1 Says:

    Also, dass jeder Gerim eine Vergangenheit hat, die er immer behält, ist sicher klar. Wer meint, der Giur wäre quasi ein Identitätswechsel, sprich, man habe mit seiner Herkunft dann nichts mehr zu tun, irrt sehr gewaltig.
    Manche scheinen das sicher zu glauben, aber ob die nach einem Giur glücklich werden, möchte ich bezweifeln.

    Richtig ist, dass es mir egal sein kann, wie Nichtjuden einen Ger sehen. Mir fällt es nur negativ auf, dass die Abwertung gerade von Menschen kommen, die selber lieber Juden wären, ihnen das aber oft nicht einmal bewusst ist. Leider habe ich einiger dieser Spezies virtuell zur Genüge erlebt. Schon deshalb erwähne ich kaum noch, dass ich eine Gioret bin, denn dann wird man leider schon in eine bestimmte Schublade gesteckt. Außerdem will ich nicht die ewige Konvertitin sein, sondern endlich als das gesehen werden was ich bin: Eine Jüdin.

    Ich habe sicher nichts 😉 dagegen, wenn Gerim mit Wertschätzung, auch über die Halacha gesehen werden. Letztendlich spielt natürlich das Individuum selber eine Rolle. Es gibt ja, wie überall auch, sonne und solche.
    Ich finde aber, dass sich die Halacha doch selber ein wenig widerspricht, wenn sie einerseits sagt, man dürfe dem Ger nicht an seine Vergangenheit erinnern, aber sie selber den Begriff Ger/im immer wieder benutzt. Oder hat es etwas damit tun tun, dass man annimmt, ein Ger wäre ein abdrüngiger Jude (der am Sinai dabei war) und der nun zurückgekehrt ist?
    Ab wann ist man eigentlich kein Ger mehr? Ab der nächsten Generation?

    Yael

  6. Schoschana Says:

    ron yitzchak,

    ich ziehe das wort „ger“ vor. aus zweierlei gründen: einmal bedeutet „ger“ etwas anderes als „nur“ zu konvertieren (d.h. das glaubensbekenntnis zu wechseln). der begriff „konversion“ dreht sich weitaus mehr um sich selbst wohingegen das wort „gijur“ wesentlich umfassender ist. lagur bedeutet wohnen und der ger ist somit also einer der im jüdischen volk seine zelte aufgeschlagen hat. er hat nicht nur eine reise in ein anderes glaubensbekenntnis unternommen, sondern er ist sozusagen „über den fluss gezogen“, von seinem land zu unserem land hat sich jenseits des flusses in unserer mitte niedergelassen.
    zweitens werden, soweit ich informiert bin diejenigen, die vom judentum zum christentum konvertiert sind (in historischen quellen beispielsweise) als „konvertiten“ bezeichnet.

    achschaf,

    mit wertung meinte ich natürlich eine negative wertung.

    yael,

    in bezug auf die nichtjuden, ein anderer vergleich:
    würdest du jemandem auch nur zwei sekunden zuhören, der kein augenarzt ist, aber meint, bei dir einen sehschaden diagnostizieren zu können, der eine starke brille mit sonnenschutz erfordert?

    was die tradition angeht: ich denke, es ist in ordnung, wenn sich diejenigen, die „hineinkommen“, auch etwas beweisen müssen. und man sie ein wenig mit neugier und manchmal auch mit misstrauen beobachtet (sei dir aber gewiss, das ist nicht nur bei gerim so, das betrifft chosrei b’tshuva gleichermassen). lebst du in einer gemeinschaft, so wird das aber sicher bald kein thema mehr sein.

    deine kinder wären natürlich keine gerim mehr.

  7. thomas Says:

    im leben
    die halacha ist ja nicht etwas das irgendwie aus der ferne starr reguliert.
    die halacha steht ja mitten im leben.
    nicht nur… wie soll ich sagen ist sie eine reihe von gesezten die ja oder nein zu einem sagen.jüdisches recht will nicht nur regulieren sondern den menschen lehren.
    eben weil sie im leben steht muß sie erkennen was für probleme es gibt und diese beim namen nennen.nicht um auszugrenzen sondern um zu lehren warum…
    so glaube ich.

    eigentlich eine große sache das mit den kindern.
    sie kommen auf die welt und sind jüdisch…und ihre kinder und deren kinder…
    yael konnte irgendwie entscheiden.
    alle generationen nach ihr eigentlich so nicht…
    ein faszinierender gedanke…

  8. thomas Says:

    ach ja was ich noch sagen wollte… das internet und die diversen foren die jeder schon durchforstet hat der sich mit dem thema gijur beschäftigt um sich sozusagen schlau zu machen.
    sind voller solcher leute…die wie mir oft scheint ihren angeblichen wunsch einen gijur zu machen nie in die tat umsetzen was ja nicht schlimm ist.
    aber mir scheint weil sie glauben nie als juden akzeptiert zu werden.
    da wird wochenlang nur darüber geredet wie wer oder was einen jüdisch macht und zwar anerkannt usw usw.
    jeder erklärt jedem was den nu richtig jüdisch ist und was nicht.und die die andere am lautesten bezichtigen so oder so zu sein sind die die am sensibelsten sind.
    kurzum man ist wenn man sich ne zeitlang durch die foren gelesen hat total verwirrt und versteht gar nix mehr.weil die meisten dort nur ihr ego herausputzen wollen.
    deine komentare sind mir sehr positiv aufgefallen yael
    und zwischen den vielen die dort schreiben hätt ich gesagt…
    sie ist jüdin.
    aus dem gefühl heraus einfach so.

  9. yael1 Says:

    Ich konnte entscheiden, richtig. Leicht ist der Weg des Giurs nicht, was aber auch okay ist, denn so denkt man sehr lange darüber, ob man wirklich dazu bereit ist, die Mitzwot auf sich zu nehmen. Und es ist ja auch mehr als „nur“ eine Religion. Außerdem bleibt man nach einem Giur immer jüdisch und kann dann nicht mehr entscheiden, ob man es sein will oder nicht. Das ist auch ein Aspekt, dessen man sich bewusst sein muss.

    „würdest du jemandem auch nur zwei sekunden zuhören, der kein augenarzt ist, aber meint, bei dir einen sehschaden diagnostizieren zu können, der eine starke brille mit sonnenschutz erfordert?“

    Guter Vergleich, Schoschana. Klares nein.

    Ich habe kein Problem, etwas beweisen zu müssen, das ist völlig in Ordnung.

    „deine kinder wären natürlich keine gerim mehr.“

    Ich habe letztens von einer Jüdin gehört, von der aber nicht nur ich ausging, dass sie gar keine war, es würde 10 Generationen dauern. Man man so alles liest, ist schon unglaublich. Naja, damit muss man wohl leben.

  10. Schoschana Says:

    warum fragst du nicht einen rav? wäre sicher sinnvoller, als sich von irgendwelchen postings im internet beunruhigen zu lassen ;).

  11. yael1 Says:

    Du meinst wegen diesen 10 Generationen? Das halte ich für ein Gerücht. Wahrscheinlich meinte diese Dame die Mamseruthproblematik.

  12. Mordy Says:

    Zitat:
    „Will man sich so zwanghaft von nicht geborenen Juden abgrenzen und wenn ja, wo liegen die Ursachen dafür?“

    Nein, sicherlich nicht. andererseits -und da dürften wohl die Ursachen liegen- kenne ich etliche Personen die bei Deutschen Gerim/Konvertiten/etc (oder welchen Begriff du auch benutzen willst; im Grunde ist die Wortwahl irrelevant) doch eher misstrauisch sind.
    Dass du ein Problem damit hast als Ger angesehen zu werden, finde ich schon komisch. Wenn deine Motive ehrlich sind, brauchst du dich dafür doch nicht zu schämen oder zu verantworten? Dann kann man ja offen und ehrlich damit umgehen.

    Meines Erachtens ist dies übrigens eine typisch Deutsche Angelegenheit. Vor ein paar Monaten noch habe ich eine Buchverkäuferin bei Steimatzky gesprochen die mir ganz offen und stolz erzählte dass sie eine Konvertitin aus Frankreich ist; schön und gut. Lerne ich Deutsche Gerim (was wesentlich öfter geschieht) kennen versuchen die immer erst dass zu vertuschen, oder zu tun als ob sie nicht Deutsch sind. Scheinbar ist ihnen alles Deutsche peinlich, oder haben sie keine Lust darüber zu sprechen; dass hat etwas verkrampftes.

    Und bei der Anzahl Deutscher Konvertiten werde ich auch immer ein bisschen skeptisch. Sind die Deutschen religiöser als andere Nationen? wohl kaum. Wie erklärst du dir dass das gerade (verhältnismässig) so viele Deutsche zum Judentum übertreten?
    Leider kann ich aus meinen Erfahrungen heraus in vielen Punkten (aber sicherlich nicht allen) dem Artikel von Henryk Broder recht geben:
    http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Integration;art141,2376701
    Andere Leute haben vielleicht andere Erfahrungen; mag sein…meine Erfahrungen sind nun mal eher negativ.

    Im Grunde sollte dir die dass aber alles egal sein. Hast du ehrlich Motive, bist du ehrlich zu dir selbst, bist du zufrieden mit deinem Werdegang…dann sollte es dich ja wenig kümmern wie andere über dich denken. Wichtig ist wie du dich selbst siehst, und wie du dein Leben sinnvoll gestalten kannst. Verplemper nicht zu viel Zeit mit solchen Gedankengängen! 🙂

  13. yael1 Says:

    Ich weiß, dass circa 50-70 Menschen in Deutschland Juden werden und das ist relativ wenig (im Islam sind es bis zu mehreren Tausend, um mal den Unterschied zu zeigen).

    „Dass du ein Problem damit hast als Ger angesehen zu werden, finde ich schon komisch.“

    Nein, damit hab ich keine Probleme, sondern, wie ich ja schon erwähnte, eher andere, die Gerim in eine Schublade stecken, ohne den Menschen dahinter zu sehen (wie z.B. Broder es hier eindeutig tut).
    Das und die Frage nach der Halacha meinte ich damit.
    Und dass ich Deutsche bin, damit hatte ich echt nie Probleme, denn es ist wie es ist.

    „Verplemper nicht zu viel Zeit mit solchen Gedankengängen!“

    Nein, mache ich normalerweise nicht, es war nur mal ein paar Gedankengänge dazu, weil mir einiges negativ aufgefallen ist, mehr steckt nicht dahinter.

  14. Noa Says:

    Tja, die Lage eines Ger ist tatsächlich nicht einfach. Aber oft macht auch er einiges, um sie noch weiter zu komplizieren. Ich weiss es aus eigener Erfahrung.

    Hier ein paar Fallen, in die man besser nicht reintappen sollte:

    1) So tun, als wäre man kein Ger. Erstens sieht man es schon von Weitem, auch nach 20 Jahren, zweitens wenn man es nicht von Weitem gesehen hat, dann werden sich die, die es wissen, ein Vergnügen daraus machen, es jenen, die es nicht wissen zu hinterbringen (natürlich möglichst in Abwesenheit der betroffenen Person, um sie nicht zu verletzen). Drittens: warum sollte man es leugnen. Man bekommt schliesslich den Namen xxx ben/bat Avraham Avinu, also ist man „strukturell“ sowieso gekennzeichnet.

    2) Bei „diskretem Nachfragen“ den Stier bei den Hörnern packen. Mistelgruper? den Namen kannte ich gar nicht. Wusste nicht, dass es ein jüdischer Name ist. Oder „Aus Hintertupfingen? ich wusste gar nicht, dass es in Hintertupfingen eine jüdische Gemeinde gibt“. Auf sowas geht man am besten gar nicht erst ein, sondern sagt gleich „und ich bin jetzt schon seit xx Jahren jüdisch“ oder „meine Eltern sind ja nicht jüdisch“ oder so. Dadurch ist man nicht mehr in Defensive, sondern in der Offensive. Angriff ist die beste Verteidigung.

    3) Nicht beglückt auf jeden Juden zurennen „was, du bist jüdisch, ich auch (wie man ja deutlich NICHT erkennen kann.)

    4) Die jüdische Identität nicht zu überdeutlich vor sich hertragen, sondern etwas diskret damit umgehen. Statt beim Mitarbeiteressen laut zu fragen „wo gibt’s hier koscher?“ einfach diskret nicht hingehen, oder sich vor dem Essen diskret aus dem STaub machen. Mir fällt auf, dass Abwesenheit in grösseren Gruppen kaum jemandem auffällt, wenn man nicht selber die Leute mit der Nase darauf stösst. Religion ist Privatsache, das muss man nicht jedem, der es nicht hören will, verklickern. (Das gleiche gilt auch für Diskussionen über Israel, etc…) Wenn man jüdisch wird, muss man erst einmal Zniut lernen: nicht auffallen.

    5) Nicht auf das Spiel „Hackordnung“ eingehen. Komischerweise scheinen insbesondere Giur-Kandidaten der Meinung zu sein, dass Juden etwas besseres sind. So weit so gut, sollen sie Juden verehren, auch wenn das die persönlichen Beziehungen für die Vereehrten nicht unbedingt vereinfacht. Was aber ein unerwünschter Nebeneffekt ist, ist, dass sich die Gerim und Kandidaten den „Deutschen (Nichtjuden)“ implizit überlegen fühlen. Und ich denke, das stösst vielen sauer auf und provoziert dann die Reaktion „ja, wie jüdisch bist du überhaupt? Ah, übergetreten, dann hab‘ dich nicht so“. Dieser „Hackordnungs-Effekt“ existiert im Prinzip in jeder Gruppe, wo neue hinzustosse (Neue fangen unten an). Besonders prononciert ist er in Sekten, und leider eben auch unter Gerim in Deutschland. Ich nehme an, das liegt einerseits an der Geschicht, andererseits aber auch daran, dass die Deutsche Mentalität besonders, na sagen wir Hierarchie-Sensibel ist.

    Wenn man das Hackordnungs-Spiel vermeidet, schützt man sich einerseits vor (Selbst-)Entwertung, was einem im Giur-Prozess mit der ganzen Kultur-Umstellung leicht passiert. Andererseits schützt man sich aber auch davor, sich bei den „Niedereren Rängen“, als da sind (deutsche) Nichtjuden und „jüngere“ Kandidaten unbeliebt zu machen.

    So, das war meine Liste, ich bin sicher, die Blog-Autorin und die anderen Leser werden noch einige Punkte hinzuzufügen haben.

    • yael1 Says:

      Ich würde in einem bestimmten Rahmen nicht jedem erwählen, dass man ein Ger ist: Im Internet. Die Unterstellungen, die einem da begegnen sind unglaublich und unglaublich arrogant. Was möchte man sagen: Typisch deutsch.
      Punkt 3 und 4 habe ich noch nie so erlebt, aber vielleicht achte ich nicht so darauf.
      Und dass sich Gerim, den deutschen Nichtjuden „überlegen“ fühlen sollen, sehe ich auch nicht so.
      Ich kenne nur Gerim, die sehr zurückhaltend sind und sich nie in den Vordergrund drängen, sei es positiv als auch negativ.
      Hierchien finde ich persönlich fürchterlich und gehe diesem Getue eher aus dem Weg.

      Im Gemeindeleben spielt der Status Ger aber eigentlich keine Rolle, ich denke, das wird immer wieder überbewertet.

      • Noa Says:

        Im Internet finden oft recht gehässige Diskussionen statt, wo niemand so genau weiss, wer wer ist. Ist ja klar: im Internet ist man weitgehend anonym.

        Ich stelle fest, dass z.B. in Debatten über Israel das Freund/Feind-Denken oft sehr ausgeprägt ist.

        Irgendwie habe ich oft das Gefühl, dass man erst כמה מילים בעברית schreiben muss, bevor es einem erlaubt, auf historische Tatsachen hinzuweisen, ohne dass man gleich der Israel-Feindlichkeit oder des Antisemitismus geziehen wird. Beide Vorwürfe sind oft nicht weit voneinander entfernt.

        Das stört mich. Ich fände es gut, wenn jeder seine Meinung sagen dürfte, und wenn es irrelevant wäre, ob jemand jüdisch ist oder nicht, Ger, Goy, Jude, egal.

        Und gerade Gerim erkennt man da leicht daran, dass sie sich besonders gross aufspielen. Es ist so ein bisschen das Phänomen „päpstlicher als der Papst sein“.

        Zum Beispiel bin ich auf diesen Blog gekommen, um zu überprüfen, ob meine Vermutung stimmt, dass Du eine Gioret bist. Und siehe da, so war es auch, dabei deutet ja in deinem Nick nichts darauf hin, und du hast es auch nicht erwähnt.

        Das ist es, was ich meine: es hat keinen Sinn, das Offensichtliche zu verhehlen, man betrügt sich damit nur selbst.

  15. yael1 Says:

    Warum sollte es dich interessieren, wer ich bin? Warum sollte jeder das sofort erwähnen? Wen geht das etwas an? Was hat das mit irgendwas zu tun? Und wieso betrügt man sich damit selber? Viele wissen, dass ich eine Gioret bin, ich sage es, wenn es zum Thema passt, gehe damit aber nicht hausieren, wenn es überhaupt nicht im Zusammenhang interessiert. Wieso auch?
    Ich weiß, dass es besonders beliebt in Dtl. ist, Gerim vorzuwerfen, sie spielten sich auf.
    Die Frage ist eher, ob sich Menschen aufspielen, die gern Gerim/Juden in bestimmte Kategorien einteilen.
    Wenn man mit jemanden ein Problem hat, spricht man das Problem an, aber macht es nicht an irgendeinem Status fest. Das ist nämlich genau das, was mich sehr stört und mich abschreckt, anderen zu sagen, wer man ist.

    „Ich fände es gut, wenn jeder seine Meinung sagen dürfte, und wenn es irrelevant wäre, ob jemand jüdisch ist oder nicht, Ger, Goy, Jude, egal.“

    Natürlich kann jeder seine Meinung sagen und jeder tut es auch.

    Im Übrigen reagiere ich unabhängig davon was ich bin oder einmal war, auf antisemitische Klischees, antisemitische Statements, das wäre so oder so nicht anders und war nie anders. Ich mag das nämlich nicht, wie ich auch Rassismus oder Allgemeinplätze nicht mag.

    Du unterstützt aber unbeabsichtigt mit deiner Meinung meine Ansicht, man solle es im Internet nicht jedem auf die Nase binden. Das ist das was ich meine: Sofort wird geschnüffelt, einem die Vergangenheit, die damit nicht einmal etwas zu tun, vorgehalten und als Gerim in eine bestimmte Ecke gestellt.

    Wo bleibt eigentlich die Halacha bei all dem?

    „Hat jemand Buße getan, so darf man nicht zu ihm sagen: Denke an deine früheren Taten. Stammt jemand von Proselyten, so sage man nicht zu ihm: Denke an die Taten deiner Vorfahren, denn es heißt: einen Fremdling (ger) sollst du nicht kränken und nicht bedrücken (Ex. 22: 20).

    Ich würde gern wissen, ob du jüdisch bist, als solche geboren oder auch konvertiert? Dein Nick weist leider auf nichts hin.

    Anmerkung: Leider kommt nichts mehr. Ich habe es auch nicht anders erwartet, mein Bauchgefühl täuscht mich selten. Traurig, dass da nur jemand scheinbar hierher kam, um mir „nachzuschnüffeln“, und das Thema „Ewiger Konvertit“ dafür benutzt hat, um sein eigenes Klischee bestätigt zu bekommen (denkt sie zumindest).

    PS: Die andere („Rose“) und „Noa“ sind zufälligerweise aus derselben Gegend in der Schweiz! und kommentieren auch noch nahezu identisch…

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    Was für ein Zufall. Nachtigall ick hör dir trapsen! 😀

    Da es sich scheinbar um ein und dieselbe Person handelt, verzichte ich gern auf so jemanden in meinem Blog.

    Der Thread ist geschlossen!

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